Nachrichten Samstag, 30. Dezember, 2000

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Von Marcela Pozarek

Als erstes aktuelles Thema behandeln wir nach wie vor den Eklat rund um das öffentlich - rechtliche Tschechische Fernsehen

Auch nach Wiederaufnahme des Sendebetriebs dauert der Konflikt beim Tschechischen Fernsehen um die neue Direktion unvermindert an. Der umstrittene neue Fernsehdirektor Jiri Hodac erklärte am Freitag, er wolle im Streit mit Mitarbeitern die Polizei zu Hilfe rufen. Das Innenministerium teilte der Nachrichtenagentur CTK jedoch mit, die gegenwärtige Situation rechtfertige nicht das Einschreiten der Polizei. Hodac gilt seinen Gegner als Parteigänger des Parlamentspräsidenten und früheren Premiers Vaclav Klaus. Hodac hatte am Donnerstag mach einer 24-stündigen Unterbrechung die Wiederaufnahme des Sendebetriebs angeordnet und damit eine Forderung des Rats für Rundfunk und Fernsehen erfüllt. Infolge der Unterbrechung müsse CT mit Werbeverlusten von mehr als zwölf Millionen Kronen etwa 690 000 Mark rechnen, teilte eine Partner-Agentur des Senders inzwischen mit. Der Parlamentspräsident und Vorsitzende der Demokratischen Bürgerpartei ODS Klaus lud Repräsentanten aller demokratischen Parteien für den 2. Januar zu Beratungen über die CT Krise ein.

OSZE will Informationen bezüglich CT

Freimut Duve der sich innerhalb der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa OSZE, mit Medienfragen beschäftigt, äusserte sich in einem Schreiben an das Tschechischen Aussenministerium beunruhigt über das Verhältnis Jiri Hodacs zur Journalistenzunft. Laut der Nachrichtenagentur CTK verlange Duve eine diesbezügliche Erklärung seitens des Aussenministeriums.

RSF- Reporter ohne Grenzen solidarisieren sich

Die Führung der internationalen Organisation Reporter ohne Grenzen-RSF, die die Protestierenden bereits am Mittwoch unterstützt hatte, übermittelte dem tschechischen Abgeordnetenchef Vaclav Klaus ein Schreiben, in dem sie gegen die Methoden der neuen Führung des Tschechischen Fernsehens protestiert. Der Generalsekretär der Reporter ohne Grenzen Robert Menard wies in seinem Schreiben darauf hin, dass beispielsweise der Unterbruch der Sendungen eine unwürdige Methode sei angesichts der grundsätzlichen Probleme, welche die Journalisten des Tschechischen Fernsehen zur Sprache bringen würden.

Klestil und Havel wenden sich an Tschechen und Österreicher

Der tschechische Staatpräsident Vaclav Havel und sein österreichischer Amtskollege Thomas Klestil wandten sich mit ihren Neujahrwünschen in der tschechischen Tageszeitung Mlada fronta Dnes, sowie dem österreichischen Standard an die Öffentlichkeit der beiden Nachbarländer. Klestil hielt unter anderem fest, dass sich annähernde Nachbarn Probleme nur gemeinsam lösen können und das gelte auch im Fall des umstrittenen südböhmischen Temelin. Österreich würde, so Klestil in seinem Neujahrsschreiben die EU-Osterweiterung voll und ganz unterstützen, es könne aber in der österreichisch-tschechischen Grenzregion auf dem Arbeitsmarkt wegen der Erweiterung zu Komplikationen kommen, für die eine Lösung gefunden werden müsse. Der tschechische Staatspräsident Vaclav Havel wiederum wies darauf hin, dass sich das bilaterale Verhältnis in einer Zwischenphase befinde, da man die Beziehungen erst seit zehn Jahren ohne den Blick auf den Eisernen Vorhang pflegen könne. Havel wies zudem darauf hin, dass er kein leidenschaftlicher Verfechter der Atomenergie sei, nichts desto trotz sei Temelin heute eine Realität und die Sicherheit des Atommeilers werde von renommierten Gremien anerkannt.

Havel will an Silvester unters Volk

Staatspräsident Havel will sich mit seiner Gattin Dagmar an Silvester auf den Prager Strassen unters Volk mischen. Laut dem Präsidentensprecher Ladislav Spacek würde sich der Staatpräsident spontan entscheiden wann und wohin er am 31. Dezember gehen werde. Havels traditionelle Neuhjahrsrede wurde bereits aufgenommen, bislang ist aber noch ungewiss, ob die Rede wegen den anhaltenden Querellen im Tschechischen Fernsehen ausgestrahlt werden kann, wie die Nachrichtenagentur heute Mittag bekannt gab.