Suchtprävention an Schulen: Neues Weiterbildungsprogramm für Lehrer
An den Schulen in Tschechien wird zu wenig Prävention in Bezug auf ein mögliches Risikoverhalten betrieben. So sehen es zumindest einige Experten, die sich mit unterschiedlichen Formen von Sucht und emotionaler Belastung befassen. Ein Wissenschaftsteam aus Prag hat darum ein neues Methodenprogramm für Lehrer und Schuldirektoren erstellt.
Schikane, Essstörungen, Drogenmissbrauch, Wutausbrüche – all das sind Kennzeichen von Risikoverhalten. Ein solches kann sich schon in jungen Jahren entwickeln. Darum wenden sich Suchtforscher der Prager Karlsuniversität mit einem neuen Präventionspaket an die Grundschulen im Land, die gemäß dem tschechischen Bildungssystem die Klassenstufen eins bis neun abdecken.
Mit ihrem Projekt Prev-Start wollen die Wissenschaftler vorrangig Lehrer und weiteres pädagogisches Personal weiterbilden. Es gebe zwar bereits Dutzende von Präventionsprogrammen für Schulen, sagt Michal Miovský. Doch diese würden nicht aneinander anknüpfen und seien wenig praxisorientiert, so der Oberarzt der Suchtklinik an der ersten Medizinischen Fakultät der Karlsuniversität:
„Eine der schwierigsten Aufgaben bei der Präventionsarbeit an Schulen ist, die einzelnen Programme zu kombinieren. Es müssen alle Altersgruppen abgedeckt werden und außerdem alle wichtigen Themen, die der jeweiligen Schule Sorgen bereiten.“
Sowohl Direktoren als auch die Präventionsbeauftragten der Schulen stünden oft vor der kaum zu bewältigenden Aufgabe, die passenden Programme auszuwählen, zu kombinieren und zu implementieren, ergänzt Miovský. Er betont, dass das neue Methodenpaket eine ganze Bandbreite an aktuellen Themen und Herausforderungen berücksichtige:
„Die Hauptthemen orientieren sich an den häufigsten Formen von Risikoverhalten und seelischen Erkrankungen. Erstens geht es um die Sicherheitslage an Schulen, in Umkleideräumen oder unter Aufsichten. Zweitens sprechen wir das erhöhte Aufkommen von Angststörungen oder Depression bei Kindern an. Es gibt also einen ganzen Abschnitt zur seelischen Gesundheit. Und die dritte Ebene sind die jeweiligen Typen eines Risikoverhaltens, also Mobbing, die Einnahme von Suchtmitteln oder auch sexuelle Gesundheit.“
Dass eine systematische Prävention vonnöten sei, würden die aktuellen Daten zu Risikoverhalten bei Kindern zeigen, bestätigt Lucia Kiššová. Sie leitet die Abteilung für Antidrogenpolitik beim tschechischen Regierungsamt:
„An den Grundschulen beobachten wir in den vergangenen Jahren eine Zunahme der seelischen Probleme bei jungen Menschen. Es gibt einen Anstieg von etwa sieben Prozent bei Selbstverletzungen und Selbstmordgedanken.“
Beim Missbrauch von Suchtmitteln lägen die Zahlen noch höher, fährt Kiššová fort:
„Die Einnahme von Marihuana geht in Tschechien seit langem zurück. Das wird ersetzt von Experimenten mit HHC oder Kratom. Ein großes Thema waren im vergangenen Jahr außerdem Energydrinks. 50 Prozent der Schüler konsumieren sie, 20 Prozent von ihnen auch gemischt mit Alkohol und zehn Prozent davon regelmäßig. Das ist gefährlich, denn die Energydrinks machen den Alkohol weniger spürbar.“
Ein Risikoverhalten äußere sich bei Kindern und Jugendlichen jedoch nicht nur in der Schule, so der Hinweis der Suchtforscher. Darum bezieht das neue Methodenpaket auch die Eltern mit ein. Dabei solle die Kommunikation zwischen Schule und Elternhaus verbessert werden, informiert Michal Miovský.
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