Russland wird Teil der Schulden zurückzahlen

Russische Flagge

Die Zeit des Wartens soll nun ein Ende haben. Nach einem langjährigem Geduldsspiel und unzähligen Verhandlungen über die Art und Weise sowie die Höhe der Schuldrückzahlungen Russlands an Tschechien kamen der tschechische Premier Milos Zeman und sein russisches Pendant Michail Kasjanov am Mittwoch in Petersburg zu einem Ergebnis. Olaf Barth nennt weitere Details.

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Die beiden Premiers einigten sich auf einen Entschuldungsvertrag, der nun fix und fertig zur Unterschrift bereit liege und den die Regierungsführer jeder Zeit mit ihrem Namenszug versehen könnten, hieß es aus Regierungskreisen. Milos Zeman zeigte sich zuversichtlich, dass die Angelegenheit nun in trockenen Tüchern sei:

"Ich glaube, dass alles klar gehen wird, denn Herr Kasjanov ist der ehemalige Finanzminister. Er beschäftigte sich in seinem damaligen Tätigkeitsfeld auch mit der Frage der Auslandsschulden. Es war also eine Verhandlung auf Expertenebene und solche Dinge haben immer eine größere Aussicht auf Erfolg als Verhandlungen auf Laienebene."

Die russischen Schulden, die noch aus der Zeit des kommunistischen Regimes stammen, beziffern sich auf rund 3,7 Milliarden US-Dollar. Der ausgearbeitete Vertrag bezieht sich aber nur auf etwa zwei Drittel dieses Betrages - nämlich 2,5 Milliarden Dollar. Eine Obligation auf diesen Betrag hält allerdings die - laut Wirtschaftsexperten etwas undurchsichtige - in Prag eingetragene Firma Falkon Capital. Gemäß Vereinbarung wird diese dem tschechischen Staat dafür insgesamt 575 Millionen Dollar zahlen - etwa 23 Milliarden Kronen. Innerhalb der ersten fünfzehn Kalendertage nach Unterschrift des Entschuldungsvertrages wird die erste Rate in Höhe von 17 Milliarden Kronen (ca. eine Milliarde DM) fällig. Die restlichen 6 Milliarden Kronen - rund 400 Millionen Mark - sollen bis Ende 2004 gezahlt werden.

Insgesamt hat Falkon die tschechischen Forderungen gegenüber Russland also für etwa 23% ihres Gesamtwertes gekauft. In Anbetracht der Tatsache, dass russische Schulden auf dem Weltmarkt derzeit mit nur 15% ihres Wertes gehandelt würden, sei dies ein gutes Ergebnis, beurteilte der Chefökonom der Kommerzbank, Kamil Janacek.

In Expertenkreisen vermutet man, dass Russland nur deshalb bereit sei, seine Schulden zu bezahlen, um vom Internationalen Währungsfonds weitere Kredite erhalten zu können.

Autor: Olaf Barth
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