Samtene Revolution oder Kleider machen Leute

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Im folgenden Beitrag verehrte Hörerinnen und Hörer, wollen wir einem Phänomen nachgehen, dass man tagtäglich auf der Strasse mehr oder weniger voyeuristisch, genüsslich oder angeekelt begutachten, betrachten, registrieren kann. Samtene Revolution - oder Kleider machen Leute. Durch die Sendung führt Sie, Marcela Pozarek.

In der Freitagsausgabe der Tageszeitung Lidove noviny konnten die tschechischen Bürger erfahren, was sich alles im sozio-kulturellen Verhalten seit der legendären "Samtenen Revolution" verändert hat : man isst, abgesehen von traditionellen böhmischen Knödeln auch schon mal eine Languste, leistet sich exklusive Badeferien in der Karabik, fährt einen prächtigen Schlitten und kleidet sich auch gern in teures Tuch : von Versace über Louis Vuitton bis zu Hermes gibt es heute, nota bene in Prag alles zu kaufen. Und so titelte Lidove noviny bezeichnend: "Vom Kunststoffhemd zu Hugo Boss".

Kleider machen Leute und die haben sich, wie das politische Klima nach der hiesigen Wende, wenn auch nicht radikal, so doch geändert.

Was trägt also die elegante, urbane tschechische Frau ?

Dazu ein paar Impressionen von Uthild Schütze - Nöhmke vom Goethe - Institut in Prag...

Ein Experte auf dem Feld der Mode ist Drahomira Brezinova, die in Prag, aber auch in Wien und Paris schon mehrere Ausstellungen über innovative Mode Made in CZ gemacht hat...

Wie hat sich die Mode ihrer Meinung nach verändert ?

"Auf der Strasse hat sich das dadurch manifestiert, dass plötzlich wahnsinnig viele Sache auftauchten, ein grosse Auswahl. Andererseits glaube ich, dass es gerade bei der Jugend sehr uniform geworden ist. Früher gab es wenige Möglichkeiten etwas zu kaufen, so das die geschickten tschechischen Frauen nach Schnittmodellen von Burda sehr kreativ selber nähten.

Früher legte man auch speziellen Wert auf bestimmte Anlässe. Hingegen heute ist die Eleganz völlig verschwunden, heute ist alles unformal und mich stört es extrem, wenn ich ins Nationaltheater komme und dort sind die Menschen schlecht angezogen. Touristen müssen wirklich nicht gleich mit der Sportjacke und einem Rucksack das Theater stürmen...

Tschechische Frauen lieben blondes Haar und wollen Männern anscheinend damit irgendwie gefallen.

Über stilose Kleidung und ein ungepflegtes Erscheinungsgbild, darüber weiss auch die Modeexpertin Breziova ein Liedchen singen...

"Das quält mich richtiggehende. Als ich letztes Jahr eine Ausstellung in Paris machte, im Tschechischen Zentrum in der rue Bonaparte war ich fasziniert, wie die Französinnen aussahen. Alle waren sehr gepflegt, sie waren geschminkt ohne angemalt zu wirken, sehr dezent , so wie es sein soll, damit man gut aussieht, ohne dass man sieht, wie da zwei Stunden gearbeitet wurde. Sie hatten einen sehr guten Haarschnitt ohne schlecht gefärbt zu sein. Alle hatten perfekte Röcke, keine Minis, versteht sich. Bei uns wollen immer alle alles nachholen, weil wir eine kleine Nation sind und lange überhaupt nichts machen durften..."

Lange gar nichts gemacht mit ihrem Erscheinungbild haben übrigens besonders die tschechischen Männer - attraktiv findet sie Uthild Schütz-Nöhmke nicht gerade...

Liebe Hörerinnen und Hörer, wenn Sie das nächste Mal in Prag sind, achten Sie doch auf das Modebewusstsein der Tschechen, vielleicht gefällt es Ihnen ja.

Autor: Marcela Pozarek
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