Prostitution in Tschechien - ein Problem für viele Gemeinden

Vertreter von rund 25 tschechischen Kommunen haben im westböhmischen Cheb/Eger am Mittwoch eine Erklärung verabschiedet, die die Regierung und das Parlament auffordert schärfer gegen Prostitution im Grenzgebiet vorzugehen. Marcela Pozarek berichtet.

In der Erklärung wird unter anderem darauf hingewiesen, dass die Strassen-Prostitution in Tschechien das Unrechtsbewusstsein bei den Bürgern verkümmern lasse und zu einem Imageverlust des Landes im Ausland führe. Die Probleme, mit denen Gemeinden im Zusammenhang mit Prostitution zu kämpfen haben, harren laut dem Vizebürgermeister von Cheb/Eger Petr Jaks einer dringenden Lösung.

"Das Problem ist akut. Selbstverständlich nur für eine bestimmte Bevölkerungsschicht. Es handelt sich dabei praktisch um das gesamte Grenzgebiet zu Polen, Deutschland und Österreich, in vielen Städten ist es für manche Viertel heute wirklich eine Überlebensfrage."

Nicht nur, dass das Grenzgebiet durch ihren Strassenstrich und die Häufung von Bordellen immer wieder in die Schlagzeilen der Medien geraten. Den jeweiligen Gemeindebehörden sind meistens die Hände gebunden, da man die Prostituierten und Zuhälter nicht strafrechtlich verfolgen kann. Ausgeteilt werden Bussen, die aber niemand zahlt. Deshalb will man die Legislative zu einer Erweiterung des Rechtsrahmens zwingen, an entsprechenden Gesetzesvorlagen arbeitet zur Zeit die Abteilung Kriminalitätsprävention des tschechischen Innenministeriums, laut der Leiterin Jitka Gjiuricova will man die Prostitution legalisieren.

"Die Prostitution im öffentlichen Raum wird gebunden sein an regelmässige ärztliche Kontrollen der Prostituierten, die eine Sozial- und Krankenversicherung haben müssen. Was die Besitzer von entsprechenden Etablissments angeht, muss dieser immer das Einverständnis der jeweiligen Gemeinde einholen, damit dort überhaupt so eine einschlägige Einrichtung entstehen kann."

Die Intention des Aufrufs ist klar: die Situation in den Gemeinden erschweren eine Reihe von Begleiterscheinungen der Prostitution, wie Kriminalität, AIDS, Drogen und Mafia. Ein Thema, das im tschechischen Parlament endlich diskutiert werden muss, wie der Vizebürgermeister von Cheb/Eger Petr Jaks meint:

"Wir versprechen uns von diesem Aufruf vor allem, dass das Parlament sich auf einer der nächsten Sitzungen mit dieser Problematik beschäftigt, dass die Abgeordneten endlich aufwachen. In der Tat ist es so, dass von der Prostitution neun Zehntel der Bevölkerung nicht betroffen, weil sie nicht in der Grenzregion leben und deshalb fühlen sich da die Parlamentarier auch nicht so verantwortlich."

Autor: Marcela Pozarek
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