Theater als Odyssee: Internationales Projekt macht Station in Prag

Foto: Michal Selinger, Archiv des Tschechischen Rundfunks

Das Theater als Odyssee: Künstler aus einigen europäischen Ländern reisen gemeinsam auf einem Segelschiff, veranstalten Workshops und führen Vorstellungen auf. In drei Sommern hintereinander treten sie in verschiedenen Ländern Europas auf - von der Ostsee bis zum Mittelmeer.

Vorstellung von Lenka Vagnerová
In ihren gemeinsamen Vorstellungen verbinden sie Elemente aus Homers Odyssee mit Themen der Gegenwart. Das ist das internationale dreijährige Projekt mit dem Titel „Meeting the Odyssey“, im Mai wurde es gestartet. Nach Russland, Estland, Polen und Deutschland machen die Künstler in diesen Tagen auch Station in Prag.

Auf dem Programm des Festivals in der tschechischen Hauptstadt mit dem Titel „Theaterodyssee“ stehen 30 Vorstellungen verschiedener Ensembles. So wird unter anderem die tschechische Choreografin Lenka Vagnerová die Zuschauer in einer neuen gemeinsamen Inszenierung mit dem deutschen Choreografen Felix Landerer in die Welt der Magie entführen. Lucie Čunderlíková ist Sprecherin der Prager „Theaterodyssee“:

 Lucie Čunderlíková (Foto: Tschechisches Fernsehen)
„Vagnerová ist in der Lage, die Zuschauer bei ihren Vorstellungen ins Geschehen miteinzubeziehen. Sie bringt ihre Gedanken mit dem Tanz, mit der Bewegung zum Ausdruck.“

Das Ziel der Prager Station sei es, tschechische Künstlerinnen und Künstler vorzustellen, die im Ausland anerkannt, aber in der Heimat wenig bekannt sind.

„Bei uns wird das Bewegungstheater immer noch eher als eine Randerscheinung betrachtet, diw nur einen eingeschränkten Kreis an Zuschauern anspricht. Dabei ist diese Theaterkunst imstande, die Menschen miteinander zu verbinden, weil keine Sprachbarrieren bestehen.“

„Sclavi / das Emigrantenlied“ (Foto: Michal Selinger, Archiv des Tschechischen Rundfunks)
Das internationale Ensemble „Farma v jeskyni“, das in Prag seinen Sitz hat, führt nach einigen Jahren beim Festival seine berühmteste Inszenierung auf. Sie heißt „Sclavi / das Emigrantenlied“. Regisseur Viliam Dočolomanský wurde für das Stück mehrfach ausgezeichnet, in Tschechien erhielt er den Alfred-Radok-Theaterpreis. Das Ensemble „Farma v jeskyni“ sei spezifisch, sagt Dočolomanský:

„Es ist etwas zwischen dem Bewegungs- und dem Musiktheater, denn es wird live gesungen. Wir kommunizieren in einer eigenen Sprache miteinander. In der Vorstellung geht es um einen Gastarbeiter, der in sein Heimatdorf zurückkehrt und sich darauf freut, wie er dort begrüßt werden wird. Er erlebt aber eine noch tiefere Fremdheit als zuvor im Ausland. Seine Frau hat einen anderen Mann, die Tochter erkennt ihren Vater nicht mehr und die Freunde ignorieren ihn. Er versucht trotzdem zurückzukehren.“

Schiff „Tajemství“ (Foto: Tschechisches Fernsehen)
Die Vorstellungen der „Theaterodyssee“ finden bis zum 30. Juli an mehreren Orten in Prag statt: auf dem Schiff „Tajemství“ der Brüder Forman an der Moldau, im Hybernia-Theater und in der Zirkusarena im Zítek-Park auf dem Palacký-Platz. Von Prag aus reisen die Ensembles dann weiter nach Kopenhagen und Helsinki.