Nachrichten Samstag, 10. Juni, 2000

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Staaten der Wisegrader Gruppe für schnelle EU-Erweiterung

Die Ministerpräsidenten von Tschechien, Polen, Ungarn und der Slowakei haben sich am Freitag beim Treffen der Wisegrader Gruppe in Stirin bei Prag für eine schnelle EU-Osterweiterung und eine NATO-"Politik der offenen Tür" ausgesprochen. Zudem erneuerte das Bündnis den Wunsch nach einer engeren Zusammenarbeit mit Deutschland. Als konkretes Projekt gründeten die Regierungschefs einen Fonds mit Sitz in Bratislava, dem eine Million Euro für gemeinsame Projekte zur Verfügung stehen. Das Bündnis war 1991 im ungarischen Visegrad gegründet worden, um die Reformschritte der vier Staaten zu koordinieren.

Kavan: Referendum zum EU-Beitritt erwünscht - aber nicht vor 2002

Die tschechische Regierung will den geplanten EU-Beitritt des Landes letztendlich durch ein Referendum entscheiden lassen. Die Volksbefragung werde aber möglicherweise erst im Jahr 2002 stattfinden, wenn alle Bedingungen der Mitgliedschaft bekannt wären, zitierte die Nachrichtenagentur CTK den tschechischen Außenminister Jan Kavan. Auch EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen habe sich für ein solches Referendum ausgesprochen, sagte Kavan. Entschieden wiesen die beiden Politiker hingegen einen Vorschlag des tschechischen Abgeordnetenchefs Vaclav Klaus zurück, der sich für eine baldige Befragung ausgesprochen hatte. Unterdessen ergab eine repräsentative Umfrage der Prager Agentur IVVM, dass derzeit etwa 49 Prozent der Tschechen für den EU-Beitritt ihres Landes sind. 25 Prozent der etwa 1 100 Befragten seien dagegen, hieß es am Donnerstag in Prag. Über den Besuch von Tschechiens Premier Milos Zeman und Außenminister Jan Kavan in Brüssel hören Sie mehr im anschließenden Tagesecho.

Präsident Havel noch eine Woche im Krankenhaus - Zustand stabil

Der tschechische Präsident Vaclav Havel muss noch etwa eine Woche im Prager Militärkrankenhaus bleiben. Vier Tage nach seiner Bauchoperation mache der Heilungsprozess des 63-jährigen zwar Fortschritte; trotzdem bestehe weiter Gefahr von Atembeschwerden, sagte Havels Leibarzt Ilja Kotik. Das Staatsoberhaupt wurde am Freitag auf eine normale Pflegestation verlegt. Die Atemwege des chronisch Lungenkranken funktionieren praktisch normal, sagte Kotik.

Kroatischer Premier Ivica Racan zu Staatsbesuch in Tschechien erwartet

Der Krieg auf dem Balkan und die autokratische Regierung des ehemaligen kroatischen Präsidenten Franjo Tudjman haben sich in den 90er Jahren auch markant in den Beziehungen der Tschechischen Republik zu Kroatien widergespiegelt. Kroatien, das im kommenden Jahr den 10. Jahrestag seiner Unabhängigkeit begeht, bedauert dabei vor allem den enormen Rückgang in der Anzahl tschechischer Touristen, die traditionell eine der größten Urlaubergruppen an den kroatischen Adriastränden gebildet haben. Mit dem Ziel, die beiderseitigen Beziehungen wieder zu beleben, wird der neue kroatische Premier Ivica Racan am Sonntag in Prag anreisen, wo er zu einem zweitägigen offiziellen Staatsbesuch in der Tschechischen Republik erwartet wird.

Rabbiner aus Belgien protestieren gegen Überbauung von jüdischem Friedhof

Mit einer spektakulären Aktion haben in Prag Rabbiner aus Belgien gegen die Überbauung des ältesten jüdischen Friedhofs in Tschechien protestiert. Das Gräberfeld aus dem 13. Jahrhundert war im vergangenen Jahr bei Bauarbeiten zu einer Tiefgarage entdeckt worden. Die Geistlichen hätten am Donnerstagabend stundenlang die Baustelle blockliert und erst von der Polizei abgedrängt werden können, berichteten Tageszeitungen in Prag am Freitag. Die Rabbiner drohten mit einer Wiederholung ihrer Aktion "mit tausenden Teilnehmern".

Die Tschechische Versicherung Ceska pojistovna, die das Grundstück zum Bau eines Verwaltungsgebäudes erworben hatte, sieht die Besetzung der Baustelle als einen "bisher noch nie dagewesenen Vorfall" an, teilte der Sprecher der Versicherung, Michal Urban, am Freitag der Nachrichtenagentur CTK mit.

Messe der Last- und Nutzfahrzeuge in Brünn eröffnet

In der mährischen Metropole Brno/Brünn ist am Freitag die achte internationale Messe der Last- und Nutzfahrzeuge AUTOTEC eröffnet worden. Bis zum 15. Juni werden 544 Firmen aus 15 Ländern ihre Produktpalette präsentieren, die angefangen von den Fahrzeugen selbst bis hin zu Einzelteilen und Zubehör sowie der Service-Technik reicht. Im Zusammenhang mit der Messe wurden in Brünn vor Journalisten Presseinformationen veröffentlicht, denen zufolge der Verkauf von PKW´s in der Tschechischen Republik in den ersten fünf Monaten um 10,3 Prozent auf über 63.000 Autos und der Verkauf von LKW´s um 37,2 Prozent auf 2432 Fahrzeuge angestiegen sei.

Roma diskutieren über die EU, Menschenrechte und ihre eigene Tradition

Rund 30 Schüler und Studenten der an tschechischen Gymnasien und Hochschulen lernenden Roma haben sich am Freitag im Schulungszentrum in Doubrava bei Havlickuv Brod zu einem dreitägigen Diskussionsforum eingefunden. Bis zum Sonntag werden sie hier gemeinsam mit Gästen über den Beitritt der Tschechischen Republik in die Europäische Union, die Sprache der Roma, die Tradition ihres Wanderlebens, aber auch über die Arbeit der Roma-Assistenten und die Menschenrechte diskutieren.

Viertes Festival der Puppenspielkunst in Prag fand große Resonanz

Das vierte Weltfestival der Puppenspielerkunst, das in Prag stattfindet und an dem 27 Ensembles aus 23 Ländern teilnehmen, tritt an diesem Wochenende in seine zweite Hälfte. Der Direktor dieser renommierten Veranstaltung, Todor Ristic vom Internationalen Institut der Puppenspielerkunst, war überrascht vom außergewöhnlich großen Echo der ausländischen Puppenspieler an dem Prager Wettbewerb. "Wir haben Anmeldungen von nahezu siebzig Bühnen aus 46 Staaten erhalten. Doch wir konnten leider nur rund einem Drittel von ihnen die Gelegenheit geben, in Prag aufzutreten," sagte Ristic am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur CTK.

Das waren die Meldungen.