Schuljahrsbeginn in Tschechien - viele Schulen bleiben geschlossen

Zum ersten Mal in der Schulbank (Foto: CTK)

In Tschechien hat am Montag das Schuljahr begonnen. Für etwa anderthalb Millionen Schüler sind die Ferien zu Ende. 99 Tausend von ihnen setzen sich überhaupt zum ersten Mal in die Schulbank. Trotzdem ist der diesjährige Schuljahrsbeginn nicht wie jeder andere. Markéta Maurová berichtet.

Zum ersten Mal in der Schulbank (Foto: CTK)
Nicht alle Kinder in Tschechien konnten am 2. September 2002 ihre Schultasche packen und sich zur Schule begeben. Etwa 300 Schulen blieben in Folge der Hochwasserkatastrophe geschlossen. Auf diese Tatsache verwies auch Schulministerin Petra Buzkova in ihrer Ansprache an Kinder und Lehrer am ersten Schultag: "Es gibt Dutzende oder eher Hunderte Schulen, in denen heute kein Unterricht beginnt. Es gibt auch Schulen, in denen er nie mehr beginnt. Und dann gibt es Schulen, in denen bis heute diejenigen wohnen, die ihr Obdach verloren haben. Trotzdem ist es sehr wichtig, dass in der überwiegenden Mehrheit der Schulen der Unterricht heute beginnt, dass wir den Ausnahmezustand nicht mehr verlängern, als es unbedingt nötig ist. Denn es erwartet uns nun ein langer Weg zum normalen Leben. Dieser Weg wird nicht einfach sein, und es wird sehr wichtig sein, dass die einzige gute Welle, die mit dem diesjährigen Hochwasser kam, uns dabei möglichst lange bleibt: die Welle der menschlichen Zusammengehörigkeit."

Um zwei Wochen längere Ferien haben auch Kinder, die Schulen im Prager Stadtzentrum besuchen. Mehr habe ich von der Direktorin einer Schule in der Nähe des Nationaltheaters, Vera Perlínová, erfahren:

Ihre Schule ist eine der Schulen, in denen die Ferien verlängert werden. Die Schule in der Mikulandská Straße liegt in der Nähe der Moldau ... waren Sie vom Hochwasser irgendwie betroffen?

Vor der vom Hochwasser Betroffenen Schule im Prager Karlin
"Gott sei Dank nicht, wir sind absolut in Ordnung. Was aber total zerstört ist, das sind fast alle Verkehrslinien. Mit dem Verkehr ist es sehr schwer, und wir sind eine Schule mit erweitertem Sprachunterricht und unsere Kinder kommen deshalb aus ganz Prag. Und mit dem Verkehr ist es im Moment so schwer, dass wir froh sind, dass alle Schulen im Stadtzentrum erst am 16. September mit dem Unterricht anfangen können. Die Gemeinde Prag 1 hat in Zusammenarbeit mit uns ein Programm für die Kinder vorbereitet. Die Kinder fahren in sog. Schullandheime, also sie sind in Riesen- oder im Isergebirge und haben dort ein Programm."

Handelt es sich um Unterrichtsprogramm?

"Nein, nein. Ich sage Ihnen, warum kein Unterrichtsprogramm. Die Kinder sind nicht aus einer Klasse, sondern aus der ganzen Schule. Es gibt fünf Kinder aus der siebten Klasse, drei Kinder aus der neunten usw. Und außerdem hatten nicht alle Kinder Interesse. Viele Familien lassen sie einfach zu Hause oder bei der Oma usw. Also für alle Kinder ist ein Erholungsprogramm vorbereitet, nur Kinder aus der letzten, der neunten Klasse haben ein Programm mit intensiver Wiederholung in Mathematik und in der Muttersprache."

Damit sie sich auf Aufnahmsprüfungen vorbereiten können...

"Genau. Die Prüfungen finden im April statt."

Wie viele Kinder sind an dem Aufenthalt auf dem Lande interessiert?

"Nicht so viele, sagen wir gegen 30 Prozent."

Soweit Vera Perlínová, Direktorin der Grundschule in der Mikulandská Straße im ersten Prager Stadtbezirk.