St. Wenzels-Musikfestspiele in Srbska Kamenice

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Von Marketa Maurova.

Ich möchte Sie, liebe Hörerinnen und Hörer, nun nach Nordböhmen führen. Dort, im malerischen Tal des Flüsschen Kamenice befindet sich ein Dorf Namens Srbska Kamenice (Windisch Kamnitz), das von einer Anhöhe durch ein schönes Barockkirchlein bewacht wird. Dass am Hauptaltar dieser Kirche eine Statue des böhmischen Landespatrons steht, muss ich wohl nicht betonen. Seit mehreren Jahren findet in Srbska Kamenice Ende September anlässlich des Namenstages des hl. Wenzel nicht nur eine Wallfahrt, sondern auch ein Musikfest statt. Mehr erfahren Sie aus dem folgenden Gespräch: Ich habe mich über die ursprüngliche Initiative und die weitere Entwicklung des Festes mit dem Festivaldirektor, Tomás Cistecký unterhalten. Zunächst hören Sie aber eine kleine musikalische Hörprobe: Das Bum-Kammerorchester, ein Ensemble der Musik-Amateure aus Prag unter der Leitung von Petr Verner, das am letzten Samstag in Kamenice auftrat, spielt die Serenade für Streichorchester von Peter Iljitsch Tschajkowskij:

"Die Idee entstand im Zusammenhang mit den revolutionären Veränderungen in der Tschechischen Republik. Denn nach der Wende 1989 trat eine allmähliche Wiederbelebung dieses Grenzgebietes auf. Vorher waren alle Kirchen in den Grenzgebieten und eigentlich in der ganzen Republik zerstört. Im Jahre 1993 gelang es, die Kirche hier in Srbská Kamenice zu renovieren. Und da die Kirche dem hl. Wenzel geweiht ist, entstand die Idee, dieses Patrozinium durch ein Konzert zu ehren. Das war der eigentliche Beginn des heutigen Festivals."

Dabei ist es jedoch nicht geblieben. Das Programm ist heute wesentlich breiter...

"Im Laufe der Jahre fanden wir es schade, die Kirche nur einmal pro Jahr zu nutzen. Es gelang uns, das Festival auch auf die Sommermonate, auf Juli und August, auszudehnen und mit Hilfe der hiesigen Bewohner, Sommergäste und Sponsoren eine Veranstaltung mit einem hohen künstlerischen Niveau zu schaffen, auf dem wirklich renommierte Künstler auftreten."

Welche Form hat das Festival angenommen, sind es gelegentliche Konzerte oder regelmäßige Veranstaltungen?

"Srbska Kamenice liegt in der Böhmisch-Sächsischen Schweiz, d.h. in einer wunderschönen Landschaft, die viele Touristen besuchen. Wir haben uns daher entschieden, das Festival als einen regelmäßigen Zyklus zu gestalten: die Konzerte finden hier samstags nachmittags statt. Sie sind sehr gut besucht, sowohl von Einheimischen, als auch von deutschen, aber auch von holländischen Touristen. Es handelt sich keinesfalls nur um eine lokale Angelegenheit der hiesigen Bewohner, denn Srbská Kamenice ist ja nur ein kleines Dorf. Es kommen Besucher aus Dresden, aus Zittau und aus der weiteren Umgebung. Denn es gibt keine andere Möglichkeit, Konzerte von einem vergleichbaren Qualitätsniveau zu hören. Dafür müsste man schon nach Dresden, nach Berlin oder nach Prag fahren."

Der Festivaldirektor Tomas Cistecky ist selbst Musiker und spielt im Nationaltheater in Prag. Seine persönlichen Kontakte nutzt er daher dazu, hervorragende Musiker für die Konzerte in dem Kirchlein in Srbska Kamenice zu gewinnen. Einem großen Erfolg verzeichneten in diesem Sommer die Auftritte des Trompetenspielers der Staatsoper Prag, Ladislav Sadilek, sowie des Organisten Tomas Hostinsky. Einen Höhepunkt stellte dann das Konzert des französischen Streichquartetts "Renoir" dar, dessen Mitglieder im Orchester von Radio France spielen und Laureaten vieler Wettbewerbe sind. Der Direktor ist sehr stolz auf das hohe Niveau des Festivals. Doch auch Amateure kommen hier zu Wort:

"Ja schon und zwar am Tag des hl. Wenzel, an dem das ganze Festival gipfelt. Bei diesem Konzert treffen sich sowohl Amateure als auch professionelle Musiker, allesamt Freunde von Srbská Kamenice aus der weiteren Umgebung - aus Teplitz, aus Prag, aber auch aus Deutschland. Wir haben hier diesmal ein Quartett aus Dresden. Es freut mich, dass sich hier alle möglichen Professionen, aber auch Amateure und verschiedene Nationen vermischen. "

Die Musikliebhaber waren jedoch nicht die einzigen Gäste, die sich am letzten Wochenende in Srbská Kamenice getroffen haben. Bereits am Anfang haben wir gesagt, dass die barocke Kirche im Jahre 1993 renoviert wurde. Dafür waren Spenden von großer Bedeutung, die ehemalige Bewohner dieses Grenzdorfes beisteuerten. Sie leben heute in Deutschland, treffen sich aber regelmäßig in ihrem Geburtsort. Viele waren auch im Publikum des St.-Wenzel-Konzertes zu finden, wie etwa Herr Josef Lorenz, den ich angesprochen habe:

Die Toccata und Fuge Nr. 3 a moll von Josef Seger, gespielt von Marie Cervova in der St. Wenzelskirche in Srbska Kamenice (Windisch Kamnitz), beendet unsere heutige Sondersendung.