Prager Strassen gestern und heute - eine Ausstellung im Prager Nationalmuseum

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"Prager Strassen gestern und heute" heisst die Ausstellung, die in diesen Tagen im Rahmen des Projektes "Prag - europäische Kulturstadt 2000" im Prager Nationalmuseum eröffnet wurde. Martina Schneibergova nahm an der Vernisage teil.

Die Strasse sollte uns den Aufenthalt angenehmer machen, sie sollte beleuchtet, bezeichnet sein und kann uns auch über interessante Veranstaltungen informieren, die zur Zeit in der Stadt stattfinden. Dies alles hält man für selbstverständlich, wenn das alles reibungslos funktioniert. Das Leben auf der Strasse ist Bestandteil des Organismus der ganzen Stadt. Wie man in der Ausstellung überraschenderweise feststellt, befassten sich die Prager Stadtvertreter vor mehr als 100 Jahren mit vielen ähnlichen Problemen wie die heutigen Stadtväter - ob es schon um die Sauberkeit der Prager Strassen, geeignete Grünanlagen oder den sich in der ganzen Stadt ausbreitenden Strassenverkauf ging.

Anhand von Fotos, Zeitungsartikeln und historischen Gegenständen werden in der Ausstellung die Prager Strassen zu Ende des 19. Jahrhunderts aus verschiedenen Gesichtspunkten vorgestellt. Die nostalgischen Stadtbilder zu Ende des 19. Jahrhunderts werden in der Ausstellung mit Blick auf die Prager Strassen der Gegenwart konfrontiert. In einem Raum werden einige der grundlegenden Änderungen dokumentiert, die sich in den Prager Strassen in den letzten zehn Jahren abspielten. Die Strassen sind bunter und lebendiger geworden, dazu trägt auch die entsprechende moderne Ausstattung der Stadt - wie Wartehäuschen für Bushaltestellen, Bänke, Telefonzellen etc.

Aus den zeitgenössichen Artikeln und Zeitungsannoncen erfährt man z.B., dass es vor mehr als 100 Jahren in Prag mit der Hygiene gar nicht so schlecht aussah, eher im Gegenteil. Die Autorin der Ausstellung, Dr. Milena Secka, weist auf eine Annonce für öffentliche Toiletten in Prag hin:

"Wenn Sie hier diese Annonce lesen, werden Sie erfahren, was für einen Standard damals diese öffentlichen Toiletten hatten. In einer öffentlichen Toilette der I. Klasse bezahlte man 4 Kreuzer, und man konnte sich dort auch Schuhe putzen oder Kleider reinigen lassen. Es gab auch Toiletten zweiter Klasse, wo man nur 2 Kreuzer bezahlte. Für öffentliche Toiletten konnte man auch eine Jahreskarte kaufen, dann war der Toilettenbesuch billiger."

Wie Dr. Secka weiter betonte, würde man in den Zeitungsartikeln zu Ende des 19. Jahrhunderts viele Anregungen auch für das heutige Prag finden. Die Ausstellung "Prager Strassen gestern und heute" ist im Prager Nationalmuseum bis zum 29. Oktober d.J. geöffnet.