Stressfaktor Job: In Tschechien steigt allgemeine Unzufriedenheit am Arbeitsplatz

Terminstress, schlechtes Management oder unsichere Arbeitsbedingungen: Die Arbeitenden und Angestellten in Tschechien fühlen sich von ihrem Job oft ausgelaugt. Und der Urlaub reicht meist nicht zur Erholung aus. Dies zeigen zwei aktuelle Studien.

Fast 75 Prozent der arbeitenden Menschen in Tschechien bezeichnen ihren Job als Stressfaktor. Und etwa die gleiche Anzahl gibt an, wegen der Arbeit zumindest manchmal erschöpft zu sein. Dies belegt eine Studie des Meinungsforschungsinstituts Stem von Ende Juni, an der gut 1300 erwerbstätige Erwachsene teilgenommen haben.

20 Prozent der Befragten sagten zudem, dass die Arbeit ihr Privatleben erheblich beeinträchtige und beides nicht gut in Einklang zu bringen sei. In dieser Hinsicht seien vor allem junge Menschen im Alter von 18 bis 29 Jahren unzufrieden, erläutert Stem-Analytikerin Kateřina Duspivová:

„60 Prozent von ihnen berichten, dass mindestens teilweise ein Ungleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben bestehe. Zum Vergleich: Bei den Menschen zwischen 45 und 59 Jahren sind es rund 40 Prozent.“

Langfristige Überarbeitung

Gründe, warum Menschen von ihrem Job gestresst sind, gibt es laut Duspivová mehrere. Dazu gehören körperliche Erschöpfung, begrenzte Aufstiegsmöglichkeiten oder Unzufriedenheit mit der Verdiensthöhe. Als negativen Faktor geben die Befragten auch schlechte Beziehungen am Arbeitsplatz an. Leitende Angestellte sind dabei frustrierter als andere, fand Stem heraus.

Lukáš Krčil | Foto: Tereza Čistotová,  Tschechischer Rundfunk

Das Onlineportal Hedepy zur Vermittlung von Psychotherapien hat ebenfalls Daten zum Gemütszustand der arbeitenden Bevölkerung in Tschechien erhoben. Sie besagen, dass die Zufriedenheit im Juni ihren bisherigen Tiefpunkt in diesem Jahr erreicht hatte. Fast ein Drittel der Befragten gab an, dass eine langfristige Überarbeitung der Grund dafür sei. Da könne auch der Sommerurlaub nicht viel ausrichten, sagt Hedepy-Mitbegründer Lukáš Krčil:

„Wenn sich ein Mensch im Urlaub erholen soll, dann muss er die Möglichkeit haben, völlig abzuschalten. Dann soll er kein Telefon benutzen müssen und die Arbeit ganz vergessen können. Wenn das nicht gegeben ist, dann hat der Urlaub nur einen sehr kleinen Effekt auf das Wohlbefinden.“

An der Umfrage für Hedepy haben 3000 Mitarbeiter aus insgesamt 40 Firmen teilgenommen, die vor allem Bürojobs in den Branchen IT, Handel, Marketing und Finanzen ausübten. Auch in Tschechien ist allgemein bekannt, dass lang anhaltende Überarbeitung zum Burn-out führen kann. Um dies zu vermeiden, sei es wichtig, die Probleme anzusprechen, mahnt die Psychotherapeutin Monika Dvořáková, die am Nationalen Institut für seelische Gesundheit (NÚDZ) forscht:

Monika Dvořáková | Foto: Centrum komunikace

„Die gemeinsame Aufteilung der Verantwortung zwischen Arbeitnehmer und Firma ist der wirkungsvollste Weg, einem Burn-out vorzubeugen. Dies kann verhindern, dass sich die Krise auf die Gesundheit des Betroffenen auswirkt und dann auch auf die Abläufe im ganzen Team.“

Schlechte Kommunikation

Dass Überbelastung und Stress ein großes Thema auf dem tschechischen Arbeitsmarkt sind, bestätigt der Verband für Personalvermittler. Laut Verbandschef Martin Jánský liegt das Problem oft bei der Leitungsebene:

Martin Jánský | Foto: Randstad

„Es geht nicht nur um den Arbeitsumfang. Der häufigste Auslöser ist vielmehr eine toxische Teamleitung. Unseren Daten zufolge benennt jeder dritte Angestellte, der die Firma verlassen hat, eine dürftige Führung als Grund. Ich sage darum gerne, dass die Leute seltener das Unternehmen verlassen, sondern eher den schlechten Manager.“

Viele Firmen in Tschechien bieten ihren Mitarbeitern unterschiedliche Benefits an, wie zusätzliche Krankheitstage oder Zuschüsse für Sporteinrichtungen. Bei manchen Unternehmen gehört zu den Extras sogar das Angebot einer Online-Psychotherapie.

Autoren: Daniela Honigmann , Tereza Chlubná | Quelle: Český rozhlas
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