Nachrichten Samstag, 28. November, 1998

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Radio Prag - Nachrichten - 28.11.1998 - 17.00 Uhr / BA

Ahoj und willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer, bei der nächsten halben Stunde in deutscher Sprache auf den Wellen von Radio Prag. Gute Unterhaltung und einen ungestörten Empfang wünscht Franz- Josef Balkhausen. Zunächst die Nachrichten:

Baunernprotest ohne nennenswerte Zwischenfälle

Ohne nennenswerte Zwischenfälle sind am Freitag die Protestaktionen der tschechischen Landwirte gegen den Import subventionierten Schweinefleischs aus den EU-Ländern verlaufen. Mit einem Grossaufgebot an Traktoren und anderen landwirtschafftlichen Fahrzeugen hatten die Bauern versucht, den Verkehr auf den wichtigsten Fernstrassenverbindungen lahmzulegen oder zumindest zu verzögern. Nach Angaben der Polizei kam es dabei nur zu einem einzigen Unfall, bei dem niemand verletzt wurde. Alle 70 Kreisagrarkammern unterstützten den Bauernprotest, der im übrigen auch auf den kritischen Zustand der tschechischen Landwirtschaft im Allgemeinen aufmerksam machen sollte.

Eurpäische Kommission verstimmt über tschechische Regierung

Die Eurppäiche Kommission hat am Freitag offen ihre Verstimmung über die tschechische Haltung im Zusammenhang mit der Erschwerung des Schweinefleisch-Imports aus EU-Ländern zum Ausdruck gebracht. Die Eu-Kommission sagte die für kommende Woche geplante technische Konsultation ab und setzte auch ein grosses Fragezeichen hinter das für Montag geplante Treffen des EU-Kommsissars Franz Fischler mit dem tschechischen Landwirtschaftsminister Jan Fencl. Die tschechische Regierung hatte am Mittwoch die Geltung von Präferenzzöllen für zwei Kategorien von Schweinefleisch aufgehoben. Die EU-Kommisson will nicht die Berechtigung dieses Vorgehens aus der Sicht des Europäischen Assoziationsabkommens in Frage stellen, sondern nimmt vielmehr Anstoss am taktischen Verhalten der tschechischen Seite. Im Zusammenhang mit dem für Monatg geplanten Treffen Minister Fencls mit EU-Kommissar Fischer hiess es in Brüssel, warum soll man noch verhandeln, wenn die tschechische Seite ohnehin schon entschieden hat und nicht einmal so freundlich war, die EU-Kommission über ihren Standpunkt in Kenntnis zu setzen.

Klasu in awrschau

Vor allem wirtschaftliche Fragen im Hinblick auf eine europäische Integration Polens und der Tschechischen Republik - das waren die Hauptthemen, über die sich der Vorsitzende des Abgerodnetenhauses der Tschechischen Republik, Vaclav Klaus, am Freitag in Warschau mit dem polnsichen Finanzminister Leska Balcerowicz austauschte. Bei einem anschliessenden Treffen mit Journalisten hob Klaus hervor, dass die polnische Wirstchaft kurz- und mittelfristig eine grössere Dynamik aufweise als die tschechische. Es existierten viele Möglichkeiten, wie sich beide Länder gegenseitig inspirieren könnten. Als Beispiel nannt Klaus das Gesundheitswesen. Erneut sprach sich Klaus jedoch gegen die Existenz der sogenannten Visegrader Gruppe aus, der Polen, Ungarn und die Tschechische Republik angehören. Es sei dies eine Institution ohne jeden Inhalt, ohne Ziel - eine Institution, in die wir - so Klaus wörtlich - von Westeuropa gedrängt worden sind, das aus uns etwas zwischen Osten und Westen machen wollte.

Georgien will tschechische Panzer kaufen

Georgien ist am Kauf 100 tschechischer T-55-Panzer sowjetischer Produktion interessiert. Die Panzer sollen vor dem Verkauf im nordmährischen Novy Jicin modernisiert werden. Als Gegenleistung soll die tschechishc Luftwaffe von Georgien Ersatzteile für 25 SU- 25 Kampfflugzeuge erhalten. Wie erst am Freitag bekannt wurde, hatte der stellvertretende tschechiche Verteidigungsminister Jaromir Novotny bereits am Mittwoch im Rahmen seines Tiflis- Besuches einen entsprechenden Kontrakt unterzeichnet.

Lidice - Gemeinschaftshaus eröffnet

Dreizehn Monate nach der Grundsteinlegung ist am Samstag in dem mittelböhmischen Dorf Lidice ein Gemeinschaftshaus eröffnet wurden. In diesem Haus werden künftig zehn Frauen wohnen, deren Männer am 10. Juni 1942 von den deutschen Nationalsozialisten ermordet worden waren. Die Nazis hatten das ursprüngliche Dorf Lidice als Vergeltungsaktion für das Heydrich-Attentat völlig dem Erdboden gleichgemacht. 447 männliche Einwohner waren erschossen worden, die meisten Frauen und Kinder fanden später im Konzentrationslager den Tod.

Sie hörten die Nachrichten von Radio Prag.