Nachrichten Sonntag, 20. September, 1998

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Radio Prag - Nachrichten - 20.09.98 - 17 Uhr

Herzlich willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer, zum Programm von Radio Prag in deutscher Sprache. In der folgenden halben Stunde hören Sie die Nachrichten und im Anschluss daran neue Beiträge aus der Reihe unserer beliebten Wochenendrubriken. Am Mikrophon begrü3t Sie Lothar Martin. Ich wünsche Ihnen gute Unterhaltung und einen ungestörten Empfang.

Zunächst die Nachrichten:

SPIDLA/SVOBODA: MEINUNGSÄUSSERUNGEN ZUM HAUSHALTSENTWURF

Nur 67 Prozent der nominellen Einnahmen des zurückliegenden Zeitraums würden die einzelnen Ministerien erhalten für den Fall, wenn der Staatshaushalt im kommenden Jahr ein ausgeglichener sein würde. Bei Hinzurechnung der Inflation von rund zehn Prozent wären dies ca. 57 Prozent dieser Einnahmen und das ganze System würde in sich zusammenstürzen. Zu dieser Einschätzung kam der tschechische Vizepremier und Minister für Arbeit und Soziales, Vladimir Spidla, in der sonntäglichen Diskussionsrunde des I. Tschechischen Fernsehens, mit der er den vom Zeman-Kabinett vorgelegten defizitären Haushaltsentwurf für das Jahr 1999 zu verteidigen versuchte. Demgegenüber räumte Finanzminister Ivo Svoboda in der parallel laufenden Diskussionsrunde beim TV-Sender Nova ein, dass die Diskussionen über das Defizit der Staatsfinanzen im nächsten Haushaltsjahr noch nicht abgeschlossen seien. Er lie3 durchblicken, dass der Haushaltsentwurf mit dem veranschlagten Defizit von 26,8 Milliarden Kronen keine gro3en Chancen für eine mehrheitliche Bewilligung im Parlament haben dürfte. Er selbst sähe ein Defizit von 18 Milliarden Kronen als eine vernünftige Grö3e an, mit der der Entwurf im Parlament bestehen sollte.

HAVEL RELATIVIERTE RÜCKTRITTSÄUSSERUNG

Präsident Vaclav Havel zieht einen Rücktritt für den Fall, dass die Jubiläumstagung des Internationalen Währungsfonds im Jahr 2000 nicht in Prag stattfinden sollte, nicht in Betracht. Dies betonte der Pressesprecher des Präsidenten, Ladislav Spacek, gegenüber Journalisten unmittelbar nach der Rückkehr des tschechischen Staatsoberhauptes von seinem dreitägigen Staatsbesuch in den USA am Samstag nachmittag in Prag. Der Präsident habe - so Spacek - mit seiner Äusserung auf der Pressekonferenz am Freitag in Washington lediglich zum Ausdruck bringen wollen, wie sehr ihm an der Abhaltung der Tagung in Prag gelegen sei. Havel, der sich bei seiner Ankunft in Prag gesund und bei guter Kondition zeigte, erwartet am Mittwoch bereits den nächsten Staatsbesuch. Für diesen Tag ist nämlich ein Treffen mit Österreichs Präsident Thomas Klestil in Prag vorgesehen, bei dem beide Staatsmänner - im Zusammenhang mit dem gegenwärtigen österreichischen Vorsitz in der Europäischen Union - über deren zu erwartende Erweiterung verhandeln werden. Weitere Gespräche wird Österreichs Präsident Klestil zudem mit Tschechiens Premier Milos Zeman und dem Vorsitzenden des tschechischen Abgeordnetenhauses, Vaclav Klaus, führen.

TSCHECHISCHE SENATOREN VERHANDELN IN ZYPERN WEGEN EU-BEITRITT

Ihren viertägigen Arbeitsbesuch in Zypern hat am Sonntag eine tschechische Delegation von Vertretern des Senatsausschusses für Auswärtige Angelegenheiten begonnen, die vom Vorsitzenden dieses Senatsausschusses, Michael Zantovsky (ODA), geleitet wird. Die Senatoren werden dabei mit dem zypriotischen Unterhändler für den Beitritt Zyperns in die Europäische Union, Yiannakis Omera, und weiteren zypriotischen Politikern über eine mögliche Koordinierung des gemeinsamen EU-Beitritts verhandeln.

VERTEIDIGUNGSMINISTER VETCHY ZU DREIERGESPRÄCH IN BUDAPEST

Nach mehr als einem Jahr findet am Montag in der ungarischen Hauptstadt Budapest erneut die regelmä3ige Sitzung der Verteidigungsminister der Tschechischen Republik, Polens und Ungarns statt. Dabei wird Tschechiens neuer Chef im Verteidigungsressorts, Vladimir Vetchy, erstmals auch mit Janos Szabo, seinem neuen ungarischen Amtskollegen, zusammentreffen. Gerade in der Donaumetropole war kurz nach dem letztjährigen Juni-Summit der NATO der Auftakt zu den Sitzungen der Verteidigungsminister dieser drei Länder, die sich auf die NATO-Mitgliedschaft vorbereiten, gemacht worden.

VERTRIEBENE SUDETENDEUTSCHE ERINNERTEN AN IHR RECHT AUF HEIMAT

Der Tschechische Staat sollte sich, den Worten des Präsidenten der Versammlung der Deutschen in der Tschechischen Republik, Walter Piverka, zufolge, zu seiner Verantwortung für die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg bekennen und sollte sich im moralischen Sinne mit deren Recht auf Heimat befassen. Piverka sagte dies am Sonntag gegenüber der Nachrichtenagentur CTK auf dem Seminar über sudetendeutsch-tschechische Projekte, das vom Freitag bis Sonntag in Horni Plana bei Cesky Krumlov/Krummau stattfand. Er ergänzte, dass die vertriebenen Deutschen eine anhaltende Beziehung zu ihrem Zuhause haben und sich ihre Wurzeln nicht mit einer einmaligen Aktion herausrei3en lie3en.

PARTNERSCHAFTSVERTRAG ZWISCHEN ZAMBERK UND SENFTENBERG

Einen Partnerschaftsvertrag haben am Samstag die Vertreter der ostböhmischen Stadt Zamberk und der österreichischen Stadt Senftenberg unterschrieben. Dieser Akt krönte gleichzeitig eine interessante Rarität - die symbolische Vereinigung dreier Senftenbergs. Zamberk hie3 zur Zeit der Österreichisch-Ungarischen Monarchie und im Protektorat Senftenberg und hat gemeinsam mit dem österreichischen Senftenberg auch eine Partnerschaft mit dem deutschen Senftenberg in der Niederlausitz.

Abschlie3end der aktuelle Wetterbericht:

Am Montag beeinflusst ein Hochdruckausläufer das Wetter in der Tschechischen Republik. Es wird grö3tenteils bewölkt bis heiter sein, nur vereinzelt ist mit leichten Schauern zu rechnen. Die Tageshöchsttemperaturen erreichen Werte zwischen 15 und 19 Grad Celsius. Die weiteren Aussichten: Am Dienstag und Mittwoch hält der Hochdruckeinfluss an. Die Metereologen erwarten heiteres bis fast wolkenloses Wetter. Die Tageshöchsttemperaturen bewegen sich zwischen 16 und 20 Grad am Dienstag und zwischen 18 und 22 Grad Celsius am Mittwoch.

Das waren die Meldungen. Hören Sie nun eine neue Ausgabe aus unserer Sendereihe "Schauplatz" sowie Interessantes aus der kulturellen Szene.