Radiogruppe "Eurocast" will nach Tschechien

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Radiogruppe "Eurocast" will nach Tschechien Dass die westböhmischen Radiohörer gelegentlich auf die Wellen des Bayrischen Rundfunks finden, um beispielsweise Nachrichten in deutscher Sprache zu hören, oder die Südsachsen hin und wieder der besser, internationalen Musik wegen tschechische Sender einschalten ist nichts besonderes. Bald könnten aber auch Hörer jenseits der tschechisch-deutschen Grenzregion, zum Beispiel in Prag, Brno und Ostrava deutsche Sender hören, ohne es zu bemerken. Eine deutsche Radiogruppe plant den Einstieg in eine der großen tschechischen Privatsenderketten. Aus Leipzig unser Korrespondent Danilo Höpfner.

Zwar ist die Entwicklung des Privatradiomarktes in Tschechien gut 10 Jahre nach der Einführung des dualen Rundfunksystems weitestgehend abgeschlossen und der Markt aufgeteilt, doch scheint es auf dem tschechischen Werbemarkt noch einiges rauszuholen zu geben. Die neue deutsche Rundfunkgesellschaft Eurocast, an der u.a. der sächsische Privatsender Radio PSR aus Leipzig maßgeblich beteiligt ist, will seine Geschäftstätigkeiten nun nach Tschechien ausdehnen.

Bereits Mitte letzten Jahres hatte sich die Radiogemeinschaft die Mehrheit eines großen Privatsenders in Warschau erkauft und damit Führung und Kontrolle übernommen. Und was in Leipzig und Warschau derzeit bestens funktioniert, könnte auch bald in Prag für deutsches Kapital von höchstem Interesse sein.

Das Konzept ist klar und durchsichtig: neue Märkte im Osten erobern um somit von den neuen Wachstumsmärkte zwischen Tallin und Zagreb zu profitieren. Derzeit werden nun auch der tschechische und der slowakische Radiomarkt genauer beobachtet, da diese zu den Zielmärkten der Eurocast gehören, so Pressesprecher Samiera Toma. Interessante Objekte der Hörfunkbegierde wären beispielsweise die hörerstarken und landesweiten Programme wie Frekvence 1 oder die Programme der Radio-Net- Gruppe.

Da sich der böhmisch-mährische Radiomarkt aber bereits in festen Händen westlicher Konzerne wie der luxemburgischen RTL-Groupe oder dem französischem Radiosender Europe1 befindet, und die Firmen gutes Geld mit ihren tschechsichen Ablegern verdienen, hat es bisher noch keine konkreten Beteiligungsverhandlungen der Eurocast gegeben. Mit jedem Tag, mit dem die EU-Mitgliedschaft näher rückt, wird der tschechsiche Werbemarkt für die westlichen Gesellschaften immer attraktiver. Es geht um 10 Millionen neue EU-Bürger als neue Werbekonsumenten.