Nachrichten Samstag, 25. April, 1998

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Havel - Gesundheitszustand

Der tschechische Staastpräsident Vaclav Havel hat sich am Freitagabend einem Luftröhrenschnitt unterziehen müssen. Mit diesem 15-minütigen Routineeingriff solle dem 61-jährigen Patienten - so die behandelnden Ärzte der Universitätsklinik in Innsbruck - das Atmen erleichtert werden. Am Samstagmorgen wurde nach Informationen des Tschechischen Fernsehens die künstliche Beatmung des Präsidenten eingestellt. Wie der Chef-Anästhesist des Prager Militärkrankenhauses, Bohumil Limberk, sagte, sei der Eingriff ohne jegliche Zwischenfälle verlaufen und könne den Genesungsprozess des Präsidenten in keinem Falle beeinträchtigen. Havel sei fieberlos, wach und ansprechbar. Alle seine Organe, einschliesslich der Lunge, arbeiteten zufriedenstellend.

Tosovsky gratuliert Kirijenko

Der tschechische Premierminister Josef Tosovsky hat dem neuen russischen Regierungschef Sergej Kirijenko zu dessen Wahl gratuliert. "Ich wünsche Ihnen viel Erfolg in dieser neuen Funktion", schrieb Tosovsky am Freitag in einem Glückwunschtelegramm. Insbesondere hoffe er auf eine weitere erfolgreiche Entwicklung der tschechisch-russischen Beziehungen.

Parkanova - Malloth

Die Tschechische Republik begrüsst das verstärkte Interesse der Bundesrepublik Deutschland am Fall des mutmasslichen Kriegsverbrechers Anton Malloth. Die tschechische Justizministerin Vlasta Parkanova verhandelte in dieser Sache am Freitag in Prag mit einem deutschen Justizvertreter. Gesprächsthemen bildeten dabei eine eventuelle Beweisnot im Falle einer Anklage sowie die Frage der bislang noch ungeklärten Staatsbürgerschaft Anton Malloths. Des weiteren wurden protokollierte Zeugenaussagen besprochen und Dokumente ausgestauscht. Dem 86-jährigen Malloth, der heute in einem Altenheim bei München lebt, wird vorgeworfen, als einer der brutalsten Aufseher im Gestapo-Gefängnis des Judengetthos Theresienstadt für die Ermordung nicht weniger Häftlinge persönlich verantwortlich gewesen zu sein. In der früheren Tschechoslowakei war Malloth bereits 1948 wegen Kriegsverbrechen in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. Bei der Staatsanwaltschaft Dortmund läuft seit Jahren ein Ermittlungsverfahren gegen ihn. Einem juristischen Gutachten zufolge ist Malloth nicht im Besitz der deutschen Statsbürgerschaft und könnte daher an die Tschechische Republik ausgeliefert werden.

US-Botschafterin begrüsst CSSD-Haltung zu Nato-Beitritt

Die US-Botschafterin in Prag, Jenonne Walker, begrüsst die veränderte Haltung der sozialdemokratischen Partei, die im Zusammenhnag mit dem angestrebten Nato-Beitritt der Tschechischen Republik von einer bis vor kurzem noch von ihr geforderten Volksbefragung Abstand genommen hat. Als Gastrednerin auf einem von den Sozialdemokraten in Prag organisierten internationalen Seminar über verteidigungs- und sicherheitspolitische Fragen bekräftigte die US-Botschafterin noch einmal, dass eine Nato-Mitgliedschaft keineswegs eine Beschneidung der nationalen Souveränitat und Unabhängigkeit nach sich ziehen werde.

ODS - Wahlkampfvorbereitungen

Der Exekutivrat der demokratischen Bürgerpartei ODS berät an diesem Wochenende über die Vorbereitungen zu den im Juni stattfindenen Parlamentswahlen. U.a. soll bei dieser Gelegenheit die endgültige Entscheidung darüber fallen, ob die ODS mit der Rechtspartei ODA eine Wahlkoalition eingehen wird oder nicht.

Sie hörten die Nachrichten von Radio Prag.