Das Erbe der Firma Kolben: Metrostation erinnert seit 25 Jahren an die Prager Industriegeschichte
Vor 130 Jahren entstand die Maschinenbaufirma Kolben im Prager Stadtteil Vysočany. Sie wurde zum industriellen Herzen der Stadt und einem Symbol der tschechischen Elektrotechnik. Und vor 25 Jahren wurde in der Nähe des Fabrikgeländes die Metro-Station Kolbenova eröffnet, die auf dieses Erbe verweist.
Emil Kolben war ein jüdischer, deutschsprachiger Ingenieur aus Prag, der Ende des 19. Jahrhunderts an der Seite von Thomas Edison und Nikola Tesla in den USA arbeitete. In Übersee sammelte er Erfahrungen mit modernster Elektrotechnik, die er zunächst in der Schweiz bei der Maschinenfabrik Oerlikon einbrachte. Dann kehrte Kolben nach Prag zurück und gründete Ende Oktober 1896 sein eigenes Unternehmen.
Deportiert nach Theresienstadt
Die Firma hieß Kolben a spol., aus einem kleinen Betrieb entstand innerhalb von gut zwei Jahrzehnten eine der bedeutendsten Industriefirmen in Mitteleuropa. Das Unternehmen stellte Elektromotoren, Turbinen, Lokomotiven und Straßenbahnen her und wurde später ein Teil des Konzerns ČKD.
Kolben war einer der wichtigsten Unternehmer seiner Zeit. Von den Nationalsozialisten wurde die Familie jedoch 1939 enteignet und 1943 ins Ghetto und Konzentrationslager Theresienstadt deportiert. Dort starb Emil Kolben kurz darauf.
Metro-Station mit Verspätung
An den Unternehmer erinnert heute auch die Metrostation Kolbenova. Als die Linie B im Jahr 1988 in den Nordosten Prags verlängert wurde, war auch diese Station bereits geplant. Sie wurde zwar fast fertiggebaut, blieb aber wegen Geldmangels zunächst geschlossen. Erst am 8. Juni 2001 wurde die Station eröffnet. Sie befindet sich dort, wo einst die Fabrikhallen von Kolben standen.
Das Gelände von ČKD gehörte über viele Jahrzehnte hinweg zu den größten Industriearealen der Tschechoslowakei. Ab 1989 ging die Produktion aber zurück, und auf das weitläufige Grundstück wartete eine neue Nutzung.
Mittlerweile sieht der Stadtteil nicht mehr wie ein verlassenes Industrieareal aus. Am Ort der früheren Fertigungshallen ist ein modernes Wohnviertel entstanden. Und die Metrostation Kolbenova ist dort der ÖPNV-Verkehrsknotenpunkt, der mit seinem Namen an die industrielle Vergangenheit erinnert.







