Kriegsende 1945 in Hodonín: Die erste befreite Stadt im „Protektorat Böhmen und Mähren“
Der Zweite Weltkrieg endete in Europa im Mai 1945. Knapp einen Monat zuvor, am 12. April 1945, wurde die erste Stadt auf dem Gebiet des heutigen Tschechiens befreit. Es war Hodonín in Südmähren.
Die Stadt Hodonín im Südosten der heutigen Tschechischen Republik wurde im April 1945 im Rahmen der sogenannten Bratislava-Brünner Operation befreit. Dabei handelte es sich um eine Offensive der Roten Armee, mit Unterstützung der Rumänischen Armee in der Westslowakei sowie in Südmähren. Der Kampf um Hodonín habe am 11. April 1945 begonnen, sagt die Historikerin Hana Sýkorová vom dortigen Museum:
„Die Truppen der sowjetischen 53. Armee drangen nach der Befreiung der slowakischen Grenzstadt Holíč bis zum Fluss Morava vor. Schon zuvor beschossen aber sowjetische Kampfflugzeuge die deutschen Verteidigungsanlagen und auch die sich zurückziehenden Deutschen. Die eigentlichen Kampfhandlungen fanden zwischen dem 11. und 12. April statt. Am 12. April um 20 Uhr abends war Hodonín befreit, und die Deutschen waren aus der Stadt verdrängt.“
Der Kampf um die Stadt forderte 39 zivile Opfer. 53 sowjetische und 130 deutsche Soldaten fielen, und etwa 150 Gebäude wurden zerstört. Schwerere Folgen als der Befreiungskampf hatte die Bombardierung der Stadt im November 1944 gehabt. Sie forderte 179 Todesopfer, an die 3000 Menschen verloren damals innerhalb von sieben Minuten ihr Obdach.
„Die Schlacht um Hodonín am Kriegsende war kurz, weil die Rote Armee die Stadt aus einer Richtung eroberte, die die Deutschen nicht erwartet hatten. Sie überquerten den Fluss Morava in der Nähe des Dorfes Rohatce und fielen den Deutschen in den Rücken. Deshalb waren die Verluste nicht so hoch.“
Der Anteil der Deutschen unter den Einwohnern von Hodonín war vor dem Zweiten Weltkrieg laut der Historikerin gering. Nicht einmal eine deutsche Schule gab es in der Stadt. Dies habe sich jedoch nach dem Kriegsausbruch verändert:
„Nach der Besatzung bekannten sich viele Einwohner zur deutschen Nationalität, da sich daraus verschiedene Vorteile ergaben. Während des Krieges wurde Hodonín zu einer wichtigen Transport- und Transitstadt. Die Zahl der deutschen Soldaten stieg an. Außer ihnen kamen auch deutsche Beamte und ihre Familien hierher. Viele Gebäude, unter anderem Schulen und Gasthäuser, die zuvor im Besitz der tschechischen Bevölkerung gewesen waren, wurden beschlagnahmt. Denn die Deutschen mussten ja irgendwo untergebracht werden und ihre Lager und Büros haben.“
Die Evakuierung der deutschen Einwohner aus Hodonín begann schon vor dem Kriegsende:
„Sie erkannten mit dem Näherrücken der Front, dass ihr Krieg bereits verloren war. Also begannen sie, die Stadt zu verlassen. Zunächst natürlich wohlhabende und einflussreiche Deutsche und dann niedere Beamte. Um den 7. April herum, also noch vor Beginn des Kampfes um Hodonín, waren viele der deutschen Einwohner mit ihren Familien bereits weg. Diejenigen, die blieben, wurden nach dem Krieg in zwei Lagern hier in der Stadt interniert.“
Die Befreier wurden unmittelbar nach dem Krieg in Hodonín mit einem Mahnmal geehrt:
„Das erste Denkmal für die Rote Armee wurde am 30. Juli 1945 auf dem Platz hinter dem Rathaus enthüllt, den wir heute als Platz der Befreiung kennen. Dort befand sich eigentlich ein Grab, in dem 14 Soldaten bestattet wurden, die in den Kämpfen um Hodonín gefallen waren. Später wurden ihre sterblichen Überreste auf den Stadtfriedhof überführt. Dort entstand auch ein Militärfriedhof für etwa 1500 Soldaten der Roten Armee, die sich an der Befreiung der Region von Hodonín beteiligt hatten. Das Denkmal hinter dem Rathaus blieb jedoch bestehen und befindet sich noch heute dort.“
Am kommenden Samstag, den 12. April, wird in Hodonín mit zahlreichen Veranstaltungen an den 80. Jahrestag der Befreiung erinnert. Auf dem Stadtfriedhof findet eine Gedenkfeier für die Opfer der Befreiungskämpfe statt. Das Masaryk-Museum in Hodonín lädt den ganzen Tag zu einem Programm mit Ausstellungen, Vorträgen und Vorführungen ein.







