Nachrichten Samstag, 20. Januar, 2001

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Lothar Martin

Internationale Proteste gegen Festnahme von Tschechen auf Kuba nehmen zu

Gegen die Festnahme des ehemaligen tschechischen Finanzministers und jetzigen Abgeordneten Ivan Pilip und des früheren Studetenführers Jan Bubeník durch kubanischen Behörden haben inzwischen immer mehr Länder protestiert und sind damit der Tschechischen Republik hilfreich zur Seite getreten. So hat der deutsche Außenminister Joschka Fischer die widerrechtliche Festhaltung der beiden Tschechen am Freitag scharf kritisiert. Aus Sicht Berlins sei dieses Vorgehen der kubanischen Behörden "völlig unakzeptabel", meldete dazu die Deutsche Presseagentur (dpa). Derweil versprach der kubanische charge d´affaires in Tschechien, David Paulovich, am Freitag in Prag, dass den Verwandten der beiden Inhaftierten keine Hindernisse für die Einreise nach Kuba in den Weg gelegt würden. Das Einreisevisa sollen auch die Mitglieder einer Delegation tschechischer Parlamentarier erhalten, die in Havanna über die Freilassung der beiden Tschechen verhandeln wollen. Pilip und Bubeník sollen wegen angeblicher Spionage vor ein kubanisches Gericht gestellt werden. Mehr zu diesem Thema hören Sie im Anschluss in unserem Tagesecho.

Treffen der Präsidenten der Wisegrad-Gruppe befasste sich mit EU-Themen

Die Präsidenten Polens, Tschechiens, der Slowakei und Ungarn haben am Freitag im oberschlesischen Pszczyna bei Katowice/Kattowitz ihren Willen zur Zusammenarbeit bekundet. Im Konflikt um den früheren tschechischen Finanzminister Ivan Pilip und den Menschenrechtler Jan Bubenik, die kürzlich nach dem Besuch eines Bürgerrechtlers auf Kuba festgenommen worden waren, forderten sie gemeinsam die Freilassung der beiden Männer. Besonders hohe Priorität habe der geplante Beitritt zur EU, erklärten Polens Staatspräsident Aleksander Kwasniewski und seine Amtskollegen Václav Havel (Tschechien), Rudolf Schuster (Slowakei) und Ferenc Mádl (Ungarn) in ihrer Schlussdeklaration. "Der schnelle Zugang zur Union unter günstigen, gleichberechtigten Bedingungen wird nicht nur die Erfüllung unserer nationalen Integrationsbemühungen bedeuten, sondern auch zur Dynamisierung des europäischen Einigungsprozesses führen", betonten die vier Präsidenten der so genannten Wisegrader Gruppe.

Atomkraftwerk Temelin hat Probebetrieb für drei Wochen unterbrochen

Ohne die Beeinträchtigung des Grenzverkehrs fand am Freitag am österreichisch- tschechischen Grenzübergang Wullowitz/Dolní Dvoriste eine Demonstration von rund 200 Atomkraftgegnern gegen das umstrittene südböhmische Kernkraftwerk Temelin statt. Das KKW ist nach exakt 100 Tagen Probebetrieb für rund drei Wochen abgeschaltet worden. Bis etwa zum 5. Februar wollen Ingenieure besonders das Zuleitungsrohr einer 1000-Megawatt-Turbine untersuchen, das nach Ansicht der tschechischen Atomsicherheitsbehörde vibriert und undicht ist.

Finanzielle Kontrolle im Tschechischen Fernsehen (CT) wird verschärft

Die Leitung des tschechischen Fernsehsenders Ceská televize (CT) hat am Freitag ihre Ankündigung, sämtliche Gehaltszahlungen dieser Institution einzustellen, da der Verdacht der möglichen finanziellen Unterwanderung des Fernsehsenders vorliege, vorerst zurück gezogen. Allerdings ergreife sie die notwendigen Maßnahmen, um ab sofort sämtliche finanziellen Flüsse in der öffentlich-rechtlichen TV-Anstalt kontrollieren zu können. Das teilte der amtierende Finanzdirektor des Senders, Jindrich Beznoska, nach seiner Verhandlung mit Vertretern der Tschechoslowakischen Handelsbank (CSOB) am Freitag gegenüber der Nachrichtenagentur CTK mit. Einen Tag zuvor hatten sich Vertreter der streikenden Redakteure und der umstrittenen Führung der TV-Anstalt darauf verständigt, die stellvertretende CT-Intendantin Vera Valterová bis auf weiteres die rechtmäßige Leiterin des Senders anzuerkennen. Mehr zu diesem Dauerthema hören Sie im Tagesecho.

Früherer tschechischer Tennisprofi Srejber zu langer Haftstrafe verurteilt

Milan Srejber, 37-jähriger früherer tschechischer Tennisprofi, ist am Freitag zu fünf Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Nach Ansicht des Prager Stadtgerichts hatte der ehemalige Spitzenspieler 1995/96 mit seiner Investitionsgesellschaft STI etwa eine Million Mark auf ungesetzliche Weise verdient. Srejber war auch in die Parteispendenaffäre verwickelt, über die Ende 1997 der konservative Ministerpräsident Vaclav Klaus gestürzt war. Er hatte sich in den vergangenen Jahren mit einem USA-Aufenthalt einer Strafverfolgung entzogen und war Anfang Januar bei einer Routinekontrolle auf dem Prager Flughafen festgenommen worden.

Premier Zeman und Unternehmer zufrieden mit Staatsbesuch in Estland

Der tschechische Premier Milos Zeman und die tschechischen Unternehmer, die ihn bei seinem Staatsbesuch am Donnerstag und Freitag in Estland begleitet haben, haben sich zufrieden über die Anknüpfung neuer Handelsbeziehungen mit dieser baltischen Republik geäußert. Während seines offiziellen Besuchs war der Premier zudem mit seinem estnischen Amtskollegen Marti Laar und weiteren Politikern des Gastgeberlandes zusammen getroffen.

Zeman: Zahlung einer Entschädigung an deutsche Antifaschisten möglich

Der tschechische Ministerpräsident Milos Zeman hält im Rahmen der Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter eine Zahlung an deutsche Antifaschisten in Tschechien grundsätzlich für möglich. "Selbstverständlich habe ich großen Respekt vor den deutschen Antifaschisten, die gegen Hitler kämpften, und ich sehe keinen Grund, warum sie von dieser Entschädigung ausgeschlossen bleiben sollten", sagte Zeman der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Prag. Ein Teil der Summe, die Prag erhalte, könnte an diese Opfergruppe gehen, hieß es. Zeman reist am kommenden Dienstag zu einer tschechischen Leistungsschau nach München. Dabei hoffe er, Investoren aus Bayern anlocken zu können, sagte der Sozialdemokrat.

Die Wetteraussichten für das Wochenende:

Am Samstag wird es in Tschechien überwiegend bedeckt sein. Vereinzelt ist mit leichtem Schneefall oder mit überfrierender Nässe zu rechnen. Örtlich treten Nebel auf. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen Werte zwischen minus 2 und plus 2 Grad, in Höhen über 1000 Meter liegen sie bei minus 2 Grad Celsius. Am Sonntag und am Montag keine wesentlichen Wetterveränderungen. Es ist zumeist bewölkt bis bedeckt, örtlich kommt es zu Schneeschauern oder leichtem Schneefall, der in tieferen Lagen in Schneeregen übergeht. Vereinzelt treten Frühnebel auf. Die Tageshöchstwerte bewegen sich am Sonntag zwischen minus 2 und plus 2 Grad und am Montag zwischen minus 1 und plus 3 Grad Celsius. In den dazwischen liegenden Nächten wird das Thermometer jeweils auf minus 2 bis minus 6 Grad Celsius sinken.

Das waren die Meldungen.