Neue Autos auf Staatskosten?

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Nach der politischen Wende im Jahre 1989 begann in der damaligen Tschechoslowakei ein wahrer "Run" auf Autos aller Art, aber natürlich vornehmlich auf jene westlichen Stils. Vor allem der Gebrauchtwagenhandel erlebte einen wahren Boom. Aber auch Neuwagen, und wegen der meist knappen finanziellen Mittel jene, der Marke Skoda waren gefragt. Mehr dazu von Olaf Barth.

Unangefochtener Marktführer in der Tschechischen Republik ist seit jeher die einheimische Marke Skoda, die allerdings längst Bestandteil der Volkswagengruppe ist. Bei den Neuwagen hatte Skoda auch im vergangenen Jahr wieder einen Marktanteil von beinahe 60% , Tendenz steigend. Dennoch, nicht jeder kann sich einen Neuwagen leisten, daher gab es eine wahre Flut an importierten - nicht selten schrottreifen- Altfahrzeugen.

Wieder andere riskieren erst gar nicht, viel Geld für einen Gebrauchtwagen auszugeben und investieren ihre schwerverdienten Kronen lieber in den Erhalt ihres wohlbekannten jahrzehntelangen Gefährten. Diese Art von Fahrzeughalter ist im Land der Böhmen und Mährer scheinbar noch immer weit verbreitet: Mehr als ein Drittel der hier zugelassenen Fahrzeuge ist älter als 15 Jahre - in Zahlen sind dies rund 1,2 Millionen motorisierte Vehikel.

Nicht nur dem Umweltminister sind diese sprichwörtlichen Dreckschleudern ein Dorn im Auge. Die Verkehrssicherheit sei gefährdet, wettert der zuständige Minister Jaromir Schling und legt einen sensationellen Vorschlag auf den Tisch: Alle Halter eines mehr als 15 Jahre alten KFZ erhalten beim Kauf eines Neuwagens einen staatlichen Zuschuss in Höhe von bis zu 90 000 Kronen. Bedingung ist, der neue darf nicht mehr als 250 000 Kronen kosten und der alte muss verschrottet werden.

Was die einen freut, ist der anderen Graus! Nichts als Wahlkampftricks, schreit die Opposition auf. Und für wahr, der Zeitpunkt der Ankündigung, vier Monate vor den Parlamentswahlen, scheint verdächtig - was die Regierung selbstredend bestreitet. Ob die Verkehrssicherheit durch die Rostlauben gefährdet sei, fragten wir den Direktor der hiesigen Vereinigung der Automobilindustrie (SAP), Antonín Sípek:

"Was die Sicherheit angeht, kann man nicht sagen, dass die Fahrzeuge so schlecht sind, denn sie müssen alle zwei Jahre eine technische Prüfung durchlaufen."

Im Allgemeinen sei der Vorschlag auch nichts außergewöhnliches, meint Herr Sipek, denn:

"Fakt ist, in einer Reihe von westlichen Ländern hat man, als man die neuen Emissionsnormen einführte, ebenfalls staatliche Zuschüsse zum Kauf neuer, umweltschonender Fahrzeuge gewährt. Die Idee ist also nicht unbedingt neu."

Die Realisierung des Vorhabens, das den Steuerzahler bis zu 112 Milliarden Kronen kosten würde, ist allerdings noch in weiter Ferne. Verkehrsminister Schling betont, dies könne erst nach den Wahlen zum Thema werden...

Autor: Olaf Barth
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