„Den Finger am Puls der Zeit“ – Rundfunk-Intendant Zavoral gratuliert zum 90-Jährigen
Radio Prag International ist dem öffentlich-rechtlichen Tschechischen Rundfunk angegliedert, auch wenn der Sender vom Staat finanziert wird. Deswegen haben wir auch den Rundfunk-Intendanten René Zavoral um ein paar Worte zu unserem 90. Geburtstag gebeten.
Die Redaktionen des Auslandssenders haben ihren Sitz im Hauptgebäude des Tschechischen Rundfunks im Prager Stadtteil Vinohrady. Dort können sie die Studios, Büroräume und weiteren Service nutzen. Und der Intendant, auf Tschechisch nennt er sich Generaldirektor, des Rundfunks ist stolz auf das Jubiläum, das Radio Prag International am Montag begeht:
„Vor allem muss gesagt werden, dass wir die Auslandssendungen auch als sehr wirksames Instrument der öffentlichen Diplomatie sehen. Über sie wird das Ausland darüber informiert, was in Tschechien geschieht. Aus meiner Sicht sind die Sendungen zudem ein hervorragendes Mittel, um sowohl die tschechischen Minderheiten und Expats als auch alle Weiteren, die sich für Tschechien interessieren, an uns zu binden. In seinen 90 Jahren hat Radio Prag International gezeigt, dass es ein integraler Bestandteil von hoher Qualität des Tschechischen und früher Tschechoslowakischen Rundfunks ist.“
Gespräche mit dem Außenministerium
Finanziert wird Radio Prag International vom Staat, das ist bei Auslandssendern ein häufiges Modell. Konkret kommt das Geld bisher vom tschechischen Außenministerium. Doch der Ressortleiter Petr Macinka (Motoristé sobě) hat für dieses Jahr die Bezüge um ein Viertel gekürzt. Bei den Verhandlungen des Staatshaushalts im tschechischen Abgeordnetenhaus im Februar sagte er zudem, Radio Prag International erhalte 2027 – so wörtlich – „keine Krone mehr“. Was also plant Rundfunk-Intendant Zavoral, um die Finanzierung der Auslandssendungen zu sichern?
„Das wird noch Gegenstand weiterer Gespräche mit dem Außenministerium im Herbst sein. Dass wir ins Ausland senden, schreibt uns das Gesetz über den Tschechischen Rundfunk vor. Und dort steht ebenfalls, dass der Staat diese Sendungen finanziert. Das heißt, auf der einen Seite kann der Minister sagen, was er sagt, und wird dies vielleicht auch umsetzen wollen. Auf der anderen Seite werden wir uns auf das Gesetz und die Vorschriften stützen. Und sollte sich an der Legislative zum 1. Januar 2027 nichts ändern, werden wir natürlich darauf beharren, dass die Gelder für die Auslandssendungen vom Außenministerium auch kommen“, so René Zavoral.
Hoffnung auf ein Einsehen
Sollten die Finanzen nicht bereitgestellt werden, müsse man sich intern beraten, ergänzt der Intendant. Denn gesetzlich sei dem Tschechischen Rundfunk ja auferlegt, die Sendungen ins Ausland zu garantieren. Und weiter:
„Dann werden wir uns logischerweise über die Ausgestaltung dieser Sendungen unterhalten. Aber wir werden uns bemühen, das Geld nachfolgend vom Staat zurückzufordern. Und da werden wir kompromisslos sein. Denn es ist nicht möglich, einfach die Regeln zu ändern und das Geld nicht zu überweisen. Natürlich können wir uns über die Höhe der Summe unterhalten. Diese Diskussion ist immer legitim. Aber die Pflicht des Staates, die Auslandssendungen zu finanzieren, ist einfach gesetzlich gegeben. Und bisher hat sich daran nichts geändert. Ich hoffe also sehr, dass die Vernunft obsiegt und sich die Dinge auch vonseiten des Außenministeriums umkehren.“
Integraler Bestandteil des Rundfunks
Und so bleibt ebenso die Hoffnung, dass Radio Prag International weiter auf das große runde Jubiläum im Jahr 2036 zugehen kann. Wie aber bleibt nach Meinung des Intendanten der Auslandssender fit für seinen 100. Geburtstag?
„Er beruht ja im Prinzip auf drei Pfeilern. Das erste sind die Mitarbeiter. Wenn im Auslandssender weiterhin solch gute Leute arbeiten wie heute, dann habe ich keine Angst um die Qualität als solche. Das Zweite, und das ist gerade jetzt wichtig, sind die Finanzen. Denn ohne die finanzielle Absicherung können die Auslandsprogramme nicht weiterbestehen, selbst wenn sie von den besten Leuten gestaltet werden. Hier sage ich noch einmal: Wir sehen die Auslandssendungen als integralen Bestandteil des Tschechischen Rundfunks und unseres Sendeangebots. Es wäre sehr schade auch für die tschechische Gesellschaft, wenn diese Sendungen entweder eingeschränkt oder ganz abgeschafft würden. Das Dritte sind die Technologien. Denn wir leben in einer Welt großer technologischer Konkurrenz. Aber in diesem Geist würde ich sagen, dass die Auslandssendungen abgesichert sind und wir den Finger am Puls der Zeit haben“, sagt Zavoral.







