Siemens-Tochter erwirbt Schienenfahrzeugbauer CKD Dopravní systémy

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Was lange währt, wird gut, heißt es. Im Falle des tschechischen Schienenfahrzeugherstellers CKD Dopravní systémy, der monatelang am Boden lag in der Agonie des Konkursverfahrens, scheint sich dieses Sprichwort wieder einmal zu bestätigen. Denn wie der Konkursverwalter Petr Dostál am Montag in der Prager Tageszeitung "Hospodárské noviny" zitiert wird, steht dem Abschluss eines Vertrages zum Aufkauf der Konkursmasse des Unternehmens durch den deutschen Großkonzern Siemens so gut wie nichts mehr im Wege. Wie diese Entscheidung das Marktsegment Schienenfahrzeugbau in Tschechien nicht nur beeinflussen, sondern womöglich neu strukturieren wird, dazu mehr von Lothar Martin.

"Der definitive Vertrag sollte bis spätestens zum 31. August dieses Jahres unterzeichnet werden, es gibt nur noch einige Details zu klären," so charakterisiert Konkursverwalter Dostál den aktuellen Verhandlungsstand. Und Pavel Kafka, der Chef der tschechischen Siemens-Niederlassung in Prag, ließ über die "Hospodárské noviny" bereits verkünden: "Wir begrüßen das Unternehmen Dopravní systémy in der Siemens-Familie." Laut Kafka wird die tschechische Siemens-Tochter ihren Umsatz in den nächsten fünf Jahren auf jährlich nahezu 2,5 Milliarden Kronen steigern, was mehr als das Zwanzigfache des Erlöses ist, mit dem die Firma 1999 schrittweise in die Konkursverhandlungen beim Unternehmen CKD Dopravní systémy einstieg.

Kaum ist diese Entscheidung gefallen, da machen sich auch schon Wirtschaftsexperten und die Vertreter der möglichen Konkurrenzfirmen Gedanken darüber, ob und inwieweit der tschechische Markt im Schienenfahrzeugbau nun neu strukturiert werde. Tomas Kanka von Global Brokers sieht nämlich durch die Fusion für alle anderen tschechischen Schienenfahrzeughersteller unangenehme Konkurrenz heranwachsen. Der Sprecher der Skoda-Holding Karel Samec wehrt jedoch die Behauptung ab mit dem Hinweis darauf, dass der Vertreter der Holding auf diesem Markt, die Skoda Dopravní technika (SDT) eine stabile und Gewinn abwerfende Firma darstelle, die gerade auf den russischen Markt zurückgekehrt ist und einen Milliardenkontrakt zur Rekonstruktion von Lokomotiven abgeschlossen habe. Siemens-Tochter-Chef Kafka wiederum ließ verlauten, dass jeder mit der Konkurrenz durch sein größer werdendes Unternehmen zu rechnen habe.

Unser Wirtschaftsexperte Rudi Hermann wiederum beurteilt die neu entstehende Situation auf dem hiesigen Markt wie folgt: "Wie sich der Markt entwickeln wird, das kann man im Moment noch schwer abschätzen. Auf jeden Fall ist zu begrüßen, dass Siemens den Einstieg geschafft hat bei CKD Dopravní systémy. Die Firma hatte ja längerfristig große Schwierigkeiten und ihr Zusammenbruch wäre ganz gewiss ein Verlust gewesen für die tschechische Industrie. Wie das Beispiel Skoda Auto und VW gezeigt hat, ist ein starker ausländischer Investor in einem tschechischen Industriebetrieb meistens gleichbedeutend mit einem Gewinn. Und wenn das im Falle von Siemens so sein wird, dann wäre das nur zu begrüßen. Wenn den anderen Spielern auf diesem Markt, zum Beispiel Skoda Plzen mit ihrer Schienenfahrzeugdivision, dabei Konkurrenz erwächst, dann hilft das dem Markt. Und ob Siemens dann wirklich zum dominierenden Spieler wird auf dem tschechischen Markt, das bleibt abzuwarten."