Nachrichten Sonntag, 08. März, 1998

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Willkommen beim deutschsprachigen Programm von Radio Prag, wir beginnen mit den Nachrichten, anschliessend hören Sie die Wochenendrubriken "Schauplatz" und "Kulturspiegel". Am Mikrophon begrüsst Sie Anna Knechtel. Die Meldungen:

Senatspräsident besucht Österreich

Zu einem dreitägigen offiziellen Besuch ist am Sonntag der tschechische Senatspräsident Petr Pithart nach Österreich gereist. Pithart wird von einer fünfköpfigen Senatsdelegation begleitet. Gesprächsthema Nr. 1 des tschechischen Senatschefs werden die österreichischen Erfahrungen beim EU-Beitritt sein: der Integrationsprozess und die Anfangszeit der Mitgliedschaft. Auch über das umstrittene südböhmische Kernkraftwerk Temelín soll gesprochen werden. Die Pläne Tschechiens zu seiner Fertigstellung werden von österreichischer Seite kritisiert, zuletzt beim Besuch des österreichischen Parlamentspräsidenten Heinz Fischer in Prag, Ende vergangener Woche. Senatspräsident Pithart wird in Wien mit seinem Amtskollegen, dem Vorsitzenden des österreichischen Bundesrates Ludwig Bieringer, Staatsekretärin Benita Ferrer- Waldner, Parlamentschef Heinz Fischer und Vertretern verschiedener Ausschüsse zusammenkommen. Voraussichtlich auch mit Bundeskanzler Viktor Klima.

Ukrainischer Aussenminister besucht Prag

Am Sonntag abend trifft in Prag der ukrainische Aussenminister Hennadij Udovenko in Prag zu Gesprächen über die bilateralen Beziehungen und die europäischen Sicherheitsstrukturen ein. Udovenko wird am Montag Beratungen mit Aussenminister Jaroslav Sedivý führen und von Präsident Václav Havel sowie dem Chef des Abgeordnetenhauses Milos Zeman und Premierminister Josef Tosovský empfangen. Nach Verlautbarungen des tschechischen Aussenministeriums ist der bevorstehende Besuch des ukrainischen Chefdiplomaten Ausdruck des Interesses der tschechischen Republik, im aktiven Dialog mit der Ukraine fortzufahren. Die Ukraine ist ebenso wie die Tschechische Republik Teilnehmerin des NATO-Programms Partnerschaft für den Frieden und hat im Gegensatz zum Kreml nichts gegen eine NATO- Mitgliedschaft Tschechiens einzuwenden.

ODA-Parteitag

Auf der Tagung der Parteiführung der Demokratischen Bürgerallianz ODA im südmährischen Jihlava/Iglau ist am Samstag zum neuen Chef der Parteileitung Borek Valvoda gewählt worden, der damit Libor Kudládek ablöste. Valvoda wurde damit automatisch stellvertretender Parteivorsitzender. Gleichzeitig wurde die Teilnahme der ODA an den vorgezogenen Wahlen im Juni beschlossen. Offen bleibt die Frage, ob die ODA eigenständig kandidiert oder als sogenannte Wahlkoalition mit einer anderen Partei. Die Wählerpräferenzen der ODA bewegen sich zur Zeit wegen ungeklärter Parteispendenaffären nur noch zwischen 3 und 5 Prozent. Ausserdem musste die Partei in den vergangenen Wochen zahlreiche Parteiaustritte, u.a. von populären Politikerinnen und Politikern verkraften. Nach Ansicht einiger ODA-Politiker, wie z.B. Miroslav Toser, könnten die Chancen auf Erfolg für die kleine ODA durch eine Koalition mit der Freiheitsunion US, der ODS oder der unbedeutenden DEU erhöht werden. Über diese Frage wird zwischen ihm und dem derzeitigen ODA-Vorsitzenden Daniel Kroupa eine Auseinandersetzung geführt.

Privatisierung ist Ziel der KDU-CSL

In der Fernsehdebatte "Sieben Tage" hat am Sonntag Innenminister Cyril Svoboda von den Christdemokraten geäussert, Programm seiner Partei KDU-CSL sei nicht die Verstaatlichung. Wenn aber die Privatisierung eines Betriebes missglücke, dann gebe Gründe, diesen nicht bankrott gehen zu lassen, z.B. der Schutz eines Markenzeichens oder der Schutz von Arbeitsplätzen in bestimmten Regionen. In solchen Fällen könne der Staat das Betriebskapital erhöhen, um das Unternehmen zu beleben und die Privatisierung fortzuführen. Die Weiterführung der Privatisierung gehöre zu den Hauptzielen der Christlich-demokratischen Volksunion. Svoboda erläuterte mit diesen Worten missverständlich aufgefasste Äusserungen, die auf der Programmkonferenz der KDU-CSL am vergangenen Wochenende in Karlsbad gefallen waren.

650-Jahrfeier der Prager Neustadt

Mit einem Festkonzert auf der Sophieninsel werden am Sonntag die Feierlichkeiten zum 650jährigen Bestehen der Prager Neustadt eröffnet. Vom Symphonischen Orchester der Hauptstadt Prag werden Smetanas Die Moldau, Dvoraks Konzert für Violine und Orchester und die Prager Sinfonie von Mozart aufgeführt. Am kommenden Donnerstag findet ein historischer Umzug durch die Prager Neustadt statt. Sie wurde 1348 durch Kaiser Karl IV gegründet.

Das Wetter:

Nachdem Temperaturen zwischen 7 und 11 Grad am Sonntag soll es am Montag wolkig bis bedeckt sein, örtlich mit Schneeschauern. Die Tageshöchsttemperaturen liegen bei nur noch minus 1 bis plus 3 Grad. Nachts O bis minus 4 Grad.

Das waren die Nachrichten, es geht weiter mit Eva Gruberová und dem Schauplatz.