Sudetendeutscher Tag: Friedensmarsch, Erklärung von Bürgermeistern und kleinere Proteste
Rund 2000 Menschen – Tschechen und Deutsche – haben am Samstag mit einem Friedensmarsch an die Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung aus Brno unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg erinnert. Der sogenannte Friedensmarsch wurde zum zehnten Mal im Rahmen des Festivals Meeting Brno veranstaltet und führte von Pohořelice nach Brünn.
Bevor sich der Zug in Bewegung setzte, wurde am Massengrab in Pohořelice an die Opfer des Brünner Todesmarsches gedacht. Da Meeting Brno dieses Jahr erstmals den Sudetendeutschen Tag nach Tschechien eingeladen hat, sprachen bei dem Gedenkakt am Samstagmorgen neben tschechischen Lokal- und Regionalpolitkern auch bayerische Politiker.
CSU-Politiker mahnen zur Versöhnung
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) würdigte dabei vor allem die Initiative von Meeting Brno und bezeichnete die Veranstaltung des Sudetendeutschen Tages in Brünn als „historisches Ereignis“. Bayerns Sozialministerin und Schirmherrschaftsministerin der Sudetendeutschen, Ulrike Scharf (CSU), sagte in ihrer Rede unter anderem:
„Der Brünner Friedensmarsch ist ein politisches Zeichen: Versöhnung ist möglich, und sie verlangt Verantwortung. Dass wir heute hier gemeinsam sind – Deutsche und Tschechen –, ist ein starkes Signal für Europa und für die Welt.“
Die Bürgermeister der Gemeinden, durch die Ende Mai 1945 der Brünner Todesmarsch führte, gaben eine gemeinsame Erklärung heraus, in der sie die Versöhnung mit den Vertriebenen und ihren Nachfahren betonten. Dabei schrieben sie, dass von tschechischer Seite in der Richtung entschiedenere Schritte kommen müssten:
„Es ist an der Zeit, dass wir ein für alle Mal das hinter uns lassen, was uns trennt, und den Mut finden, unsere Vergangenheit zu akzeptieren. Die Sudetendeutschen haben dies getan. Nun ist die Reihe an uns.“
Bürgermeister gegen Resolution des Abgeordnetenhauses
Des Weiteren wandten sich die Bürgermeister gegen die Resolution, die die Parteien der Regierung von Premier Andrej Babiš (Partei Ano) vergangene Woche im tschechischen Abgeordnetenhaus durchgedrückt haben. Darin hatten diese die Veranstaltung des Sudetendeutschen Tages in Brünn abgelehnt. Die Bürgermeister bezeichneten vergleichbare Aktionen als „verzweifelte Versuche“ des Buhlens um ein paar mehr Wählerstimmen.
Am Rand des Gedenkakts und des Friedensmarsches äußerten auch einige Dutzend Protestierende ihren Unwillen über die Abhaltung des Sudetendeutschen Tags auf tschechischem Boden. Wie Medien hierzulande berichteten, kam es wohl hie und da zu kleinen Rangeleien.
Drei Wochen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden rund 19.500 Deutsche aus Brünn vertrieben. Beim Todesmarsch am 30. und 31. Mai kamen wohl 1700 Menschen ums Leben, sudetendeutsche Historiker führen noch höhere Zahlen an.







