• 08.10.2001

    Alle wichtigen strategischen Firmen in der Tschechischen Republik einschließlich der beiden Atomkraftwerke Dukovany und Temelin haben ihre Sicherheitsvorkehrungen im Zusammenhang mit den Vergeltungsschlägen der USA gegen die Terroristen in Afghanistan bisher noch nicht erweitert. Auch die tschechische Fluggesellschaft CSA hat bisher noch keine Flüge eingestellt und verkehrt weiterhin genau nach Flugplan. "Die Sicherheitsmaßnahmen sind im Verlaufe der letzten drei Wochen bereits erhöht wurden und zur Zeit gibt es noch keinen Grund, in dieser Hinsicht fortzufahren," äußerte sich der Sprecher des AKW Dukovany Petr Spilka zur neuen Situation nach Beginn der US- amerikanischen Angriffe in Afghanistan. Ähnlich reagierten die Verantwortlichen des Atomkraftwerks Temelin. Einzig die Tschechische Telecom verschärfte nach Bekanntwerden der Meldungen über die US-Angriffe in Afghanistan die Sicherheitsvorkehrungen in ihren Objekten. Diese liegen vor allem in einer strengeren Kontrolle beim Zutritt zu den einzelnen Objekten und in einer Verstärkung ihrer Bewachung, so Telecom-Sprecher Vladan Crha gegenüber der Nachrichtenagentur CTK.

  • 08.10.2001

    Die tschechische Polizei hat am zurückliegenden Wochenende ihre Sicherheitsmaßnahmen gegen mögliche Terroranschläge an einigen Objekten verstärkt, wie zum Beispiel im Umfeld der Botschaft der USA in Prag. Dies erklärte der tschechische Innenminister Stanislav Gross am Sonntag vor Journalisten. Seine Meinung nach sei es derzeit nicht möglich festzulegen, wie lange die erhöhte Wachbereitschaft an den gefährdeten Objekten aufrecht erhalten werde.

    Als Konsequenz auf die terroristischen Angriffe vor knapp einem Monat in den USA arbeitet die tschechische Regierung einen Entwurf zum Gesetz über die Nachrichtendienste aus, der die Kompetenzen der Geheimdienstler erhöhen soll. Dies gab Gross zuvor in einer Sendung des privaten Fernsehsenders Prima bekannt. Sein Pendant aus dem oppositionellen Schattenkabinett, ODS-Vizechef Ivan Langer, bezeichnete hingegen die jetzigen Befugnisse als ausreichend für eine effiziente Arbeit der Nachrichtendienste. Beide Politiker stimmten jedoch darin überein, dass der Befehl zum möglichen Abschuss eines als terroristischer Waffe missbrauchten Zivilflugzeuges in die Kompetenzen des Verteidigungsministers fallen sollte.

  • 08.10.2001

    Nach den Anschlägen in den USA hat der Dalai Lama (66) eine geplante Reise durch Europa bis auf einen Kurzbesuch in Prag abgesagt. Auf eine eindringliche Bitte des tschechischen Präsidenten Václav Havel (65) hin habe sich das geistliche und weltliche Oberhaupt der Tibeter entschlossen, doch noch am 16. Oktober am Prager Intellektuellentreffen "Forum 2000" teilzunehmen, verkündete der Tschechische Rundfunk am Sonntag. Tags zuvor hatte der Sprecher des tschechischen Präsidenten, Ladislav Spacek, die Aufhebung der Absage durch den Dalai Lama bereits bestätigt. Mit Ausnahme der Stippvisite in Prag trete der Dalai Lama aber wegen der Sicherheitsmaßnahmen im Zusammenhang mit den erwarteten Angriffen der USA gegen die Taliban in Afghanistan seine geplante ausgedehnte Reise durch Europa nicht an, hieß es.

  • 08.10.2001

    Ein Prager Taxifahrer hat in seinem Wagen einen detaillierten Plan des Flughafens Frankfurt/Main sowie Anweisungen zum Steuern eines Passagierflugzeuges in englischer Sprache gefunden. Der Mann habe die Dokumente, die angeblich von zwei Arabisch sprechenden Fahrgästen vergessen wurden, der Polizei übergeben, berichtete der Tschechische Rundfunk am Sonntag.

    Innenminister Stanislav Gross bestätigte, dass sich der Krisenstab mit dem Fund beschäftigt. Es gebe bisher keinen Zusammenhang zu den Anschlägen in den USA am 11. September. Die vergessenen Unterlagen enthielten auch genaue Zeitangaben über den internationalen Funkverkehr.

  • 06.10.2001

    Der im Prager Stadtzentrum gelegene Sitz der Rundfunkstationen Radio Freies Europa/Radio Liberty (RFE/RL) war und ist tatsächlich von einem terroristischen Angriff bedroht. Die tschechischen Sicherheitsdienste haben über diese Gefahr konkrete Informationen erhalten, anhand derer entsprechende Sicherheitsvorkehrungen vor dem Gebäude des Rundfunksenders eingeleitet wurden. Dies erklärte der tschechische Innenminister Stanislav Gross am Freitag im Anschluss an die Verhandlung des ressortübergreifenden Krisenstabes der Tschechischen Republik auf Schloss Stirin bei Prag.

    Des weiteren führte der Innenminister aus, dass der Krisenstab von einem erneuten Flugverbot für private Sportflugzeuge vorerst abgesehen habe. Die Sportflieger waren in Misskredit geraten, weil sie in den zurückliegenden Tagen mehrfach die Flugverbotszonen über den tschechischen Atomkraftwerken Dukovany und Temelin verletzt hatten. Gross appellierte bei dieser Gelegenheit an die Piloten dieser Maschinen, die im Land erhobenen Flugverbotszonen zu respektieren. Der Krisenstab war am Freitag nach einwöchiger Pause erneut zusammen getreten, um über die aktuelle Sicherlage des Landes im Zusammenhang mit den Terroranschlägen in den USA und dem erwarteten Vergeltungsschlag zu beraten. Bei der Sitzung der Vertreter des Innen-, Außen-, Verteidigungs- und Gesundheitsministeriums fehlte diesmal Verteidigungsminister Jaroslav Tvrdík, der gemeinsam mit NATO-Generalsekretär George Robertson zu Verhandlungen in Bulgarien weilte. Tvrdík wurde durch Vizeverteidigungsminister Stefan Füle vertreten.

    Autor: Lothar Martin
  • 06.10.2001

    Die verbleibenden 27 Soldaten der 9. Kompanie der Antichemischen Einheit aus Liberec/Reichenberg sind am Freitag zu einer dreiwöchigen NATO-Übung in die Türkei abgereist. Eine vier Mann starke Vorhut mitsamt der Ausrüstung ist bereits am Zielort eingetroffen, teilte der stellvertretende Befehlshaber Martin Odrázka am Freitag der Nachrichtenagentur CTK mit. In der Reichenberger Kaserne blieben über 120 Soldaten zurück, die darauf vorbereitet sind, eventuelle weitere Anforderungen der Allianz zu erfüllen.

    Autor: Lothar Martin
  • 06.10.2001

    Die tschechische Staatsbehörde für atomare Sicherheit geht davon aus, dass sie dem südböhmischen Atomkraftwerk Temelin erweiterte Bewilligungen für jeden der beiden Reaktorblöcke erst zu Beginn der nächsten Woche erteilen werde. Beim ersten Block handelt es sich um die Erlaubnis, die Reaktorleistung von gegenwärtig 55 Prozent auf 75 Prozent hochfahren zu dürfen. Dank der derzeitigen Reaktorleistung von 55 Prozent speist Temelin bereits eine Woche 500 Megawatt Elektroenergie ans Netz. Im zweiten Block geht es um die Erlaubnis zur Durchführung der heißen Testphase. Dies gab die Leiterin der Behörde Dana Drábová am Freitag auf Anfrage der Nachrichtenagentur CTK bekannt. Derweil haben einige Dutzend österreichischer Atomkraftgegner am Freitagnachmittag an drei österreichisch-tschechischen Grenzübergängen Demonstrationen gegen die weitere Nutzung des AKW´s durchgeführt.

    Autor: Lothar Martin
  • 06.10.2001

    In Tschechien sind vier Polizisten suspendiert worden, die im Dienst einen 37- jährigen Roma in einem Wald verprügelt hatten. Die Polizisten müssten mit einem Gerichtsverfahren rechnen, sagte ein Behördensprecher der Prager Zeitung "Mláda fronta Dnes" (Freitagausgabe). Den Ermittlungen zufolge hatte der Roma in der Nähe der westböhmischen Stadt Karlovy Vary/Karlsbad eine Fahrzeugpanne. Die Polizisten hätten den Mann in ihrem Dienstwagen bis zu einem Waldstück mitgenommen und ihn dort offenbar grundlos zusammengeschlagen, hieß es. Polizeipräsident Jirí Kolár schloss einen rassistischen Hintergrund der Tat nicht aus.

    Autor: Lothar Martin
  • 05.10.2001

    Der mutmaßliche Flugzeug-Attentäter Mohammed el Amir Atta hat sich nach tschechischen Medienberichten im Juni 2000 in Prag mit dem irakischen Geheimdienst getroffen, berichtete die tschechische Tageszeitung "Hospodarske noviny" am Donnerstag unter Berufung auf Prager Regierungskreise. Unmittelbar nach dem Treffen sei Atta von Prag in die USA geflogen, sagte ein Mitarbeiter des tschechischen Geheimdienstes der Zeitung.

    Offizielle Stellen in Prag kommentierten den Bericht zunächst nicht. Der tschechische Innenminister Stanislav Gross hatte vor kurzem bestätigt, dass Atta im Juni 2000 "weniger als 24 Stunden" in Prag gewesen war. Atta, der in Hamburg studierte, soll die erste Maschine ins World Trade Center gesteuert haben.

  • 05.10.2001

    Der tschechische Premier Milos Zeman hat am Donnerstag in Begleitung von Verteidigungsminister Jaroslav Tvrdik und US- Botschafter. Craig Stapleton, das Ausbildungslager der 6.Gruppe der tschechischen Spezialeinheiten im mährischen Prostejov besucht. Die tschechische Regierung hat der NATO diese Einheit für den Kampf gegen den Terrorismus angeboten. Es sei besser, sie einmal zu sehen, als hundertmal von ihr zu hören, stellte Zeman nach der Ankunft im Lager fest. Der amerikanische Botschafter verfolgte gemeinsam mit den beiden tschechischen Politikern eine Übung der Aufklärungseinheit.

    Premier Zeman erklärte anschließend, die tschechische Regierung stimme allen acht Bedingungen zu, die die USA den NATO-Verbündeten im Zusammenhang mit einem möglichen Vergeltungsschlag vorgelegt hätten. Eine dieser Forderungen sei die Verlängerung der tschechischen SFOR-Mission in Bosnien, so Zeman. Ursprünglich sollten die tschechischen Soldaten bereits im Dezember abgezogen werden.

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