Das Aus für den blauen Dunst – strenges Rauchverbot in Kraft
Am Mittwochmorgen ist ein umfassendes Rauchverbot in Kraft getreten. Damit wird im bisherigen Raucher-Paradies Tschechien der blaue Dunst aus allen Lokalen verbannt. Die Regeln sind strenger als in den meisten deutschen Bundesländern und in vielen EU-Staaten. Deswegen sind sie umstritten.
Dieser Mittwoch ist Weltnichtrauchertag. Und symbolisch trat das umfassende Rauchverbot gerade jetzt in Kraft. Gesundheitsminister Miloslav Ludvík (Sozialdemokraten) erläutert das Verbot:
„Es ist das Ende für Zigaretten praktisch in allen geschlossenen Räumen, zu denen die Öffentlichkeit freien Zutritt hat. Eine der wenigen Ausnahmen sind die abgetrennten Raucherbereiche auf den internationalen Flughäfen oder in Einkaufszentren. E-Zigaretten haben genau denselben Status wie die klassischen, außer in Gasthäusern.“
Will heißen: E-Zigaretten dürfen weiter in Gastbetrieben geraucht werden. Wer sich jedoch in den Innenräumen der Lokale eine Zigarette anzündet, muss mit einem Bußgeld von 5000 Kronen (190 Euro) rechnen. Dennoch glauben nicht wenige Beobachter, dass in vielen Kneipen einfach weitergeraucht wird. Tatsächlich hat das Gesundheitsministerium eine Schonfrist von 90 Tagen ausgerufen. Lenka Teska Arnoštová ist Staatsministerin in dem Ressort:„Das Ministerium wird während dieser 90 Tage die Leute eher aufklären. In Prag ist die Lage jedoch so, dass sich viele Raucher im Sommer ohnehin schon vor den Kneipen ihre Zigarette anzünden. Ich gehe davon aus, dass man sich auch in weiteren Städten daran gewöhnen wird. Denn mit dem heutigen Tag schließt sich Tschechien dem Trend der meisten EU-Länder an. Und überall dort ist man mit dem Rauchverbot relativ gut zurechtgekommen.“
Allerdings: In Tschechien sind selbst abgetrennte Raucherräume nicht erlaubt. Einige Kneipiers versuchen deswegen, Raucherklubs einzurichten. Doch da stoßen sie schnell an legislative Grenzen.„Bei der Gründung der Raucherklubs muss ich sagen, dass es auf den wahren Tätigkeitsbereich ankommt. Falls dort Getränke ausgeschenkt oder Essen angeboten werden, gelten sie meist als Gaststätten. Und damit wäre das neue Gesetz umgangen“, so Lenka Teska Arnoštová.
Die Wirte können dann empfindlich zur Kasse gebeten werden. Bis zu 50.000 Kronen (1900 Euro) müssen sie zahlen, wenn sie in ihrem Lokal illegal rauchen lassen.
Konflikte könnten aber auch aus einem anderen Grund aufkommen. Und zwar, wenn die Raucher noch nach 22 Uhr vor den Lokalen stehen und sich laut unterhalten. Das ist gerade in größeren Städten mit relativ hoher Kneipendichte schon jetzt im Sommer ein Problem. Etwa in Brno / Brünn. Dann gehen bei der Polizei permanent Beschwerden wegen Ruhestörung ein. Jakub Ghanem ist Sprecher der Brünner Stadtpolizei:
„Die Polizeistreifen versuchen bei solchen Beschwerden, den Rauchern die Lage zu erläutern. Sie bitten die Raucher, dorthin zu gehen, wo sie niemanden stören. Man kann aber davon ausgehen, dass sich solche Vorfälle an bestimmten Orten ständig wiederholen werden.“Bisher gibt übrigens jeder fünfte Tscheche an, täglich zum Glimmstängel zu greifen. Selbst unter den 16-Jährigen liegt der Anteil der Raucher bei mehr als 15 Prozent.







