Neues Schuljahr in Tschechien: Assistenzkräfte greifen Erstklässlern unter die Arme

Am 1. September hat in Tschechien das neue Schuljahr begonnen. Die größte Veränderung betrifft die Erstklässler.

Die Schulpflicht beginnt in Tschechien mit sechs Jahren. Noch 2024 wurde jedoch fast ein Viertel der Sechsjährigen zurückgestellt. Sie sollten aus verschiedensten Gründen erst ein Jahr später zur Schule kommen – als Grund werden meist gesundheitliche Probleme genannt. Durch eine Gesetzesnovelle wurde die Möglichkeit einer späteren Einschulung nun jedoch bedeutend eingeschränkt. Daher sind unter den Erstklässlern in diesem Schuljahr mehrere Kinder, die laut den früheren Regeln erst ein Jahr später hätten beginnen sollen.

Illustrationsfoto: Zuzana Jarolímková,  iROZHLAS.cz

Darum soll der Schulbesuch durch einen Übergang von Noten zu verbalen Bewertungen erleichtert werden. In der ersten Klasse besteht zudem so gut wie keine Gefahr, das Klassenziel nicht zu erreichen. Die Kinder sollen zudem neben der Lehrkraft von einer Assistenzkraft unterstützt werden. Matěj Rašovský ist Direktor der Bohumil-Hrabal-Grundschule im achten Prager Stadtbezirk. Auf die neuen Regelungen habe sich seine Schule vorbereitet, sagte er in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks und fuhr fort:

„An unserer Schule gibt es jedoch auch eine Vorbereitungsklasse, die den Kindern hilft, den Übergang vom Kindergarten zur Schule zu bewältigen. Die Lehrer können innerhalb von etwa zwei Wochen feststellen, ob die Schüler tatsächlich schon reif für die Schule sind oder nicht.“

Jede Klasse mit mehr als 15 Schülern hat nach der neuen Regelung Anspruch auf eine Assistenzkraft. Wird es reichen, um bestimmte Unterschiede zwischen den Kindern auszugleichen? Matěj Rašovský:

„Ich finde die Maßnahme sinnvoll. Andererseits müssen diese Personen verfügbar sein. Da sie nicht in Vollzeit arbeiten und ihre Entlohnung nicht das Niveau der Lehrkräfte erreicht, ist es gar nicht so einfach, eine gute Assistenzkraft zu finden.“

Illustrationsfoto: Lukáš Milota,  Tschechischer Rundfunk

Wie der Schuldirektor erklärte, hat er inzwischen Assistenzkräfte für alle ersten Klassen eingestellt. Er räumt aber ein, dass dies vielleicht auf Kosten der älteren Schüler geht, die auch unterstützt werden müssten.

Nach der Verschärfung der Möglichkeiten für eine aufgeschobene Einschulung haben einige Lehrer hierzulande Zweifel zum Ausdruck gebracht, dass der Unterricht jenen Schülern angepasst werden könne, die beispielsweise Sprachstörungen oder andere Probleme haben. Rašovský macht auf die Empfehlung der Schulinspektion aufmerksam, die Unterrichtsstunde möglichst zu diversifizieren:

Illustrationsfoto: Lukáš Milota,  Tschechischer Rundfunk

„Die Kinder sind verschieden. Wir haben über 1000 Schüler, von denen etwa 34 Prozent Ausländer sind. Ich finde die Arbeit einer Beratungsstelle an der Schule wichtig. Ich denke, dass unsere gut funktioniert. Da wir viele Schüler haben, kann ich auch entsprechend viele Arbeitskräfte anstellen. Die Lehrer müssen natürlich individueller mit den Kindern arbeiten.“

Für interessierte Lehr- und Assistenzkräfte gibt es laut dem Schuldirektor genügend Möglichkeiten, Schulungen zu besuchen und sich weiterzubilden.

Illustrationsfoto: Jan Beneš,  Tschechischer Rundfunk

Nach Schätzungen des Bildungsministeriums gibt es dieses Jahr 115.000 Erstklässler. Schulen mit einer höheren Anzahl von Kindern, die Unterstützung benötigen, bekommen nun zusätzliche Mittel. Der Sprecher des Ressorts, Ondřej Macura, erläutert, wie diese Mittel eingesetzt werden können:

„Zum Beispiel für die Ausstattung der Schule, die Lern- und Hilfsmittel, Fahrtkosten zur Schule sowie zur Unterstützung bei der Teilnahme an Schulveranstaltungen.“

520 Grundschulen werden somit rund 220 Millionen Kronen (9,1 Millionen Euro) untereinander aufteilen. Insgesamt gibt es hierzulande 4320 Grundschulen.

Autor: Martina Schneibergová | Quelle: Český rozhlas
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