Tschechen und die Sonnenfinsternis: Für die einen Vergnügen, für die anderen Forschungsthema

Partielle Sonnenfinsternis von der Sternwarte in Ondřejov aus

Überall in Tschechien haben die Menschen am Mittwochabend die partielle Sonnenfinsternis bestaunt. Um hingegen Aufnahmen von der totalen Eklipse zu machen, ist ein Team tschechischer Wissenschaftler bis nach Spanien gereist. Nach unserem Vorbericht vor zwei Wochen können wir nun vermelden, was die Expedition gebracht hat.

Begeisterung erklang in Ostrava / Ostrau, als am Mittwochabend die Sonne zu einem Großteil vom Mond verdunkelt wurde. Zahlreiche Menschen waren zur örtlichen Sternwarte gekommen, um das Himmelsschauspiel zu beobachten. 14 Ferngläser waren aufgestellt, die die Besucher zum Teil selbst mitgebracht hatten. Martin Vilášek, Leiter des Planetariums, war zufrieden:

„Es ist einfach toll. Jeden Tag hatten wir deswegen rund 170 Anrufe. Es ist sehr schön zu sehen, dass die Leute immer noch Interesse an Astronomie und solchen interessanten Erscheinungen haben.“

Eine Gruppe Besucher hatte es sich auf dem Rasen bequem gemacht – mit Klappsesseln, Getränken und Snacks. Die partielle Sonnenfinsternis sei wunderschön gewesen, sagt ein Mann. Nur schade, dass sie gerade nicht in Madrid seien, dann hätte es noch mehr zu sehen gegeben.

Perfekte Bedingungen

Dort nämlich, ebenso wie in Island oder Nordrussland, war es am Mittwoch zur totalen Sonnenfinsternis gekommen. Míloslav Druckmüller ist mit einem Wissenschaftlerteam der Technischen Universität in Brno / Brünn (VUT) in Spanien. Am Donnerstagmorgen bestätigte er in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks, was die Menschen in Ostrau vermutet hatten:

Tschechische Expedition in Spanien | Foto: Václav Široký

„Alles hat letztlich hervorragend geklappt, auch wenn wir vorher noch ziemlich nervös waren. Denn vor der Sonnenfinsternis war der Himmel eher bewölkt. Zum Glück trat aber ein, was wir erwartet hatten: Mit der Abkühlung lösten sich die Wolken auf. Während der Eklipse war der Himmel vollkommen klar.“

Weiter erläuterte Druckmüller, was genau die Brünner Wissenschaftler von dem Ereignis am Mittwoch mitnehmen:

„Wir beobachten verschiedene ionisierte Eisenatome. Am schwierigsten ist das zwölffach ionisierte Eisen aufzunehmen. Es leuchtet im Infrarotbereich des Lichtspektrums, wofür die Kameras meist viel zu empfindlich sind. Diesmal haben wir weitere Verdunklungsfilter benutzt, und es sieht nun danach aus, dass wir zum ersten Mal perfekte Bilder auch von dem zwölffach ionisierten Eisen machen konnten.“

Anhand der verschiedenen ionisierten Eisenatome ließe sich die Temperatur in den unterschiedlichen Bereichen der Sonnenkorona bestimmen, ergänzte Druckmüller. Der Erfolg der diesjährigen Spanien-Expedition liegt ihm zufolge also darin, dass bisherige blinde Flecke auf der Temperaturkarte der Sonne ausgefüllt werden können.

Tschechische Expedition in Spanien | Foto: Martin Šebek

Teure Gerätschaften

Es ist bereits die 16. Reise, die das Forscherteam aus Brünn zu einer Sonnenfinsternis unternommen hat. Jedes Mal kämen neue Erkenntnisse hinzu, sagt Druckmüller, weil sich auch die technischen Gerätschaften weiterentwickelten:

Tschechische Expedition in Island | Foto: Jana Hoderová

„Die Universität in Hawaii hat uns neue Filter und Kameras finanziert, die unvorstellbar teuer sind. Durch diese Zuschüsse können wir an der Maschinenbaufakultät der VUT eine Apparatur aufbauen, die komplett computergesteuert ist. Sie erlaubt zum Beispiel eine automatische Verschärfung der Aufnahmen.“

Eine zweite Forschergruppe aus Brünn ist gerade noch in Island. Auch sie wollte dort Aufnahmen von der totalen Sonnenfinsternis machen. Leider habe sie mit dem Wetter nicht so viel Glück gehabt wie die Kollegen in Spanien, bedauert Druckmüller:

Tschechische Expedition in Island | Foto: Jana Hoderová

„Ihren Nachrichten zufolge ist es dort schlecht gelaufen. Auf Island waren drei Beobachtungsstellen eingerichtet. Ursprünglich sollten es nur zwei sein. Das wurde erweitert, um das Risiko eines Misserfolgs zu senken. Aber auch das hat nicht geholfen.“

Tschechische Expedition in Spanien | Foto: Václav Široký

Dies würde die gute Laune etwas mindern, lenkt der Expeditionsleiter ein. Aber man verfüge ja nun über wunderbare Aufnahmen aus den drei Beobachtungsstellen in Spanien, wo alles perfekt gelaufen sei, so Miloslav Druckmüller.

Autoren: Daniela Honigmann , Martin Knitl | Quelle: Český rozhlas
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