Nachrichten Samstag, 09. September, 2000

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Reaktionen auf die Resolution des Europa-Parlaments zum AKW Temeliln

Die stellvertretenden Regierungschefs Vladimir Spidla und Pavel Mertlik sehen auch nach der Annahme der Resolution im Europa-Parlament zum tschechischen AKW Temelin keinen Grund für die Hinauszögerung der Aktivierung des ersten Reaktors in diesem Kraftwerk. Die Resolution, die am Donnerstag vom Europa-Parlament in Strassburg verabschiedet worden ist, verlangt alle entsprechenden Prozeduren zur Untersuchung der Auswirkungen des Reaktorbetriebs auf die Umwelt im Einklang mit den geltenden EU- Bestimmungen. Die Informationen, über die das Europa-Parlament verfügt habe, seien nicht ganz genau und ausreichend, sagte dazu Vizepremier Pavel Mertlik auf einer Pressekonferenz am Freitag.

Initiative "Referendum 20002 fordert eine Verschiebung der Inbetriebnahme des AKWs Temelin

Der Petitionsausschuss der Initiative "Referendum 2000" hat am Freitag die tschechische Regierung in einem offenen Brief aufgefordert, die Aktivierung des Brennstoffes im Atomkraftwerk Temelin zu verschieben. Vor der Inbetriebnahme soll eine Studie erarbeitet und auf internationaler Ebene behandelt werden, die die Auswirkungen des AKWs auf die Umwelt analysiert. Die gewonnene Zeitspanne soll das Kabinett zur Ausschreibung einer Volksabstimmung über die Inbetriebnahme des Kraftwerks nutzen, steht im Brief. Die Aufforderung wurde u.a. von den Ex-Umweltministern Martin Bursik und Ivan Dejmal unterzeichnet.

Neue Blockade der tschechisch-österreichischen Grenze

Die österreichischen Gegner des südböhmischen Kernkraftwerks haben am Freitag Nachmittag eine neue Blockade der tschechisch-österreichischen Grenze organisiert. Etwa 1000 Österreicher mit Traktoren blockierten um 15 Uhr den Grenzübergang Dolni Dvoriste - Wullowitz, geschlossen wurden auch weitere sechs Grenzübergänge zwischen Südböhmen und Oberösterreich. "Wir wollen durch diese Protestaktion nicht die tschechische Öffentlichkeit beschädigen. Wir wollen ein klares Signal an die tschechische Regierung aussenden, dass es mit der Sicherheit des Temelin nicht ganz in Ordnung ist und dass wir deswegen starke Befürchtungen fühlen", sagte dazu gegenüber der Presseagentur CTK der Abgeordnete des oberösterreichischen Landtages, Otto Gumpinger, der an der Spitze der Blockade in Wullowitz stand.

ODS fordert zu Verhandlungen über den Staatshaushalt auf

Die oppositionelle Demokratische Bürgerpartei ODS hat das sozialdemokratische Kabinett aufgefordert, die Verhandlungen über den Staatshaushalt 2001 mit ihr aufzunehmen. Sie stützt sich dabei auf den Tolerierungsvertrag, der zwischen den beiden stärksten Parteien unterzeichnet worden war. Die Sozialdemokraten verpflichten sich darin, das Haushaltsdefizit in Höhe von 20 Milliarden Kronen nicht zu übersteigen. Das Kabinett billigte jedoch einen Haushaltsentwurf, der ein Defizit von 23 Milliarden vorsieht.

Bestattung der sterblichen Überreste auf dem Neuen jüdischen Friedhof in Prag

Die sterblichen Überreste, die auf dem ehemaligen jüdischen Friedhof auf der Baustelle der Tschechischen Versicherungsanstalt im Prager Stadtzentrum entdeckt worden waren, werden auf dem Neuen Jüdischen Friedhof in Prag bestattet. Die Leitung der Jüdischen Gemeinde in Prag hat davon am Freitag entschieden und damit die Empfehlung des Oberrabbinats der Tschechischen Republik erfüllt. Wie der Vorsitzende der Gemeinde Jiri Danicek informierte, betrachtet damit die Prager jüdische Gemeinde die Frage der Rettung des auf der Baustelle entdeckten jüdischen Friedhofes als gelöst. Gegen die Bebauung des Geländes haben in der letzten Zeit jüdische Organisationen aus der ganzen Welt protestiert, die eine Erhaltung des ehemaligen Friedhofes erzielen wollten.

Wetter

Abschließend bringen wir den Wetterbericht. Am Samstag soll es in Tschechien leicht bewölkt sein, im Nordwesten des Landes muss mit örtlichen Regenschauern gerechnet werden. Die Nachttemperaturen liegen zwischen 10 und 6 Grad, die Tageshöchstwerte steigen auf 19 bis 23 Grad Celsius.