Radiosendungen für die slowakische Minderheit in Tschechien

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Neben den fremdsprachigen Auslandsprogrammen, wie sie Radio Prag sendet, gibt es im Öffentlich-rechtlichen Tschechischen Rundfunk auch Sendungen für die Minderheiten im Lande. Bei einer ihrer Redaktionen - der slowakischen - haben wir ein wenig hinter die Kulissen geschaut.

Als der tschechische Außenminister Jan Kavan Ende März nach Bratislava reiste, stellte er mit seinem slowakischen Amtskollegen übereinstimmend fest, dass die Beziehungen zwischen beiden Staaten problemlos verliefen. Bedauerlich allerdings sei die Tatsache, dass - im Gegensatz zu früher - die tschechischen und slowakischen Jugendlichen immer weniger die Sprache des anderen verstünden.

Der Erhalt der Sprache ist denn auch eines der wesentlichen Ziele der Sendungen für die slowakische Minderheit, die das 1. Programm des öffentlich-rechtlichen Tschechischen Rundfunks seit April 1993 regelmäßig ausstrahlt. Irena Novotna, Leiterin des Minderheiten-Programms, erläutert hierzu:

"Früher haben alle Bürger das Slowakische genauso wie das Tschechische angenommen. Heute passiert es bei älteren Menschen schon, dass sie mir sagen: 'Ich lese gerade ein Buch und bin mir bewusst darüber, dass es auf slowakisch geschrieben ist. Vorher habe ich überhaupt nicht gemerkt, dass es in einer anderen Sprache ist.' Das Slowakische wurde als etwas ganz Natürliches empfunden, da es Radiosendungen und einfach alles in beiden Sprachen gab."

Als sich die Tschechoslowakische Föderation im Januar 1993 in einen tschechischen und einen slowakischen Staat aufspaltete, wurde Slowakisch in Tschechien plötzlich zur Sprache einer Minderheit, der dieser neue Status zunächst schwer zu schaffen machte. Dies wirkte sich auch auf die Identitätsfindung der slowakischen Sendungen des Tschechischen Rundfunks aus, erinnert sich Irena Novotna:

"Am Anfang war es ein bisschen ein Problem, den Charakter dieser Sendungen zu finden, denn die Slowaken waren hier zuhause und konnten sich nur sehr schwer damit abfinden, dass sie, die hier zum Teil seit 20-30 Jahren gelebt hatten, sich plötzlich heimatlos fühlten und in der Position von ausländischen Bürgern wiederfanden. Aber im Laufe der letzten acht, neun Jahre haben sich die Menschen an diese Situation angepasst und anfangen, unsere Sendungen als Sendungen für eine Minderheit wahrzunehmen."

Die slowakische Redaktion arbeitet eng mit den Leitern der Programme für die deutsche und die Roma- Minderheit zusammen. Auch wenn für jede der Volksgruppen spezifische Bedingungen im Land herrschten, verfolge man in den Rundfunksendungen einen gemeinsamen Grundsatz: unabhängig und objektiv zu sein und nicht als Sprachrohr für eine bestimmte Bürgervereinigung zu fungieren. Irena Novotna, die hinsichtlich der Situation der slowakischen Minderheit in Tschechien eine Reihe positiver Tendenzen erkennt, wünscht sich für die künftige Gestaltung ihres Programms vor allem eines:

Eine Ausweitung der Sendezeit. Denn die 1 1/2 Stunden wöchentlich reichen bei weitem nicht aus, um den Hörern neben dem aktuellen Geschehen auch Kulturelles nahe zubringen. Dennoch seien viele der tschechischen Hörer, die rund 50% der gesamten Hörerschaft ausmachten, dankbar dafür, dass wenigstens ein bisschen Slowakisch im Ether geblieben ist.