Schweyk it easy (Musicalpremiere in Berlin)

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Schweyk it easy - so der Titel eines Musicals, das am vergangenen Samstag am Theater des Westens Berlin seine Premiere hatte. Mehr dazu im folgenden Telefonbericht von unserem freien Mitarbeiter Julius Eschka:

ALSO HAT MAN UNS DEN SCHWEJK ERSCHLAGEN ... welchen? Wir kennen mehrere? Na, den originalen, den aus der Literatur, mag mancher erschrocken sein beim flott-frechen Titel SCHWEYK IT EASY, dem frischen Musical von Konstantin Wecker, das am Samstag im Theater des Westens in Berlin Premiere hatte. Ein Schweik, der IN sein muß. Spricht auch etwas Englisch, singt auch und fast bangt man eine Vereinnahmung durch das Schnulzenkartell. Sie verhindert die neue Form des Anarchie-Virus mit der phonstarken Einmahnung DAS LEBEN IST ZUM LEBEN DA: Turbo-Humanismus in Superschall.

Schwejk Peter Fröhlich kann auf psychologisierende Ansätze zu einer Deutung der staatlich beglaubigten Idiotie verzichten.

Elmar Ottenthal, der Regisseur, lässt ihn schlicht tummeln, einfach da sein im sphärischen Kaleidoskop zwischen Rilke, Kafka, Bukowski und der umwerfend saftigen Wirtin Dienstbier von Sissy Standinger zwischen Aninka und natürlich Bretschneider, roboterhaft wie die Menschenpuppen der Straßenartisten, ohne Lidschlag. Zwischen vehement und exakt agierenden weißen Plastikfiguren, nach der Pause in Schwarz.

Sichtbar aus der Versenkung geholt, erscheint der Schwejk als einziges biologisches Exemplar wie ein exotisches Insekt, eine Megahummel. Ob der heftige Beifall und die paar Buhs Konstantin Wecker und der Tradition seiner Phon-Dröhung galten, oder dem Schwejk, ob sich das 10-Millionenspiel rechnet ... Wir werden sehen.

Die Zielgruppen sind ausgespäht und bedient. Was Hasek wohl prognostiziert hätte? Vermutlich: Melde gehorsam - dass bitteschön ja! Muss nicht immer Jesus Christus Superstar sein ...

Autor: Julius Eschka
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