Regionjournal

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Herzlich willkommen zu einer weiteren Ausgabe vom Regionaljournal. Der Kalender für das Jahr 2000 läuft demnächst ab und vielleicht machen Sie sich bereits Gedanken, liebe Hörerinnen und Hörer, was das Thema ihres nächsten Kalenders sein wird. Sollten Sie sich noch nicht entschieden haben, haben wir einen heißen Tipp für Sie bereit. Der Tschechischen Republik ist vor kurzem eine zehnte Eintragung in die UNESCO-Liste gelungen, auch darüber werden wir Sie ausführlich informieren. Das sind die Schlagzeilen unseres heutigen Regionalbesuchs, am Mikrophon sind mit Ihnen Olaf Barth und Dagmar Keberlova.

Auf die Kulturveranstaltungen außerhalb von Prag aufmerksam machen möchte der sieben Städte vereinende Verband "Die tschechische Inspiration". In seiner Werbung für die Schönheiten der Städte lässt der Verband nicht einmal zum Jahresende nach und bringt einen dreisprachigen Kalender heraus, in dem jede Stadt ihr bestes präsentiert. Um welche Städte und welche Veranstaltungen es sich dabei handelt, fasst Dagmar Bezchlebova von der Tschechischen Inspiration für Sie zusammen:

Dagmar Bezchlebova fügte für Sie, unsere Hörer in den deutschsprachigen Ländern noch an, dass Sie sich auch an das in Frankfurt, Berlin und Wien vertretene Reisebüro Cedok wenden können, das Reisen in diese Städte von ihrem Land aus organisiert. Zum Schluss gab uns Dagmar Bezchlebova noch ein paar Tipps, wo und wie man den Kalender bekommt:


Vielleicht haben wir Ihnen, verehrte Damen und Herren, mit diesem Kulturkalender noch eine Idee für ein hübsches Weihnachtsgeschenk geliefert. Nun begeben wir uns weiter in eine Stadt, die zwar nicht eine der Tschechischen Inspiration angehörende ist, aber trotzdem etwas einzigartiges anzubieten hat. Wir sprechen von der mittelmährischen Stadt Olomouc/Olmütz, deren Dreifaltigkeitssäule seit dem letzten Novembertag in der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes verzeichnet ist. Somit wird sie zum zehnten Kulturdenkmal auf dem Gebiet der Tschechischen Republik, das in diese prestigereiche Weltliste eingetragen wurde. Die Stadt Olomouc wollte ursprünglich versuchen, die Eintragung des ganzen historischen Stadtkerns in die UNESCO-Liste zu beantragen. Nach 6 Jahren hat es mit der wertvollen Barocksäule geklappt. Die Experten mussten begründen, warum die Olmützer Säule bedeutender als alle anderen europäischen barocken Pestsäulen ist. Kunsthistoriker Milan Togner, der die Unterlagen für die UNESCO ausarbeitete, begründet die Einzigartigkeit der Dreifaltigkeitssäule folgendermaßen:

"Im Fall der Dreifaltigkeitssäule haben wir damit argumentiert, dass zwar alle Hauptplätze mitteleuropäischer Städte über eine Pest- oder Dreifaltigkeitssäule verfügen, die Olmützer Säule jedoch in ihrer Kategorie zweifellos die größte, bedeutendste, am meisten verzierte ist. Des weiteren hat sie großartige architektonische Qualitäten. Die Dreifaltigkeitssäule vereint in sich aufgrund des Zeitpunkts ihrer Fertigstellung - in den 50er Jahren des 18. Jahrhunderts - die Hauptmerkmale der hundertjährigen Epoche - Mitte 17. bis Mitte 18. Jahrhundert - in denen diese Säulen gebaut wurden."

Die 35 Meter hohe Säule, die sich am Oberen Marktplatz befindet, ist in den Jahren 1716 bis 1754 entstanden. Die reiche plastische Ausschmückung der Säule wird durch eine kleine Kapelle ergänzt, die sich in der Säule verbirgt. Die Säule ist ein Werk Olmützer Steinmetze und wurde im Beisein der Kaiserin Maria Theresia geweiht. Trotz ihres beachtlichen Alters befindet sich die Säule in einem relativ guten Zustand, muss nichtsdestotrotz permanent in Stand gehalten werden, dazu noch einmal der Kunsthistoriker der Palackeho Universität in Olomouc Milan Togner:

"Die Säule ist ziemlich gut erhalten, auch wenn seit ihrer Erbauung bereits 250 Jahre verstrichen sind und sie zeichnet sich durch ein hohes Maß an Authentizität aus. Die Authentizität war eben auch einer der wichtigsten Aspekte bei der Bewertung der UNESCO Experten. Die Dreifaltigkeitssäule ist sowohl von architektonischer als auch bildhauerischer Seite sehr authentisch erhalten. Trotzdem muss sich ihrer Erhaltung jede Generation von Zeit zu Zeit widmen. Da sich die letzten hierum nicht sehr viel gekümmert haben, wird dieses und nächstes Jahr eine umfangreiche Renovierung vorgenommen, bei der auch die Metallteile abgenommen werden und die Säule komplex konserviert wird."

Die Renovierungsarbeiten sollen im August nächsten Jahres abgeschlossen werden, so Milan Togner. Der Bürgermeister von Olomouc, Milan Tesarik, freut sich über die Eintragung in die UNESCO- Liste des Weltkulturerbes und glaubt, dass diese die beste Einladung für Touristen darstellt.

In unserem letzten Beitrag wenden wir uns der jungen Generation und ihrer Vorstellungen zum Begriff "Region" zu. Anfang Dezember ist der regionale Zeichenwettbewerb "Die Region, in der ich leben will" mit einer Vernissage und Bewertung der besten Zeichnungen zu Ende gegangen. Inspirieren ließen sich die Organisatoren, das Regionale Europäische Informationszentrum im ostböhmischen Litomysl, von einem ähnlichen Wettbewerb, der im Rahmen der Kommunikationsstrategie seinerzeit in Portugal stattfand. Teilgenommen haben fünf Kreise Tschechiens, in denen Lehrer mit ihren 13jährigen Schülern z.B. über die Funktion und die Aufgaben der EU sowie über ihre Regionalpolitik debattiert haben, so die Mitautorin des Projektes Pavla Pechackova, die ein weiteres Ziel des Wettbewerbs anführt:

"Ein weiterer wichtiger Sinn des Wettbewerbs ist, dass sich Kinder nicht nur ihrer administrativen Zugehörigkeit zu einer Region bewusst werden, sondern dass sie aktiv an der Gestalt ihrer Region arbeiten. Kinder sollten sich mitverantwortlich für ihre Region fühlen."

Weiter haben die Kinder über ihre Eindrücke aus verschiedenen Regionen gesprochen und sie miteinander verglichen. Dann kam der eigentliche Teil des Wettbewerbs, bei dem die Kinder ihre Vorstellungen über ihre Region nach dem EU - Beitritt kreativ dargestellt haben. Über die beste Zeichnung sagte uns Pavla Pechackova:

"Das ausgezeichnete Bild zeigt ein Kind, das von mehreren Luftballons getragen durch ein großes Fenster nach Europa hinausfliegt. Verschiedene europäische Denkmäler sind abgebildet. Das Bild zeigt wahrscheinlich den Wunsch der Schülerin, dass ihre Region zu Europa gehört und dass sie überall frei hinfahren kann."

Die meisten Bilder zeigten eine idyllische Naturszene, deshalb glauben die Organisatoren, dass für die Kinder eine erhaltene Natur und Umwelt von großer Bedeutung sind. Nach einer Wanderausstellung, die alle partizipierenden Regionen besuchen wird, werden die Bilder auch auf dem EU-Informationsserver Euroskop zu sehen sein.

Autoren: Olaf Barth , Dagmar Keberlova
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