Samtene Revolution: Jubiläumsfeiern im Schatten der Proteste gegen Zeman

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Gedenkfeiern, Treffen der Staatsoberhäupter, Konzerte – aber auch massive Proteste. Am Montag wurde in Tschechien des 25. Jahrestags der Samtenen Revolution 1989 gedacht. Landesweit gab es Feierlichkeiten, die allerdings von massiven Protesten gegen Präsident Miloš Zeman überschattet wurden.

Bohuslav Sobotka (Foto: ČT24)
Vom frühen Morgen bis zu späten Abendstunden kamen Politiker und Bürger in die National-Straße in Prag, um dort der Ereignisse vor einem Vierteljahrhundert zu gedenken. Als einer der ersten Politiker legte Premier Bohuslav Sobotka Blumen an dem Ort nieder, an dem die Studentenproteste vor 25 Jahren gewalttätig beendet wurden. Gegenüber dem Tschechischen Fernsehen sagte er anlässlich des Jubiläums:

„Die kommunistischen Regime waren damals zwar schwach und sie brachen überall zusammen, in der Tschechoslowakei wartete man aber noch auf eine Reaktion der Menschen. Wenn die nicht auf die Straßen gegangen wären, wenn es keine Demonstrationen und Proteste gegeben hätte, hätte der kommunistische Totalitarismus vielleicht noch länger gedauert – um mehrere Monate oder sogar mehrere Jahre. Damals war der Mut, das persönliche Engagement besonders wichtig. Und heute ist es – meiner Meinung nach – genauso. Die Menschen sollen sich darum kümmern, was in ihrer Gemeinde, in ihrer Stadt, in ihrem Land geschieht.“

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Wiederholt wurde bei den Gedenkveranstaltungen auch des ersten Nachwendepräsidenten Václav Havel gedacht und sein Name skandiert. In einem anderen Zusammenhang erklang der Name des jetzigen Staatsoberhauptes, Miloš Zeman. Proteste gegen seine Standpunkte und Äußerungen überschatteten die Feierlichkeiten. Zunächst trafen sich mehrere tausend Demonstranten auf der Nationalstraße, um dem Staatspräsidenten als Zeichen ihres Protests die symbolische „rote Karte“ zu zeigen. Zemans Äußerungen zur Studentendemonstration vom 17. November 1989 hatten am Samstag scharfe Kritik hervorgerufen. Der Präsident hatte die Demonstration als eine von vielen Kundgebungen bezeichnet, und behauptet, dass die Sicherheitskräfte damals nicht härter als sonst vorgegangen seien. Zuvor hatte Zeman unter anderem mit einer umstrittenen Reise nach China sowie vulgären Äußerungen in einem Rundfunk-Interview für Unmut gesorgt.

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Protestrufe dominierten auch die Versammlung im Prager Stadtteil Albertov. Dort hatte am 17. November 1989 die Studentendemonstration begonnen. Nun kamen Staatsoberhäupter der Visegrad-Staaten und Deutschlands dort zusammen, um gemeinsam eine Gedenktafel zu enthüllen. Präsident Zeman wurde dabei ausgepfiffen und beschimpft. „Zeman, tritt zurück“, „Wir wollen Zeman nicht“ und „Miloš in den Müll“, riefen die Demonstranten. Zeman konterte, er habe keine Angst, genauso wenig wie vor 25 Jahren:

Joachim Gauck (Foto: ČTK)
„Ich weiß nicht, wer von euch damals an der Protestdemonstration in der Nationalstraße teilgenommen hat. Ich schon. Es ist feige von denjenigen, die nicht dort waren, nun zu kommen und Eier zu werfen.“

Weil die Teilnehmer der Demonstration Zeman mit verschiedenen Gegenständen bewarfen, mussten Personenschützer während der Veranstaltung Schirme aufspannen. Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck wurde von einer Eierschale getroffen, wofür sich Zeman bei seinem Amtskollegen entschuldigte. Lediglich während der Reden der ausländischen Staatsgäste beruhigte sich die Menge.