Positives Aussenhandelsergebnis im September

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Erstmals seit rund zwei Jahren hat der tschechische Aussenhandel einen positiven Monatssaldo verzeichnen können. Im September überwogen die Warenausfuhren die Importe um 1.8 Milliarden Kronen, worauf die Krone sofort mit einem Kursanstieg gegenüber dem Euro reagierte. Experten rechnen allerdings nicht damit, dass das Septemberergebnis des Aussenhandels ein Signal für eine Trendwende der Entwicklung des Aussenhandelssaldos darstellt. Mehr dazu von Rudi Hermann im folgenden Beitrag.

Das Ergebnis des tschechischen Aussenhandels für den Monat September hat den tschechischen Wirtschaftsanalytikern und Kommentatoren eine erfreuliche Überraschung beschert. An Hiobsbotschaften über steigende Aussenhandelsdefizite gewöhnt, ist nämlich ein positives Ergebnis höchst ungewöhnlich. Und dennoch: Im September verzeichnete Tschechien Exporte in einem Volumen, das um 1.8 Milliarden Kronen höher lag als die Importe. Dabei hatten die Prognostiker für diesen Monat mit einem Anwachsen des Jahresminusbetrags um weitere 7 Milliarden gerechnet. Als Ursache für die erfreuliche Entwicklung gilt das rasche Tempo des Exportes, das wiederum darauf hindeutet, dass die tschechische Wirtschaft zunehmend Artikel herstellt, die auf ausländischen Märkten bestehen können und deshalb gefragt sind. Dabei geht es vor allem um Erzeugnisse der Maschinenindustrie, unter welchen wiederum Automobile aus der Fabrik Skoda Mlada Boleslav einen guten Teil ausmachen. Die tschechische Krone reagierte prompt auf die guten Nachrichten aus dem Statistischen Amt und zog gegenüber dem Euro am Montag auf einen Kurs von 33.39 Kronen pro Euro an, das entspricht einem Kurs gegenüber der D-Mark von 17.08. Gestützt wird die Krone ferner durch die anhaltenden Erwartungen der Finanzmärkte auf hohe Privatisierungseinnahmen, die die Nachfrage nach tschechischer Währung verstärken.

Analytiker warnen indes davor, das September-Ergebnis zu überschätzen. Denn in Westeuropa steht, nicht zuletzt bedingt durch die Terroranschläge auf die USA und die dadurch ausgelöste Verunsicherung, eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums am Horizont, die sogar in eine Rezession umschlagen könnte. Und eine Rezession würde dann auch die sehr offene und exportorientierte tschechische Wirtschaft betreffen. Denn der Export ist ein bedeutender Wachstumsmotor für Tschechien, doch in einer Situation, in der rund 40 Prozent aller Ausfuhren allein nach Deutschland gehen, schlägt eine Abkühlung der Konjunktur schnell auf das hiesige Wirtschaftsklima durch. Auf das ganze Jahr gesehen, gehen die Experten deshalb davon aus, dass sich die Prognose eines Aussenhandelsdefizits in der Höhe von etwa 140 Milliarden Kronen wohl erfüllen wird. Das wäre aber das schlechteste Ergebnis seit 1996.

Autor: Rudi Hermann
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