Täglicher Nachrichtenüberblick

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Tschechische Wahlen zum EU-Parlament beendet mit unter 20 Prozent Beteiligung

Die Wahlen zum Europaparlament in Tschechien sind abgeschlossen. Punkt 14 Uhr schlossen am Samstag nach sechs Stunden die Wahllokale, die bereits am Freitag für acht Stunden geöffnet waren. Ersten Schätzungen zufolge war die Wahlbeteiligung allerdings äußerst niedrig. Nach Information der Nachrichtenagentur ČTK, die sich auf Mitteilungen der Wahlkommissare berief, ist nur knapp ein Fünftel der 8,4 Millionen Wahlberechtigten des Landes an die Urne getreten. Das wäre ein neuer Minusrekord, bei der letzten Europawahl lag die Wahlbeteiligung in Tschechien noch bei 28 Prozent.

In Tschechien konnten die einheimischen Bürgerinnen und Bürger sowie EU-Bürger mit gültiger Aufenthaltsgenehmigung ihre 21 Europaabgeordneten aus 38 Parteien und Bewegungen wählen. Einer Prognose der Tageszeitung „Mladá fronta Dnes“ (MfD) zufolge wurde die Europawahl in Tschechien von der konservativen Partei Top 09 gewonnen, die nach dieser Einschätzung auf 18 Prozent der Wählerstimmen kommen sollte. Danach folgen zwei Regierungsparteien, die Sozialdemokraten (ČSSD) mit 17 Prozent und die Ano-Partei mit 15,5 Prozent. Laut der MfD-Prognose übersprangen mit den Kommunisten (KSČM), den Christdemokraten (KDU-ČSL) und den Bürgerdemokraten (ODS) noch drei weitere Parlamentsparteien die für den Einzug ins Europarlament erforderliche Fünf-Prozent-Hürde. Das offizielle Wahlergebnis wird jedoch frühestens am Sonntagabend nach 23.00 Uhr vorliegen.

Europawahl in Tschechien: Haben Top 09 und Babiš-Gattin das Wahlgesetz verletzt?

Im Verlauf der Europawahl in Tschechien gab es einige Ungereimtheiten, die noch Folgen haben könnten. So wird der konservativen Partei Top 09 – nach Einschätzung der Tageszeitung „Mladá fronta Dnes“ der vermutliche Wahlsieger des Landes – vorgeworfen, den Wahlkodex verletzt zu haben. Grund für diese Annahme ist die Ausstrahlung eines 30-sekündigen Wahlspots der Partei bei mindestens einem privaten Radiosender. Das ist laut Gesetz nicht erlaubt. Das sei eine beispiellose Verletzung der Wahlregularien, sagte dann auch der Spitzenkandidat der Partei der freien Bürger (Svobodní) Petr Mach. Die Partei Top 09 wehrt sich gegen diesen Vorwurf mit der Erklärung, dass der Spot keine Wahlwerbung, sondern lediglich den Aufruf, wählen zu gehen, zum Inhalt hatte. Am Ende des Spots fordert Parteichef und Ex-Außenminister Karel Schwarzenberg die Bürger dazu auf, nicht auf die Europawahl zu pfeifen, sondern zur Wahl zu gehen, denn sie sei sehr wichtig für das Land.

Am Freitag hat sich indes die Gattin von Finanzminister und Ano-Parteichef Andrej Babiš einen Fauxpas geleistet. Monika Babišová trat gleich zweimal an die Wahlurne, denn beim ersten Mal hatte sie vergessen, den Stimmzettel ihrer Wahl in den dafür vorgesehenen Umschlag zu stecken. Der Einwurf eines Stimmzettels ohne Umschlag wird nämlich als ungültige Stimmabgabe gewertet. Der Leiter des Wahllokals ließ Babišová aber nochmals abstimmen und an die Wahlurne treten mit der Begründung, dass „ihr erster Versuch“ auf seinem Fehler beruhe. Beim zweiten Anlauf war jedoch auch Babišovás Gatte Andrej in der Wahlkabine, was ebenfalls nicht erlaubt ist. Laut Vladimír Řepka, dem Sprecher des Innenministeriums, werde sich die staatliche Wahlkommission am Montag aber nur dann mit dem Vorfall befassen, wenn zuvor eine offizielle Beschwerde dazu bei ihr eingegangen ist.

Polizei beschuldigt drei Männer des Betrugs am Staat in Höhe von 440 Mio. Euro

Die tschechische Polizei hat in dieser Woche drei Männer des Betrugsversuchs bezichtigt, bei dem angeblich das staatliche Forstunternehmen Lesy ČR und die Tschechische Republik um umgerechnet bis zu 440 Millionen Euro erleichtert werden sollten. Einer der Beschuldigten ist ein ehemaliger Angestellter des Forstunternehmens. Sollte dem unter Tatverdacht stehenden Trio die Schuld nachgewiesen werden, drohen den drei Männern bis zu zehn Jahre Haft. Das gab der Sprecher der Antikorruptionsabteilung der Polizei, Jaroslav Ibehej, am Freitag in einer Pressemitteilung bekannt. Nach Information der Presseagentur ČTK dreht es sich bei der Causa um die amerikanische Firma Washington Investment Company (WIC) und ihre angeblich vereitelte Investition betreffs einer Bestellung von Lesy ČR zur Optimierung der Informationstechnologie des Unternehmens.

WIC hat vor drei Jahren die Eröffnung eines Rechtsstreits mit der Tschechischen Republik in zwei verschiedenen Fällen bekanntgegeben. Der erste Streit entstand dabei schon 2007 im Zusammenhang mit der Stornierung eines Großauftrags von Lesy ČR, nachdem die Leitung des Staatsunternehmens gewechselt hatte. Das Finanzministerium in Prag antwortete auf eine Anfrage von ČTK indes, dass kein Rechtsstreit mit WIC eingeleitet worden sei.

Rat der Hochschulen: Neuer Vertrag gefährdet Anerkennung von in Slowakei erworbenen Titeln

Ein neuer internationaler Vertrag über die Anerkennung von Bildungsabschlüssen gefährdet auch das Hochschulwesen in Tschechien. Nach Anwendung dieses Vertrags bestehe nämlich die Gefahr, dass Abschlüsse in Tschechien und der Slowakei nicht gleichwertig eingestuft würden. So könne es passieren, dass die an slowakischen Schulen erzielten Titel eines Professors oder eines Dozents in Tschechien ihre Gültigkeit verlieren, sagte der Vorsitzende der Legislativkommission des Rates der Hochschulen (RVŠ) in Tschechien, Marek Hodulík, der Nachrichtenagentur ČTK. Das wiederum könnte zur Folge haben, dass mehrere Gelehrte ihre Akkreditierungen verlieren, was in einigen Fällen bis zur Einstellung eines gesamten Hochschulzweigs an der jeweiligen Einrichtung führen könnte. Aus diesem Grund habe der Rat bei seiner Versammlung am vergangenen Donnerstag empfohlen, die Ratifizierung des strittigen internationalen Vertrags von tschechischer Seite nicht zu vollziehen. Das Bildungsministerium in Prag hat sich zu dieser Ansicht bisher noch nicht geäußert.

Heftige Gewitter beendeten Hitzewelle in Tschechien

Die vier Tage anhaltende Hitzewelle in Tschechien wurde am Freitag durch heftige Unwetter gestoppt. Bereits in den frühen Nachmittagstunden erreichten die Wärmegewitter von Westen her das Gebiet der Republik, so dass der böhmische Landesteil bis zum Freitagabend von zum Teil sinnflutartigen Niederschlägen heimgesucht wurde. Später schwappte die Gewitterfront auch nach Mähren und Mährisch-Schlesien über.

Den Angaben der Radarüberwachung zufolge wurde an einige Orten des Landes eine Niederschlagsmenge von 20 bis 30 Milliliter pro Quadratmeter registriert, gab Pavel Borovička vom Tschechischen Hydrometeorologischen Institut (ČHMÚ) bekannt. Große Regenmengen fielen insbesondere auf das Einzugsgebiet des Flusses Sázava, wo bei Ždár nad Sázavou auch eine entsprechende Hochwasserwarnung ausgerufen wurde. Die höchste Stufe dieser Warnung wurde aber letztlich nicht erreicht, der Pegel des Flusses kam 20 Zentimeter unter der kritischen Grenze zum Stehen. Starke Regengüsse gab es auch in der Hauptstadt Prag, wo in einigen Stadtbezirken mehrere Keller überschwemmt wurden. Die Feuerwehr war hier wie auch in einigen anderen Regionen pausenlos und bis in die Nacht zum Samstag im Einsatz.

Die Unwetterwarnung des ČHMÚ gilt noch für den gesamten Samstag, an dem weitere ergiebige Niederschläge erwartet werden. Erst am Sonntag kommt es zu einer Wetterberuhigung mit wieder häufigem Sonnenschein. Vor den heftigen Gewittergüssen vom Freitag war es in ganz Tschechien unverhältnismäßig heiß. Gleich an 39 Orten, an denen die Temperatur seit mindestens 30 Jahren regelmäßig gemessen wird, wurden daher neue Wärmerekorde für einen 23. Mai registriert.

Eishockey-WM: Tschechien unterliegt Finnland im Halbfinale 0:3

Bei der Eishockey-Weltmeisterschaft in Minsk hat die tschechische Nationalmannschaft am Samstag ihr Halbfinalspiel gegen Finnland mit 0:3 verloren. Damit haben die Schützlinge von Head Coach Vladimír Růžička den Finaleinzug verpasst und spielen stattdessen am Sonntag um die Bronzemedaille. Gegner ist der entthronte Weltmeister Schweden, der im zweiten Halbfinalmatch gegen Russland mit 1:3 verlor. Gegen die Finnen lagen die Tschechen schon nach neun Minuten in Rückstand und bissen sich danach an der geschickt verteidigenden Auswahl der Suomi die Zähne aus. Insgesamt aber war die tschechische Mannschaft in punkto Durchschlagskraft, Passgenauigkeit und Schnelligkeit den Finnen unterlegen, die daher verdient gegen Russland um Gold spielen.

Snowboard-Olympiasiegerin Samková ist tschechische Skisportlerin der Saison

Die Olympiasiegerin von Sotschi im Snowboardcross der Frauen, Eva Samková, ist am Freitag in Prag zum besten tschechischen Skisportler der abgelaufenen Saison gekürt worden. In der mehr als 40-jährigen Geschichte der Umfrage des tschechischen Skisportverbandes nach dem „König der weißen Spur“ ist damit zum ersten Mal eine Snowboard-Sportlerin als Siegerin hervorgegangen. Die 21-jährige Samková aus Vrchlabí im Riesengebirge hat die Goldmedaille in ihrer Disziplin bei den Spielen in Sotschi in souveräner Manier gewonnen. In allen Crossläufen einschließlich des Finalrennens war sie die Schnellste und ließ der internationalen Konkurrenz keine Chance. Samková holte damit auch den ersten Olympiasieg für Tschechien in einer Disziplin des noch relativ jungen Snowboardsports. Die vorherigen drei Umfragen des Verbandes hatten jeweils männliche Skisportler gewonnen. Die letzte Frau vor Samková, die in Tschechien „Königin der weißen Spur“ wurde, war in den Jahren 2009 und 2010 die alpine Skisportlerin und Slalom-Weltmeisterin von 2007, Šárka Strachová.

Tennis: Plíšková verliert das WTA-Finale von Nürnberg gegen Bouchard

Die tschechische Tennisspielerin Karolína Plíšková hat das Finale des WTA-Turniers in Nürnberg verloren. Gegen Eugenie Bouchard, die kanadische Juniorinnen-Siegerin der Australian Open 2010, unterlag die 22-Jährige am Samstag in drei Sätzen mit 2:6, 6:4 und 3:6. Damit bleibt es nach der dritten Finalteilnahme bei einem WTA-Turniersieg der jungen Tschechin im Damen-Einzel. Den feierte sie im vergangenen Jahr in Kuala Lumpur. Zusammen mit der Niederländerin Michaela Krajicek hat Plíšková jedoch noch die Chance auf den Nürnberger Turniersieg im Doppel. Dazu muss das Duo im Finale das rumänisch-israelische Paar Raluca Olaru / Shahar Peer bezwingen.

Handball: Frauen von Baník Most verteidigen Meistertitel

Die Handballerinnen von Baník Most haben ihren Meistertitel in Tschechien erfolgreich verteidigt. In der spannenden Finalserie gegen Slavia Prag gelang den Nordböhminnen dabei eine famose Aufholjagd: Den 0:2-Rückstand nach den ersten beiden Partien drehten sie noch in den Endstand von 3:2 Siegen zu ihren Gunsten. Den Titel bringenden Schlusspunkt setzten die Schützlinge von Trainer Anděl Poloz am Samstag mit dem 27:24-Auswärtssieg in Prag. Nach ihrem vorherigen Pokalsieg feiern die Frauen aus Most damit den Gewinn des Doubles. Die Handballerinnen von Slavia Prag warten indes schon seit vier Jahren auf einen weiteren Titel.

Das Wetter am Sonntag: heiter bis bewölkt, bis zu 26 Grad

Am Sonntag ist es in Tschechien heiter bis bewölkt, nur noch am Nachmittag wird es vereinzelt zu Schauern oder Gewittern kommen. Morgens örtlich Frühnebel. Die Tageshöchsttemperaturen steigen auf 22 und 26 Grad, in Höhenlagen ab 1000 Meter werden maximal 18 Grad Celsius erreicht.