Sportreport

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Ahoi und herzlich willkommen zum Sportreport von Radio Prag. Am Mikrofon begrüßen Sie Dagmar Keberlová und Lothar Martin.

Nur noch wenige Stunden, dann beginnt nach den Olympischen Winterspielen von Salt Lake City das zweite große Sportereignis des Jahres: die Fußball-Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea. Die Tschechische Republik konnte sich ja leider nicht für das Endrundenturnier qualifizieren. Um so höher ist der Erfolg der Nachwuchskicker bei der U-21-EM in der Schweiz, über den wir gerade berichtet haben, einzustufen, auch wenn er, gelinde gesagt, aus tschechischer Sicht nur ein schwacher Trost dafür ist, beim nur alle vier Jahre stattfindenden Fußballgipfel nur Zaungast sein zu können.

Kein Zaungast, sondern seit Jahren Weltspitze sind die tschechischen Eishockeyspieler. Doch in der gerade zu Ende gegangenen Saison gingen sie nach langanhaltender Siegesserie zum ersten Mal seit vier Jahren leer aus, belegten sowohl bei den Olympischen Spielen als auch bei der WM in Schweden nur den medaillenlosen 5. Platz. Das schon etwas ungewohnt dürftige Abschneiden der tschechischen Cracks bei den Saisonhöhepunkten hat schließlich zu einem Trainerwechsel geführt. Wir wollen Ihnen daher heute den neuen Chefcoach der tschechischen Eishockey-Nationalmannschaft kurz vorstellen.

Im zweiten Teil der Sendung aber wollen wir uns einmal etwas ausführlicher mit einem anderen sportlichen Thema befassen, nämlich: Was wird in Tschechien hinsichtlich der Sport- und Freizeitförderung für die Heranwachsenden, also die Kinder und Jugendlichen getan? Wenn Sie es erfahren wollen, dann bleiben Sie doch einfach auf Empfang!


Josef Augusta hat die tschechische Eishockeyauswahl in den Jahren 2000 und 2001 zweimal hintereinander als Chefcoach zum Weltmeistertitel geführt. Doch wie schnell die Siege von gestern in unserer leistungs- und erfolgsorientierten Gesellschaft nichts mehr zählen, das musste auch er erfahren. Sowohl in Salt Lake City als auch in Schweden blieben die tschechischen Cracks vor allem vom Ergebnis her hinter den Erwartungen zurück. In den Vereinigten Staaten konnten sie zwar spielerisch überzeugen, doch ein fünfter Rang ist halt zu wenig für ein Land, das mit über 70 Spielern den höchsten Ausländeranteil in der nordamerikanischen NHL besitzt und welches in der Weltspitze des Eishockeys in den letzten Jahren so klar tonangebend war wie kein zweites. Deshalb musste Augusta seinen Hut nehmen, zumal ihm vorgeworfen wurde, zu unflexibel zu sein in seinem Coaching und auf plötzlich eintretende Spielsituationen nicht entsprechend reagiert zu haben.

Am Montag wurde nun unter vier Kandidaten vom Vorstand des Tschechischen Eishockeyverbandes ein neuer Chefcoach für die Vertragszeit von zwei Jahren bestimmt. Und die geheime Abstimmung in diesem elfköpfigen Gremium fiel bei der Stichwahl unter den beiden heißesten Anwärtern nur denkbar knapp aus: mit 6:5 Stimmen setzte sich der smarte Slavomír Lener gegen den Trainerfuchs Alois Hadamczik durch, der den HC Vítkovice in der letzten Saison zur tschechischen Vizemeisterschaft geführt hat. Doch auch Lener, obwohl in seiner aktiven Zeit kein großer Spieler, kann über einige Meriten verweisen. Lener war als Assistenzcoach sowohl beim WM-Titel 1996 in Wien als auch beim Olympiasieg 1998 in Nagano unmittelbar beteiligt. Er gilt als ein Trainer mit modernen Ansichten und als sehr medienfreundlich, wobei ihm seine guten Sprachkenntnisse zugute kommen. Insbesondere seine englisch-amerikanischen, die er sich als mehrjähriger Co-Trainer bei den Calgary Flames und den Florida Panthers in der NHL erworben hat. Zuletzt arbeitete der 47jährige als Scout für die US-Südstaatler.

Lener hat klare Vorstellungen, wie er Tschechien in die Erfolgsspur zurückführen kann, er weiß aber auch: "Erfolg lässt sich nicht planen oder gar im voraus anordnen. Aber was man machen kann ist, alle Bedingungen dafür zu schaffen, dass man ihn mit großer Wahrscheinlichkeit erzielen kann. Ich weiß, dass mindestens sechs weitere Teams die gleichen Anstrengungen unternehmen wie wir und so ist der Gewinn einer Medaille für uns stets schon ein Erfolg."

Inwieweit Lener seine Vorstellungen umsetzen kann, das werden wir ab kommenden Winter verfolgen.


Vor gut einem Monat ist in Prag-Prosek, einem dichtbesiedelten Plattenbauviertel der Moldaustadt, ein neues Sport- und Freizeitareal für die jungen Bewohner der Siedlung eingeweiht worden. Eine tolle Anlage, die nahezu alles aufweist, was das Kinderherz erfreut: ein Mehrzweckspielfeld für Ballsportarten, zwei Tennisplätze nebst einer Trainingswand, drei festinstallierte Tischtennisplatten, ein Laufoval, eine Minigolfanlage, ein alpines Klettergerüst, eine Skateboardrampe und noch einiges mehr. Sämtliche Bodenbeläge sind mit widerstandfähigen Kunststoffen versehen, so dass die Anlage bei entsprechender Wartung und Pflege eine lange Nutz- und Haltbarkeitsdauer besitzt.

Dies bestätigte Radio Prag gegenüber auch der Schöpfer der Sport- und Freizeitstätte, der Direktor der Firma SPORTtechnik BOHEMIA Milan Vopicka. Es ist bei weitem nicht die einzige Anlage dieser Art, die er und seine Firma in Tschechien bereits errichtet haben, dennoch misst Vopicka jeder von ihnen eine nicht zu unterschätzende Bedeutung bei: "Nun, die Bedeutung dieses Sportareals sehe ich als ehemaliger Eishockey- und Tennisspieler darin, dass wir die Kinder von den Drogen und den anderen unseligen Einflüssen unserer heutigen Zivilisation besser fernhalten können. Sie kommen auf ein Freizeitgelände, wo sie sich von morgens bis abends austoben und mehrere Sportarten betreiben können. Damit verhelfen wir Ihnen zu einer sinnvollen Freizeitgestaltung, was heutzutage ein weltweites Problem ist. Auf dem Boden des Parlaments setze ich mich schon seit sieben Jahren für solche Freizeitmöglichkeiten ein, und ich kann zufrieden feststellen, dass heute Leute an der Macht sind, die auch bereit sind, Gelder dafür zu bewilligen. Das war im kommunistischen Regime nicht der Fall, da wurde lediglich der Spitzensport großzügig gefördert. Gott sei dank ist das jetzt anders."

Die Firma SPORTtechnik BOHEMIA ist eines der renommiertesten tschechischen Unternehmen, die sich dem Bau von Sport- und Freizeitstätten verschrieben haben. Seit 12 Jahren ist die Firma hierzulande führend auf diesem Sektor und hat sich insbesondere durch die Errichtung moderner Tennisanlagen einen Namen gemacht, wie zum Beispiel dem Tenis Centrum in Ceské Krumlov/Krummau oder dem Tennis-Center Martin Damm in Hluboká nad Vltavou/Frauenberg. Doch zurück zu den Sport- und Spielstätten für die Jugend, denen Vopicka und Co. eine erhöhte Aufmerksamkeit beimessen. Denn auf diesem Feld sei noch einiges zu tun, meinte Vopicka: "Ich kann Ihnen sagen, dass es schon viele solcher Sportanlagen hierzulande gibt. In Prag sind es zum Beispiel mehr als 200 und in der gesamten Republik um einige weitere Hundert mehr. Aber es sind immer noch zu wenig, da die letzten 40 Jahre so gut wie nichts in dieser Hinsicht gebaut wurde. Noch gibt es also viel zu tun."

Und Milan Vopicka weiß, wovon er spricht. Seiner Meinung nach führt nämlich nur der Weg über ein umfassendes Sport- und Freizeitangebot dazu, Kinder und Jugendliche von unnötigen Dummheiten abzuhalten und ihnen das Gefühl zu geben, in der Gesellschaft willkommen zu sein. "Ich weiß, dort, wo es solche Freizeitanlagen gibt, treffen Mütter und Väter ihre Kinder auch mit großer Sicherheit an. In solch einem Fall sind sie nämlich weg von der Straße sowie bei Sport und Spiel vollends beschäftigt, so dass sie weder Zeit noch Gelegenheit finden, irgendwelchen Blödsinn auszuhecken. Ich denke, das ist ein guter Weg, wie man Jugendliche führen und zu charakterlich gefestigten Menschen heranerziehen kann. Lassen Sie mich das abschließend so sagen: Im Sport gibt es immer Sieger und Besiegte, doch am Ende eines jeden Wettstreits respektiert man die Leistung des Kontrahenten und gibt sich die Hand. Dies ist eine Erscheinung, wie wir sie im ach so zivilisierten Leben so gut wie gar nicht mehr antreffen. Leider", monierte Vopicka.

Tja, und leider ist auch unsere Sendezeit schon wieder zu Ende. Wir danken für Ihre Aufmerksamkeit, vom Mikrofon verabschieden sich - Dagmar Keberlová und Lothar Martin.