Stockholmer Konvention

Am Mittwoch unterzeichneten Regierungsvertreter von 110 Staaten in Stockholm eine Konvention zum Verbot von zwölf hochgiftigen Chemikalien. Bevor das Verbot aber in Kraft treten kann, müssen mindestens 50 Unterzeichnerstaaten die sog. Stockholmer Konvention ratifiziert haben. Wie die Situation bezüglich der Konvention und der betroffenen Giftstoffe in Tschechien aussieht, erfahren Sie von Olaf Barth.

Umweltminister Milos Kuzvart, der für die Tschechische Republik die Konvention unterzeichnete, zeigte sich zuversichtlich, dass auch das Tschechische Parlament die Vereinbarung bald ratifizieren werde. Schließlich habe man hierzulande bereits vorab den Statuten der Stockholmer Konvention entsprechende Gesetze über chemische Stoffe und Abfälle ausgearbeitet und vom Parlament verabschiedet. Nur Präsident Vaclav Havel müsse diese noch absegnen, fügte Kuzvart an. Die Umweltbewegung "Deti Zemì" / "Kinder der Erde" hat sich in Tschechien schon seit langer Zeit dem Kampf dieser nun geächteten Chemikalien gewidmet - von denen das Pestizid DDT und das berüchtigte Dioxin wohl die bekanntesten sind. Ich fragte die Sprecherin der Organisation, Adela Kubickova, wie in Tschechien die Situation bezüglich dieser Gifte aussehe:

"In der Tschechischen Republik sind die meisten dieser Gifte schon verboten. Es geht aber auch darum, dass diese Stoofe irgendwie liquidiert werden müssen und es sind noch alte Lager hier in der Tschechischen Republik mit DDT und PCB und anderen Pestiziden und Stoffen."

Und wie kann man diese Gifte ökologisch sinnvoll liquidieren? "Die beste Möglichkeit, die wir haben, ist die chemische Destruktion anstatt der bloßen Verbrennung. Denn bei einer Verbrennung kommen diese Stoffe leider auch in die Luft und deshalb ist die chemische Methode die bessere."

Deti Zemì hatte gerade vor einer Woche eine Studie veröffentlicht, nach der in Tschechien eine deutlich höhere Dioxinbelastung festgestellt wurde, als in vielen anderen europäischen Ländern. In der Muttermilch tschechischer Frauen hat man z.B. eine zweimal so hohe Dioxinbelastung festgestellt, als bei Müttern in deutschen Industrieregionen. Woher kommt das tschechische Dioxinproblem und was kann zu dessen Lösung getan werden, fragte ich Frau Kubickova:

"Die größten Produzenten von Dioxinen sind Energieerzeuger, chemische Industrie, Müllverbrennungsanlagen und Schwerindustrie. Die tschechische Republik braucht straffere Vorschriften für die Limitierung von Dioxin und deshalb finden wir den Stockholmer Vertrag auch sehr wichtig. In diesem Gebiet wird die Tschechische Republik noch am meisten machen müssen."

Autor: Olaf Barth
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