Regionjournal

r_2100x1400_radio_praha.png

Willkommen bei unserer heutigen Ausgabe des Regionaljournals, liebe Hörerinnen und Hörer. Vielen von Ihnen wird die südböhmische Stadt Cesky Krumlov / Tschechisch Krumau, das Ziel des heutigen Besuches, nicht unbekannt sein. Cesky Krumlov war vor 1989 eine tote Ecke Tschechiens, heute ist es nach Prag die meistbesuchte Stadt. Dies ist aber nicht der Grund unseres Besuches. Anlass dazu geben uns die reichhaltigen kulturellen Aktivitäten der Stadt und der Region, die den ganzen Sommer durch stattfinden und zu denen wir Sie, liebe Freunde, herzlich einladen möchten. Am Mikrophon begrüssen Sie Armin Sandmann und Dagmar Keberlova.

An diesem Wochenende findet in Cesky Krumlov ein grossartiges Renaissancefest statt - Fest der fünfblättrigen Rose - das an die Zeit der Entwicklung der Stadt unter der Regierung der letzten Rosenberger erinnert. Bevor wir Ihnen mehr über dieses historische Fest verraten, möchten wir einen kleinen Exkurs in die Geschichte der Stadt machen.

Der älteste Teil der Stadt wurde im 13. Jahrhundert auf dem sog. Linzer Weg, der nach Österreich führte, errichtet. Es war ein von zahlreichen Burgen umgebener Handelsweg. Gründer der Stadt waren die Witigonen - die Herren von Krumlov, die in ihrem Wappen die grüne fünfblättrige Rose hatten. Nach ihrem Aussterben 1302 gingen ihre Güter an einen anderen Stamm der Witigonen über und zwar an die Herren von Rosenberg. Die Herren von Rosenberg waren das mächtigste tschechische Adelsgeschlecht überhaupt, das bis Anfang des 17. Jahrhunderts die größten Güter besaß. Ein hervorragender Mann dieser Familie, Wilhelm von Rosenberg, die bedeutendste adelige Persönlichkeit der damaligen Politik und Kultur in Böhmen, war vor allem Initiator der Umbauten von Häusern und des Schlosses im Stil der Renaissance. Unter seiner Herrschaft erfreute sich die Stadt des größten Aufschwungs, gleichzeitig hatte sich aber Wilhelm bei dem repräsentativen Aufbau dermaßen verschuldet, dass sein Nachfolger, Peter Wok von Rosenberg, die Stadt am Ende des 16. Jahrhunderts an Kaiser Rudolf verkaufen musste. Seit dieser Zeit hielt die vielversprechende Entwicklung der Stadt an. Nach dem 30jährigen Krieg und den Habsburgen kamen noch die Fürsten von Eggenberg und nach ihnen, in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die Schwarzenbergs. Kleine Erfolge wechselten Zeitabschnitte der Stagnierung ab, von einem Aufschwung der Stadt können wir erst wieder zu Ende des 19. Jahrhunderts sprechen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dann der gesamte Besitz der Schwarzenbergs verstaatlicht. In der kommunistischen Ära hat es in Krumlov schlimm ausgesehen, die Stadt war wie eine tote Ecke der Republik - Strassen, Infrastruktur, Bausubstanz - das alles wurde, wie in anderen prächtigen tschechischen Städten in dieser Zeit, vollkommen heruntergewirtschaftet. Nach der Wende kam dann der Umschwung auch für Cesky Krumlov. Der Staat übergab die historische Bausubstanz an die Gemeinde und von den dreihundert denkmalgeschützten Häusern der Altstadt wurden dann 80 Prozent privatisiert und nach und nach rekonstruiert. Dazu kam, dass Ende 1992 die Liste der UNESCO um ein Kapitel länger wurde - um die Tschechische Republik, in der drei wichtige Lokalitäten auftauchten, unter denen neben Prag und Telc auch Cesky Krumlov. Seitdem entwickelte sich die Stadt zu einem kulturellen Zentrum Südböhmens. Mehr zu der Entwicklung seit 1992 der Bürgermeister Antonin Princ:

Kultur blüht in Cesky Krumlov nach den Worten des Bürgermeisters 12 Monate im Jahr, doch die Hochsaison beginnt jeweils Mitte Juni und dauert bis Mitte September an. Einer der Höhepunkte aller Veranstaltungen ist das bereits erwähnte Fest der fünfblättrigen Rose. Es soll an die Rosenberger erinnern, die eine rote fünfblättrige Rose in ihrem Wappen hatten. Die Entstehungsgeschichte dieses Festes, an deren Anfang die mittelalterlichen, in den Wäldern um Krumlov angesiedelten Räuber standen, könnte uns niemand besser erzählen als der Bürgermeister Princ:

Die Tradition des mittelalterlichen Festes der fünfblättrigen Rose ist fast an die 100 Jahre alt. Hierzu der Bürgermeister weiter:

Drei Tage lang sind für die Besucher des Festes sowohl im Stadtzentrum als auch im Schlosspark und an der Moldau verschiedenste Veranstaltungen vorbereitet. Diese ändern sich auch jedes Jahr und der Hauptveranstalter, das Städtische Theater, versucht immer etwas neues zu bringen. Mehr dazu der Direktor des Theaters, Jan Vozabal:

"Ursprünglich haben wir immer einzelne Szenen aus der Geschichte gebracht, wie z. B. die Hochzeit des Wilhelm von Rosenberg. In letzter Zeit bringen wir eher Theatervorstellungen im Hauptprogramm, wo wir versuchen, den Stamm der Rosenberger einheitlich vorzustellen. Nebenbei finden viele Begleitveranstaltungen statt. Fechtkunst wird z.B. gezeigt, es gibt Kindervorstellungen, einen grossen Markt, aber auch lebendiges Schachspiel sowie verschiedene Wettbewerbe warten auf die Besucher."

Im Juni ist Österreich an der Reihe. Die Präsentation Österreichs begann am Anfang des Monats mit einer feierlichen Eröffnung und Hissung der Staatsflagge, an der auch der Botschafter Klas Daublebsky teilgenommen hat. Weiter geht es den ganzen Monat lang mit einer Fotoausstellung über Österreich, einer Ausstellung über Adalbert Stifter mit dem Titel "Die furchtbar schöne Welt", die den Schriftsteller sowohl von der österreichischen Seite als auch von der tschechischen Seite betrachtet. Was der Höhepunkt des ganzen Monats sein sollte, sagte uns Magda Peterkova, die Direktorin des Europäischen Informationszentrums, das der Hauptveranstalter dieses Projektes ist:

"Der Höhepunkt des österreichischen Monats wird am 28. Juni die Veranstaltung "Freundschaft ohne Grenzen" sein. Das Thema ist der kulturelle und touristische Austausch, den es zwischen den beiden Republiken gibt."

Und hiermit sind wir, liebe Hörerinnen und Hörer, am Ende des heutigen Regionaljournals angelangt. Wir hoffen, dass wir Sie zu einem Besuch von Cesky Krumlov angeregt haben und freuen uns in zwei Wochen auf Wiederhören. Am Mikrophon waren Armin Sandmann und Dagmar Keberlova.

Autoren: Dagmar Keberlova , Armin Sandmann
abspielen