Prager Theaterfestival deutscher Sprache

r_2100x1400_radio_praha.png

Willkommen, liebe Hörerinnen und Hörer, beim Kulturspiegel von Radio Prag. Das Theaterfestival deutscher Sprache in Prag hat in diesem Jahr schon seinen 5. Geburtstag gefeiert. Wir wollen nun gemeinsam schauen, welche interessanten Dinge in den vergangenen zwei Wochen dem Prager Publikum dargeboten wurden. Gute Unterhaltung wünscht Marketa Maurova.

Die Dramaturgen des Festivals wollten vor allem einige ganz einzigartige und für das tschechische Publikum ungewöhnliche Inszenierungen zeigen. Als Höhepunkte des Festivals galten das zwölfstündige Shakespeare-Projekt des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg und - besonders in Bezug auf das gewählte Thema - das Gegenwartsstück des jungen Dramatikers Thomas Jonigk "Täter". Weiter spricht der Dramaturg, Ondrej Cerny.

Schnitzlers "Professor Bernhardi" in der Einstudierung des Wiener Burgtheaters eröffnete das ganze Festival. Wien war jedoch auch durch Erika Pluhar vertreten, welche die Prager Zuhörer mit ihren im wienerischen Dialekt gesungenen Liedern ganz in die Atmosphäre der österreichischen Hauptstadt versetzt hat. Wie ist die Beziehung der Sängerin zu Wien?

Schon mit fünf Inszenierungen hat sich in der Geschichte des Prager Festivals das Deutsche Schauspielhaus Hamburg präsentiert. Diese Bühne gehörte Anfang der 90er Jahre zum Durchschnitt im deutschen Theatermilieu. 1993 kam jedoch Frank Baumbauer als Intendant dort hin und machte daraus ein berühmtes und mit zahlreichen Auszeichnungen bewertetes Theater. Auf welche Karte hat er in Hamburg gesetzt? - fragte ich Frank Baumbauer nach einer Debatte im Klub des Weinberger Theaters in Prag.

Das Deutsche Schauspielhaus Hamburg brachte nach Prag ein hierzulande einzigartiges Projekt: eine zwölfstündige Vorstellung des belgischen Autors Luc Perceval, in der 6 historische Königsdramen von William Shakespeare in chronologischer Reihenfolge aufgeführt wurden. Natürlich hat man im Voraus Befürchtungen in Bezug auf die Länge der Aufführung ausgesprochen. Ondrej Cerny dazu:

setzt sich nämlich in seinem Spiel "Täter", das er selbst als soziales Drama mit komödiantischem Anschlag charakterisiert, mit dem Thema Inzest und sexueller Missbrauch der Kinder auseinander.

Der Abschluss des Prager Theaterfestivals wurde gleichzeitig zum Eröffnungsabend eines neuen Festivals - nämlich eines Festivals der jüdischen Kultur, das derzeitig in der tschechischen Hauptstadt läuft. Man wollte nämlich nicht nur an die tschechisch-deutsche Vergangenheit Prags erinnern, sondern auch auf die jüdische Kultur aufmerksam machen, die je zu Prag gehörte. Aus Tel Aviv ist bei diesem Anlass das Theater Jung-Habima gekommen, ein Nachwuchsensemble des israelischen Nationaltheaters, das den Kaukasischen Kreidekreis von Bertolt Brecht spielte.

Das Stück wurde durch Rivka Meschulach ins Hebräische übersetzt, die für uns diese Inszenierung charakterisiert.