Nachrichten Sonntag, 05. Juli, 1998

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Radio Prag Nachrichten 5.7.1998 17 Uhr:

Willkommen bei Radio Prag, am Mikrophon begrüsst Sie MS. Zuerst bringen wir die Nachrichten, dann folgen die regelmässigen Sendereihen - der Schauplatz und das Kulturmagazin. Wir wünschen guten Empfang, hier die Nachrichten:

ODS - US - KDU-CSL

Die Demokratische Bürgerpartei-ODS möchte die Gespräche über eine eventuelle Koalition mit den Christdemokraten-KDU-CSL und der Freiheitsunion-US weiterführen, auch wenn sie am Freitag ihre Bereitschaft angedeutet hat, eine Minderheitsregierung der Sozialdemokraten zu tolerieren. Dies erklärte der Pressesprecher der ODS, Václav Musílek, gegenüber der Nachrichtenagentur CTK.

Zeman - Vertrag - 5%-Klausel

Der Vorsitzende der Sozialdemokraten, Milos Zeman, hat nicht verraten, ob in dem mit der ODS vorgesehenen sog. "Oppositionsvertrag" der CSSD verboten wird, während der Gültigkeitsdauer des Vertrags neue Koalitionspartner miteinzubeziehen. Milos Zeman distanzierte sich ausserdem von seinem Entwurf, die für den Eintritt ins Parlament erforderliche 5%-Klausel auf 15% zu erhöhen. Zeman erklärte, dies sei ein Witz gewesen, den die Journalisten nicht verstanden hätten.

CSSD - ODS - Verfassungsänderungen

Die Sozialdemokraten sowie die Demokratische Bürgerpartei sind sich nach Meinung ihrer Vizechefs, Ivo Svoboda und Miroslav Benes, darin einig, dass es notwendig wäre, die Verfassung zu ändern. Die Novellierung der Verfassung soll vor allem die Einführung eines Mehrheitssystems betreffen.

Benesová - Spidla

Die Vizevorsitzende der ODS, Libuse Benesová, hat in der regelmässigen, von der privaten Fernsehgesellschaft Nova am Sonntag ausgestrahlten Debatte, die Möglichkeit zugelassen, dass ein leicht defizitärer Staatshaushaltsentwurf für das nächste Jahr vorgelegt werden könnte. Als eine ihrer Bedingungen für die Aufnahme der Gespräche über die Regierungsbildung mit der KDU-CSL und der Freiheitsunion nannte die ODS jedoch eben das Gesetz über einen ausgeglichenen Staatshaushalt. Der CSSD-Vizechef, Vladimír Spidla, lehnte es in derselben Fernsehdebatte ab, zu präzisieren, ob die CSSD, falls sie eine von der ODS tolerierte Minderheitsregierung bilden wird, einen ausgeglichenen oder defizitären Staatshaushaltsentwurf unterbreiten möchte. Vladimír Spidla erklärte, dass die Sozialdemokraten bis zum Jahresende eine Analyse der Lage in der Tschechischen Republik ausarbeiten und erst danach ihre Vorgehensweise für die kommenden vier Jahre, in denen sie an der Regierung bleiben möchten, vorschlagen werden. Spidla wollte jedoch nicht darauf klar antworten, ob sie mit unpopulären Massnahmen beginnen wollen. Er deutete nur an, für die Überwindung der herrschenden Krise bräuchte man mindestens zwei Jahre.

Klaus - Regierung

Der ODS-Chef Václav Klaus würde vielleicht persönlich an der Regierung nicht teilnehmen wollen, die ODS würde jedoch die Variante eines Kabinetts ohne Václav Klaus nie akzeptieren. Dies erklärte die ODS-Vizechefin, Libuse Benesová. Die Teilnahme des ODS-Chefs an der Regierung wird vor allem von der KDU-CSL abgelehnt, weil Václav Klaus ihrer Meinung nach einen konfrontativen politischen Stil repräsentiere. Dieser Stil bewog die KDU-CSL u.a. zum Austritt aus der Klaus- Regierung am Ende des vergangenen Jahres.

Tlustý - Koalition

Die ODS hat nach Meinung ihres Fraktionsvorsitzenden Vlastimil Tlustý gleich nach den Wahlen konkrete Schritte unternommen, die klar zeigen sollten, dass sie sich wünsche, eine Koalition mit der Freiheitsunion und den Christdemokraten zu schliessen. Dies erklärte Tlustý in einer vom öffentlich-rechtlichen Tschechischen Fernsehen am Sonntag ausgestrahlten Debatte. Er verwies darauf, dass die ODS auch weiterhin an einer solchen Koalition interessiert sei.

Koordinierungsrat - Pilsen

Der Koordinierungsrat des tschechisch-deutschen Gesprächsforum, hat auf seiner ersten Sitzung, die am Sonntag im westböhmischen Pilsen zu Ende ging, eine Arbeitsgruppe errichtet. Ihre Mitglieder sind Václav Houzvicka, Petr Charvát und Pavel Cernoch von tschechischer Seite und Bernd Posselt, Fritz Schösser und Thomas Thomaschke von deutscher Seite. Sie wurden mit den Vorbereitungen der Jahreskonferenz des tschechisch-deutschen Gesprächsforums beauftragt, die am 4. und 5. Dezember dieses Jahres in Dresden stattfinden wird. Themen der Konferenz werden vor allem das Engagement der jungen Generation, Fragen der Hochschulbildung und weitere wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit insebesondere in den Grenzregionen sein. Darüber informierten der Hauptkoordinator der tschechischen seite, Pavel Tigrid und sein deutscher Amtskollege Anton Pfeifer.

Velehrad - Hl. Kyrill und Method

An die Tradition des Hl. Kyrill und Method und des Hl Wenzel hat der Jesuitenpater aus Rom, Tomás Spidlík, in seiner Predigt bei dem Hauptgottesdienst erinnert, der am Sonntag vormittag im südmährischen Wallfahrtsort Velehrad anlässlich des Festes der beiden slawischen Glaubensapostel stattfand. Der Gottesdienst wurde vom Prager Erzbischof, Kardinal Miloslav Vlk gemeinsam mit tschechischen Bischöfen, dem päpstlichen Nuntius Giovanni Coppa und Vertretern der Bischofskonferenzen aus den USA, Italien, Polen, der Slowakei und den Niederlanden zelebriert. Auf der zweitägigen Tagung der Tschechischen Bischofskonferenz in Velehrad wurde u.a. konstatiert, dass die Bischöfe das Geschehen in der Gesellschaft aufmerksam verfolgen und die Bildung einer solchen Regierung erwarten, die zur Stabilisierung der politischen, ökonomischen sowie gesellschaftlichen Lage in Tschechien beitragen würde.

Hus - Gottesdienste

Anlässlich des 583. Jahrestags des Märtyrertodes von Magister Jan Hus, der am 6. Juli 1415 in Konstanz als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, haben schon am Sonntag zahlreiche Gottesdienste nicht katholischer Kirchen stattgefunden. Im Geburtsort des Kirchenreformators - im südböhmischen Husinec - fand ein Gottesdienst der evangelischen Brüdergemeinde statt.

Zum Abschluss der Wetterbericht:

Am Montag wird es in Tschechien bewölkt bis bedeckt mit Regenschauern und Gewittern sein. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen 18 bis 22 Grad.

Soweit die Nachrichten.