Rettung für schwächelnde Fluggesellschaft: Korean Air steigt bei ČSA ein

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Die Fluggesellschaft ČSA hat in den zurückliegenden Jahren eine Entschlackungskur gemacht. So wurde sie vorbereitet für den Heiratsmarkt in der darbenden Branche. Diese Woche wurde entschieden, dass der auserwählte Partner aus Korea kommt. Es ist die Korean Air, sie hatte das einzige verbindliche Angebot abgegeben - und erhielt am Mittwoch von der tschechischen Regierung den Zuschlag.

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In den vergangenen Jahren war das tschechische Staatsunternehmen ČSA in den Sinkflug gegangen. Man schrieb rote Zahlen - und eine Insolvenz konnte nur abgewendet werden, weil die Fluggesellschaft in eine Holding mit dem boomenden Prager Václav-Havel-Flughafen überführt wurde.

Nun verkauft Tschechien 44 Prozent der ČSA-Aktien. Für die Korean Air ist es ein Schnäppchen. Der Preis liegt bei 67 Millionen Kronen (2,68 Millionen Euro) - das ist ein Bruchteil dessen, was die Regierung in Prag noch vor zehn Jahren hätte verlangen können. Doch in der jetzigen Lage sei der Preis nicht das Wichtigste gewesen, betont Finanzminister Miroslav Kalousek:

Miroslav Kalousek (Foto: ČT24)
„Ich sag das völlig offen: Man muss sich nur in Mitteleuropa umschauen, wie viele Fluggesellschaften dort in den vergangenen Jahren pleite gegangen sind. Ich habe wirklich befürchtet, nun sei die ČSA an der Reihe. Anstatt des Kampfes um das blanke Überleben ist nun die Zukunft gesichert.“

Ein erster ernsthafter Versuch, das tschechische Unternehmen zu verkaufen, war 2009 gescheitert. Seitdem wurde die Flottille der ČSA auf 26 Maschinen reduziert, und auch die Beschäftigtenzahl wurde deutlich verringert. Rund 50 Firmen zeigten daher Interesse an einem Einstieg, aber nur zwei legten zumindest unverbindliche Angebote vor: Neben der Korean Air war dies noch die Qatar Airlines gewesen. Einzig die Koreaner meinten es indes ernst. Was bedeutet das nun für den Flugkunden?:

Foto: Archiv ČSA
„Der wichtigste Aspekt ist die Verbindung der kurzen und mittleren Flugdistanzen von ČSA mit den langen Strecken der Korean Air. Dieser Komfort kommt den Kunden zugute. Denn die langen Distanzen haben der tschechischen Fluggesellschaft genauso im Portfolio gefehlt, wie der Heimstätte der CSA, dem Prager Flughafen“, so Petr Kováč, Wirtschaftsanalytiker bei der Investmentfirma Patria Finance und auf den Bereich Flugwesen spezialisiert.

Miroslav Dvořák (Foto: ČT24)
Dies sieht auch Miroslav Dvořák so. Der Vorstandsvorsitzende der tschechischen Aeroholding, zu der ČSA gehört, ergänzt:

„Für die Kunden aus Tschechien bedeutet das ein attraktiveres Angebot an Flugzielen in Asien, besonders in Südostasien. Eine ganze Reihe von Zielen, die bisher von der Korean Air bedient werden, öffnet sich nun auch für ČSA. Ab dem Sommer bieten wir zudem mit einem eigenen Flugzeug einen Direktflug nach Seoul, daran schließen sich weitere Ziele in Japan, auf den Philippinnen und in anderen Nachbarländern von Korea an.“

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Für die Koreaner bedeutet die Akquisition, ihre Stellung auf dem Weltmarkt zu stärken. Laut einem Bericht der Financial Times will die ostasiatische Fluggesellschaft bis Ende dieses Jahrzehnts in die weltweiten Top Ten bei den Passagierzahlen gelangen. Deswegen hat sie auch Interesse daran, den Rest der ČSA-Aktien zu erwerben. Doch europäische Vorschriften erlauben dies bisher nur unter dem Verlust bestimmter Vorteile. Tschechien will daher noch abwarten – und räumt der Korean Air einstweilen ein Vorkaufsrecht für den restlichen Staatsanteil ein.

Autor: Till Janzer
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