Retrolampen und Havels Auto: Festival DesignBlok läuft in Prag
Seit Mittwoch läuft in Prag wieder das Festival DesignBlok. Es erinnert unter anderem an Václav Havel, der dieses Jahr 90 Jahre alt geworden wäre. Hauptthema ist aber „Světlo“ – das Licht.
„Also, was soll heute beleuchtet werden?“ Eine Stimme ertönt, wenn man unter einem der Lampenschirme steht. Der unsichtbare Erzähler verweist auf die unterschiedlichsten Orte, auf die das Licht einer Lampe fällt: das Arbeitsskript eines Studenten, das Zeichenbrett eines Architekten oder eine Straftat, die einst von der Staatssicherheit untersucht worden ist.
Dies ist im interaktiven Teil der Ausstellung „Retro lampy“ (Retrolampen) zu erleben. Sie zeigt Produkte aus der tschechoslowakischen Serienproduktion – also Lampen, die jeder Besucher durchaus noch von seinen Eltern und Großeltern kennen oder sogar zu Hause haben könnte. Genau um diesen Wiedererkennungswert ginge es ihr, sagte Kuratorin Eva Slunečková gegenüber den Reportern des Tschechischen Rundfunks:
„Das Stück ist einem bekannt, aber man weiß tatsächlich gar nicht, wer es entworfen hat oder dass es ein Designobjekt ist. Mich interessiert der psychologische Unterschied, wenn der Mensch etwas für ein Objekt von Interesse hält oder nur für eine Alltagsangelegenheit.“
Zu sehen sind 115 Lampen von 15 Autoren. Außerdem präsentiert die Ausstellung auch einen besonderen Raumduft namens „Licht“. Slunečková erläutert:
„Er wurde speziell für uns von der Firma Perfumed Prague angefertigt. Es ist ein frischer Duft. Den Herstellern zufolge soll er an sprühende elektronische Funken erinnern.“
Die Retrolampen sind im Prager Kunstgewerbemuseum zu sehen. Insgesamt lädt der 28. Jahrgang des Festivals DesignBlok an fünf Adressen in der Stadt. Und warum das diesjährige Motto einfach „Světlo“ (Licht) lautet, erläuterte Festivaldirektorin Jana Zielinski in den Inlandssendungen des Tschechischen Rundfunks:
„Licht ist das Gegenteil von Dunkelheit. Für uns ist es ein Symbol der Hoffnung und des neuen Lebens. Wir wollten zeigen, dass es auch in diesen Zeiten nötig ist, positiv zu bleiben.“
Das Festival präsentiert die Arbeiten von mehr als 360 Designerinnen und Designern. Es greift aber auch die beiden Jahrestage in der Biografie des einstigen Dissidenten und späteren Staatspräsidenten Václav Havel auf. Er hätte dieses Jahr am 9. Oktober seinen 90. Geburtstag gefeiert, und am 18. Dezember jährt sich sein Todestag zum 15. Mal. Darum wird in der Reithalle der Prager Burg die Ausstellung „Design für Václav Havel“ gezeigt. Den Besucher empfängt zunächst ein Dreieck aus Stühlen, die mit rotem Samt bezogen sind. Co-Kuratorin Andrea Běhounková merkt an, dass diese aus dem Spanischen Saal der Burg stammen:
„Dieses Stuhlmodell ist sehr besonders. Wir geben ihm großen Raum, weil es der erste Auftrag von Václav Havel an den Designer Bořek Šípek war. Es war ein echter Schlüsselmoment, als sich die beiden kennenlernten.“
Der Präsident und der Künstler arbeiteten im Folgenden eng zusammen. Die Ausstellung präsentiert auch Havels eigenhändige Skizzen für verschiedene Objekte.
Die Schau ist eine Kooperation mit der Veranstaltungsreihe „Havel Alive!“, mit der die Burgverwaltung an den früheren Präsidenten erinnert. Darum ist die Ausstellung auch noch bis Januar kommenden Jahres geöffnet. Ein Exponat wird jedoch nur dieser Tage ausgestellt: Vor der Reithalle steht der Lancia Kappa, den sich Havel 1997 kaufte. Andrea Běhounková:
„Havel hat den Wagen angeblich sehr geliebt. Er war oft mit hoher Geschwindigkeit unterwegs und fuhr seinen Bodyguards davon. Wir haben das Auto bei einem Privatsammler gefunden, der es uns sehr gern ausgeliehen hat. Aber im Gegensatz zu der gesamten Ausstellung, die bis Mitte Januar dauert, ist das Fahrzeug nur bis zum Ende des DesignBlok-Festivals zu sehen.“
Das Festival DesignBlok kann noch das ganze Wochenende, also bis 11. Oktober, besucht werden. Alle Informationen sind auf Tschechisch und Englisch zu finden unter designblok.cz.
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