„Dann fühlte ich seinen Puls nicht mehr“ – tschechische Augenzeugin in München
Der Amoklauf in München beschäftigt auch die Menschen hierzulande. Zwar ist kein tschechischer Bürger dort zu Schaden gekommen, doch es war knapp. Eine Tschechin war unmittelbar am Ort der Schießerei – am und sogar im Olympiaeinkaufszentrum. Hier eine Zusammenfassung ihres Berichts, der ursprünglich für die Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks aufgezeichnet wurde.
„Er kam aus dem McDonald´s und begann, auf die Menschen vor sich zu schießen. Dann überquerte er die Straße in unsere Richtung. Die Menschen gerieten wahnsinnig in Panik und rannten weg. Ich habe mich auf den Schützen konzentriert, um einen Notruf machen zu können. Er ging an uns vorbei und die Treppe zum Einkaufszentrum hoch. Ich bin hinterhergerannt, um die Menschen zu warnen, dass da jemand mit einer Pistole um sich schießt.“
Im Einkaufszentrum habe der Schütze zunächst nicht geschossen, den Arm mit der Waffe habe er herunterhängen lassen, so Kateřina Potyszová.„In der Mitte des Einkaufszentrums begann er, wieder zu schießen – auf alle Leute um sich herum. Die Menschen bekamen Panik, alle Geschäfte schlossen automatisch, wohl durch Notknöpfe. Und alle rannten wahrscheinlich durch den Hinterausgang hinaus. Plötzlich war ich dort alleine.“
Dann sah sie einen jungen Mann, der auf dem Boden lag.
„Der Arme blutete sehr stark aus der Halsschlagader, und er hatte einen Schuss ins Jochbein. Ich habe versucht, sein Leben zu retten. Es war aber nicht möglich. Ich bin rund zehn Minuten bei dem jungen Mann geblieben, aber es kam kein Krankenwagen. Das Blut lief ihm überall heraus, auch aus dem Mund. Als ich keinen Puls mehr bei ihm gefühlt habe, habe ich ihn mit einer Alufolie zugedeckt. Ich bin dann aufgestanden und rausgelaufen, wohl im Schock.“Kateřina Potyszová sagt, es mache sie nachdenklich, dass auch die Polizei in der Zeit nicht ins Einkaufszentrum gelaufen kommen sei.
„Der Schütze ist durch das gesamte Einkaufszentrum durchgegangen. Ich habe gehört, wie er am Ende noch fünf oder sechs Mal abgedrückt hat.“
Der Amokläufer stieg dann auf das Dach des Einkaufszentrums, wo er erneut schoss. Erst einen Kilometer weiter brachte er sich selbst um.Kateřina Potyszová hatte ihren Aussagen nach keine Angst. Dass sie auch in Gefahr gewesen sei, habe sie erst später realisiert. Sie sei eben vom Typ Retterin, erläuterte sie gegenüber dem Tschechischen Rundfunk.
Als Kateřina Potyszová aus dem Einkaufszentrum herauslief, griffen die Rettungskräfte sie auf. Die Sanitäter sahen sie blutverschmiert und dachten, sie sei auch angeschossen worden. Letztlich blieb sie die Nacht im Krankenhaus. Am Samstag erstatte sie der Polizei Bericht.







