„Es gibt viel zu feiern“: In Tschechien wird "Tag des Kampfes für Freiheit und Demokratie" begangen

Das Zentrum der Feierlichkeiten ist die Nationalstraße in Prag.

Die Tschechische Republik begeht den „Tag des Kampfes für Freiheit und Demokratie“ und den „Weltstudententag“. Am Staatsfeiertag, den 17. November, erinnert man an das Vorgehen der deutschen Nationalsozialisten gegen tschechische Studenten i1939 und an die Niederschlagung einer Studentendemonstration durch Sicherheitskräfte 1989, die zur Samtenen Revolution und zum Fall des Kommunismus in der Tschechoslowakei führten. Vertreter von Universitäten und Politik sprachen in ihren Reden von den Ereignissen. Der Tag wird von Gedenkveranstaltungen in ganz Tschechien begleitet.

Das Zentrum der Feierlichkeiten ist die Nationalstraße in Prag (Národní třída). Sie wurde in den Korso Národní verwandelt, auf mehreren Bühnen wird dort ein mannigfaltiges Programm angeboten. Im Mittelpunkt der Gedenkveranstaltungen steht die 17. November-Gedenktafel, an der Passanten Blumen oder Kerzen niederlegen können. Seit den frühen Morgenstunden kamen auch viele Spitzenpolitiker dorthin.

Petr Pavel | Foto: Roman Vondrouš,  ČTK

Präsident Petr Pavel nahm zum ersten Mal in seinem Amt als Staatsoberhaupt an den Feierlichkeiten teil und legte einen Kranz nieder. In einem Interview mit dem Tschechischen Fernsehen betonte er, wie wichtig es sei, den Feiertag zu begehen: „Denn in diesen mehr als 30 Jahren haben wir einen großen Sprung nach vorn gemacht, und ich denke, es gibt viel zu feiern.“ Er verwies aber auch darauf, dass die Demokratie nicht ewig halte, und forderte die Bürger dazu auf, etwas für die Freiheit und das Leben in einem sicheren Land zu tun. Premier Petr Fiala (Bürgerdemokraten) konnte aus Krankheitsgründen nicht an den Feierlichkeiten zum 17. November teilnehmen. Er schrieb im Netzwerk X, dass die Samtene Revolution sein Leben verändert habe, aber auch ein entscheidender Wendepunkt in der Geschichte gewesen sei, der die Gegenwart noch immer beeinflusse. Fiala unterstrich, dass Freiheit und Demokratie in täglichen Kämpfen erhalten und bekräftigt werden müssten: „Eine Demokratie ist nur so stark wie ihre Bürger. Wie sehr sie Demokraten sind, wie sehr sie in Freiheit leben wollen“.

Eva Zažímalová | Foto: Vít Šimánek,  ČTK

Das wichtigste Gedenken an die Ereignisse des Jahres 1939 in Prag ist traditionell eine Feier vor dem Hlávka-Studentenwohnheim im Stadtzentrum. Es ist eines der Wohnheime, in denen die Nationalsozialisten nach der Schließung der tschechischen Universitäten am 17. November 1939 Studenten verhafteten und in das KZ Sachsenhausen schickten. Man gedenke eines der dunkelsten Kapitel, aber auch eines der hellsten Momente unserer Geschichte, sagte Eva Zažímalová, Präsidentin der tschechischen Akademie der Wissenschaften, in ihrer Rede. Das Jahr 1939 habe enorme Schrecken der Nazi-Macht gebracht, ein breites Spektrum an verschiedenen Formen der Unterdrückung und enorme menschliche Erniedrigung, aber auch unermessliche Zivilcourage und Solidarität, auch in der internationalen Dimension“, führte sie an.

Die Protestkundgebung gegen die Regierung auf dem Altstädter Ring in Prag | Foto: Jaroslav Svoboda,  ČTK

Gedenkveranstaltungen und Kulturprogramme fanden an vielen Orten in Tschechien statt. Für den Staatsfeiertag wurden auch einige Protestkundgebungen angekündigt. Mehrere Hundert Studenten nahmen an Protestmarschen in Prag und in Brno / Brünn teil, in denen ein dreitätiger Klimastreik der Universitäten seinen Höhepunkt erreichte. Etwa 150 Menschen versammelten sich zu einer Protestkundgebung gegen die Regierung auf dem Altstädter Ring in Prag.

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