Prag feierte den hl. Patrik

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Irische Musik, irische Tänze, irisches Bier und irischer Whiskey. Nichts davon hat am vergangenen Wochenende in Prag gefehlt. Auch in der tschechischen Hauptstadt wurde nämlich der Namenstag des irischen Landespatrons, des hl. Patrik gefeiert. Man veranstaltete zu diesem Anlass bereits zum vierten Mal ein Festival, bei dem typische irische Kapellen und Tanzgruppen, aber auch Ensembles aus Tschechien ihr Können zeigten und an die Besucher weiter vermittelt haben. Wie man in Prag den St.-Patrik-Day gefeiert hat, darauf möchte ich nun gemeinsam mit Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, zurückblicken. Am Mikrophon begrüßt Sie Marketa Maurova.

Am 17. März wird der Namenstag des hl. Patrik gefeiert. Patricius, mit dem ursprünglichen Namen Maewyn, lebte im 5. Jahrhundert und war Sohn eines römischen Beamten namens Calpurnius. Er stammte aus Wales. Als 16jähriger wurde er durch irische Kämpfer gefangengenommen, die das Dorf ausplünderten, in dem er lebte, und Maewyn wurde als Sklave nach Irland verkauft. Einige Jahren verbrachte er auf irischen Wiesen, wo er in Einsamkeit Herden weidete, bis es ihm gelang zurück nach Europa zu flüchten. Dort begann er sich theologischen Studien zu widmen. Die Legende erzählt, dass ihm im Traum verkündet wurde, nach Irland zurückzukehren um dort den christlichen Glauben zu verbreitern. Zahlreiche Sagen und Legenden erzählen über wundersame Siege dieses Missionars über heidnische Druiden. Patrik gilt als irischer Landespatron. Der Gebrauch, seinen Namenstag zu feiern, verbreitete sich in der ganzen Welt. In Amerika z.B., wo das Fest heute sehr populär ist, fanden die ersten öffentlichen Feierlichkeiten in 1737 in Boston statt. Warum ist das Fest überall so beliebt? Ein Organisator des Prager Festivals, Frank Haughton, dazu:

"Das St.Patrik-Fest wird nicht nur in Irland, sondern in der ganzen Welt gefeiert, und zwar aufgrund der Tatsache, dass man weltweit viele irische Emigranten finden kann."

Eine irische Kommunität lebt auch in Prag. Die irische Musik und Kultur ist zudem bei den Tschechen sehr beliebt. Caffrey´s Irish Bar, Molly Malone´s, Scarlett O´Hara´s, Murphy´s Pub - dies sind nur einige der irischen Kneipen in Prag, in denen während des viertägigen Festivals Tag und Nacht gefeiert wurde. Gespielt, getanzt und gefeiert wurde aber auch in einem großen Zelt im Stadtzentrum und auch direkt auf dem Altstädter Ring. Dabei wurde natürlich das typische irische Bier Guinnes, irischer Whiskey und eine Spezialität des Patrik-Festes, nämlich grünes Bier getrunken. Über das eigentliche Programm sprach ich am Anfang des Festivals mit einer Organisatorin des Festivals, Kamila Voracova:

"Sie können u.a. Molly Malone´s besuchen, wo an allen vier Festtagen die Ausstellung irischer Musikinstrumente läuft. Gemeinsam mit irischen Musikern können Sie lernen, auf diesen Instrumenten zu spielen. An dem eigentlichen St.-Patrik-Day und Haupttag des Festivals, finden in allen Kneipen am Nachmittag und am Abend Konzerte und im Café Legends zudem ein Tanzwettbewerb und das sog. "Céilí" statt. Bei dem Letztgenannten handelt es sich um eine Tradition, bei der sich Leute zu Hause getroffen, die Möbel weggeschoben und den ganzen Nachmittag getanzt haben."

Die irische oder keltische Musik ist aber auch in Tschechien sehr beliebt und wird von einheimischen Kapellen gespielt. Eine davon ist die Gruppe Czeltic, die etwa seit einem Jahr in ihrer heutigen Besetzung spielt. Wie soll man eigentlich das Musicgenre bezeichnen, das sie spielen, fragte ich den Leiter der Kapelle, Vasek Rout.

"Wir nennen das keltische, irische, schottische Musik... Es ist egal, denn die Grundlagen sind gemeinsam. Es ist ein bisschen anders, als das, was man bei uns spielt, die Melodik und Harmonie sind ein bisschen anders aufgebaut. Aber diese Musik steht uns sehr nah. Wenn wir spielen, benutzen wir manchmal auch tschechische Lieder und Kompositionen und es passt gut zusammen."

Der Name der Kapelle wurde nicht zufällig gewählt, sondern versteckt eine witzige Aussage in sich. Was bedeutet er also, wie soll man den Namen aussprechen?

"Czeltic. Wir sind eine Prager Kapelle, oder besser eine Kapelle aus Prag und Umgebung. Und da wir alle Tschechen sind und "celtic" in Englisch keltisch bedeutet, haben wir das kleine "z" eingefügt und es entstand "cz". Also eine tschechische keltische Kapelle."

Die keltische Musik ist in der letzten Zeit bei uns sehr populär. Man spricht auch gerne davon, dass die Tschechen bestimmte keltische Wurzeln aus der Volkswanderungszeit haben. Ist diese Kelten-Vorliebe eine typische tschechische Mode?

"Natürlich ist das Mode. In der letzten Zeit ist das sehr populär geworden. Ich würde aber nicht sagen, dass es bei uns populärer ist als anderswo. Es ist heute ein Trend, der die ganze Welt betrifft - Worldmusic, ethnische Musik. Nehmen Sie z. B. die Klassiker - Van Morrisson, Shinead O´Connor, Sting usw. Alle kehren zu den Wurzeln zurück. Es stimmt, dass die irische Musik mit der zeitgenössischen modernen Musik sehr eng verknüpft ist."

Die Kapelle Czeltic hat nicht nur gespielt, sondern wurde auch durch eine Tanzgruppe begleitet, mit der sie in Prag häufiger auftritt. Helena Znojemská von der Gruppe "Gachlegach" (www.web.redbox.cz/gachlegach) verrät uns mehr.

"Das, was wir tanzen, geht aus den traditionellen irischen Tänzen hervor, aus dem keili. Wir bemühen uns aber gleichzeitig, diese Tänze um neue Elemente zu bereichern. Wir erfinden unsere eigenen Choreographien und machen auch irischen Step usw."

Über die irischen Tänze sprach ich auch mit einer anderen Tänzerin aus der Gruppe "Gachlegach", Tamara Kovacova. Bevor sie ihre Erzählung begann, musste sie jedoch Atem holen, weil sie gerade einen recht schnellen Tanz hinter sich hatte.

"Die traditionellen Tänze haben feste Regeln. Wenn man nach Irland kommt, kennen da die meisten Leute in den Kneipen diese Tänze. Im Grunde besteht ein Ensemble aus zwei, drei oder vier Paaren. Im Tanz lösen sich das sog. "Body" - also ein Teil, der immer wiederholt wird-, und verschiedene Figuren ab. Also: Body, erste Figur, Body, zweite Figur usw."

Wenn man in Tschechien irische Tänze lernen will, was für Möglichkeiten hat man? Und wie sind einzelne Mitglieder der Gruppe zu irischen Tänzen gekommen.

"Das ist wohl individuell. Aber ich glaube, dass es folgendermaßen begonnen hat. Vor langer Zeit, etwa vor vier Jahren kam eine Irin namens Kate nach Prag und begann einigen begeisterten Personen die irischen Tänze beizubringen. Eine der ursprünglichen Enthusiasten tanzt noch mit uns, aber sonst sind wir eine gemischte Gruppe. Die Mitglieder haben früher alles mögliche getanzt, aber dann dieses gesehen und sich dafür begeistert."

Wo kann man die Tanzgruppe Gachlegach sehen, wenn gerade kein St.-Patrik-Festival stattfindet? Gibt es in Prag mehr irische, keltische, schottische und andere Ensembles? Gibt es eine gemeinsame Szene?

"Vor allem im Laufe des letzten Jahres ist es meiner Meinung nach zu einem Boom irischer Tanzgruppen und Kapellen gekommen. Und wenn ich zum ersten Teil der Frage zurückkehre, wir tanzen z.B. auf Abiturbällen, ab und zu auf Firmenpartys - um ein bisschen Geld zu verdienen... Aber vor allem in Kneipen, in den irischen Kneipen Prags. Die Atmosphäre ist dort sehr lebendig, und das gefällt uns gerade daran."