Schwer verletzte Ukrainer werden in Prag behandelt

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Die Unruhen, zu denen es unlängst in Kiew und anderswo in der Ukraine gekommen ist, haben dem Schwarzmeerland auch viel Leid beschert. Die Tschechische Republik hat den Ukrainern, die von den Folgen der gewaltsamen Auseinandersetzungen direkt betroffen wurden, in den vergangenen Tagen vor allem mit Hilfssendungen geholfen. Nun wurde die Hilfe noch ausgeweitet. Am Donnerstagabend wurden 27 schwer verletzte Ukrainer zur Behandlung nach Prag ausgeflogen.

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Auf dem Prager Flughafen Kbely warteten am Donnerstagabend 18 Krankenwagen auf die Patienten aus der Ukraine. Mit zwei Militärflugzeugen wurden 27 Menschen nach Prag gebracht, die bei den Demonstrationen in Kiew schwer verletzt wurden. Zwei Patienten wurden sofort mit dem Hubschrauber in das Militärkrankenhaus geflogen. Neben dieser Klinik wurden die Verletzten in die Allgemeine Uni-Klinik auf dem Prager Karlsplatz und in die Uni-Klinik im Stadtteil Motol eingeliefert. Alle Ukrainer haben schwere Verletzungen davongetragen: Schusswunden, komplizierte Frakturen, Augenverletzungen oder Verbrennungen. Der jüngste Patient ist 17 Jahre alt. Die Ukrainer wurden in ihrer Heimat von einem Team der tschechischen Hilfsorganisation „Mensch in Not“ auf den Transport nach Prag vorbereitet. Ivo Dokoupil leitet das Team:

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„Wir sind am vergangenen Freitag in der Ukraine angekommen, kurz nachdem die Gewaltaktionen beendet waren. In der chaotischen Situation, die dort herrscht, haben wir uns bemüht, Verletzte zu finden, die für ihre Behandlung in Tschechien auch transportfähig waren. Es war sehr schwer, weil nichts funktioniert hat. Es gab keinerlei Listen von Verletzten, die Hilfe brauchten. Zudem haben immer noch viele der verletzten Demonstranten Angst, von der Polizei verhaftet zu werden. Darum haben sich mehrere von ihnen in den Wohnungen von Freiwilligen oder anderswo versteckt. Die Liste der Patienten, die nach Prag ausgeflogen wurden, stand erst kurz vor der Abreise fest. Einige haben es sich anders überlegt, andere wollten sich der Gruppe anschließen. Die Situation hat sich sehr dynamisch entwickelt.“

Ivo Dokoupil (Foto: Alžběta Švarcová, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Das Team von Ivo Dokoupil nutzte das soziale Netz im Internet, die Tagespresse, das Fernsehen und den Rundfunk, um Leute ausfindig zu machen, für die das Angebot der medizinischen Behandlung in Tschechien in Frage kam.

„Wir erhielten beispielsweise eine Nachricht von Ukrainern, die in Kanada leben, dass ihr Verwandter schwer verletzt wurde und sich irgendwo in einer Wohnung versteckt hat. Wir haben ihn gefunden und in die Liste der Patienten aufgenommen.“

In den tschechischen Kliniken wurden die verletzten Ukrainer inzwischen untersucht. Sie warten jetzt auf die erforderlichen Operationen oder ihre weitere Behandlung. Die Patienten sind alle ohne Anamnese oder andere Befunde von Ärzten nach Prag gekommen. Ivo Dokoupil:

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„Das ukrainische Gesundheitswesen ist in einem katastrophalen Zustand. Es mangelt dort an finanziellen Mitteln. Es sieht so aus wie bei uns vor mehr als 30 Jahren. Das Leben der Patienten hat sich nach den schweren Verletzungen radikal verändert. Sie leiden wirklich sehr. Darum bemühen wir uns, ihnen zu helfen. Das tschechische Gesundheitswesen hat das Niveau, um die Leiden der Ukrainer auch lindern zu können.“

Vor dem Flug nach Prag standen Dokoupil zufolge etwa 60 Namen auf der Liste der Schwerverletzten, die man zur Behandlung nach Tschechien hätte transportieren können. Er habe, so Dokoupil, die Information darüber, dass Anfang nächster Woche die tschechische Regierung ein weiteres Flugzeug zur Abholung von Patienten in die Ukraine entsenden könnte. Das tschechische Kabinett stellte im Rahmen des Programms Medevac vorläufig zehn Millionen Kronen (400.000 Euro) für die Behandlung der ukrainischen Patienten zur Verfügung.