Stadt Kolin wurde im Wettbewerb um neues BMW-Werk von Leipzig geschlagen

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Im mittelböhmischen Kolin wurde das Projekt des größten tschechischen Gewerbeparks wie maßgeschneidert für die Gesellschaft BMW vorbereitet. Als Standort für das neue Werk von BMW hat jedoch Leipzig das Rennen gemacht. In Kolin herrscht Enttäuschung und wird nach einem neuen Investoren - am besten aus der Automobilbranche gesucht. Martina Schneibergova fasst zusammen.

"Die politische Kraft hat Kolins Chancen begraben" oder "Warum wurde die tschechische Stadt nicht ausgewählt?" Ähnliche Schlagzeilen konnte man in der tschechischen Tagespresse am Donnerstag lesen, nachdem klar geworden war, dass sich Leipzig gegen die vier konkurrierenden Standorte - Schwerin, Augsburg, Arras und Kolin durchgesetzt hat. Kolin machte sich Hoffnungen auf Investitionen, insbesondere dank den vorhandenen billigen qualifizierten Arbeitskräften. Der Tageszeitung Mlada fronta Dnes zufolge gehörte zu Kolins Vorteilen außerdem die dank der Präsenz des Automobilherstellers Skoda Auto existierende hochentwickelte Lieferantenindustrie. Zu den Nachteilen zählten laut der Zeitung die schlechte Infrastruktur, Mangel an bestimmten Fachkräften sowie die Sprachbarriere.

Der Chef der tschechischen Agentur für ausländische Investitionen Czechtrade, Martin Jahn, brachte gegenüber der Tageszeitung Hospodarske noviny die Meinung zum Ausdruck, die Entscheidung, das neue BMW-Werk in Leipzig zu errichten, sei auf Kolins Kosten durch politische Beweggründe motiviert worden. Die Bürgermeisterin von Kolin, Zdenka Majerova, ließ verlauten, der Misserfolg werde die Stadt nicht davon abhalten, einen großen Gewerbepark aufzubauen. Weitere Investoren melden sich nämlich schon, meinte Majerova.

Die Stadt begann den Gewerbepark im Februar dieses Jahres vorzubereiten, innerhalb von drei Monaten gelang es, Verträge mit fast allen 300 Besitzern der Grundstücke zu schließen. Keiner von ihnen lehnte den angebotenen Preis 250 Kronen für einen Quadratmeter ab. Die Arbeiten am Gewerbepark sollen im September beginnen.

Als neuer Investor für Kolin kommen nun der tschechischen Tagespresse zufolge die Automobilhersteller Toyota und Peugeot in Frage. Nach Informationen der Sprecherin der Czechinvest-Agentur wurden Gespräche mit Toyota inzwischen aufgenommen. Die Firma hat vor, gemeinsam mit dem französischen Automobilhersteller Peugeot in Mitteleuropa ein Werk im Wert von bis zu einer Milliarde Euro zu errichten und damit ca. 3000 Arbeitsplätze zu schaffen. Kolin wird also wieder mit 100 bis 200 Angeboten aus Europa konkurrieren müssen. Nach Meinung von Martin Jahn gibt es in Europa nur wenige ähnlich große Gewerbeparks und deswegen nimmt er an, dass die Grundstücke in Kolin auf Investoren nicht lange warten werden. In einem Kommentar der Hospodarske noviny wird abschließend festgestellt: Auch wenn Kolin, in dem Wettbewerb, an dem 250 Bewerber teilnahmen, nicht siegte, hat es doch wertvolle Punkte für weitere Rennen gesammelt.