„Trialog“-Konferenz in Prag: Angehende Historiker aus drei Ländern debattieren über das Thema Erinnerung

Foto: Romy Ebert

Ob der Zusammenbruch der Sowjetunion, der Zweite Weltkrieg oder der Prager Frühling: Die Beurteilung historischer Ereignisse liegt oft im Auge des Betrachters. Genau das erfahren junge Studierende aus Deutschland, Russland und der Tschechischen Republik seit Donnerstag hautnah. Beim „Trialog“ an der Karlsuniversität Prag beschäftigen sie sich mit den verschiedenen Perspektiven von Erinnerungen.

Foto: Romy Ebert
Sie kommen aus Regensburg, Prag und St. Petersburg und studieren Philosophie, Soziologie und vor allem Geschichte. 25 junge Akademiker sind zum diesjährigen „Trialog“ nach Prag gekommen. Vier Tage lang geht es um die Veränderung des Gedächtnisses, kollektive Erinnerung und Zukunftsvisionen. Die Studierenden präsentieren eigene Forschungsergebnisse und geben diese dann für die internationalen Kommilitonen zur Diskussion frei. Woher die Idee zu dem Geschichtsprojekt kam, erläutert Professor Ulf Brunnbauer von der Universität Regensburg:

Ulf Brunnbauer (Foto: Romy Ebert)
„Der spriritus rector der ganzen Veranstaltung des Trialogs ist Reinhard Krumm, der bis vor wenigen Wochen Leiter des ausländischen Büros der Friedrich-Ebert-Stiftung in Moskau war. Er ist an mich herangetreten mit dem Vorschlag, ein Projekt zu starten, das ausländische Studierende aus Deutschland und Russland zusammenführt. Wir sind dann schnell zu dem Schluss gekommen, dass es Sinn haben würde, noch ein weiteres Land zu integrieren, und da lag kein anderes Land näher als Tschechien.“

Laut Professor Brunnbauer, war den Initiatoren vor allem die besondere Zusammenstellung der Länder wichtig:

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„Beim Trialog geht es um kollektive Erinnerung. Wir beschäftigen uns besonders intensiv mit der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg. Die tschechische Erinnerung ist auf das Engste verbunden mit der deutschen, aber auch mit der russischen. Insofern haben wir drei unterschiedliche Perspektiven auf ein und dasselbe Ereignis, und das ergibt einen sehr produktiven Trialog.“

Die lebendigen Diskussionen helfen den Studierenden auch bei ihren eigenen Arbeiten. Jaromír Mrňka, Student der Wirtschafts- und Sozialgeschichte in Prag, hat gerade sein Thema vor dem Plenum präsentiert.

Gedenkstätte in Lidice
„Es ist wichtig, andere junge Leute zu treffen und mit ihnen über unsere Projekte zu diskutieren. Die Studenten aus Deutschland und Russland haben in einigen Punkten eine andere Sicht der Geschichte, und das ist gut für mich. So kann ich über mein eigenes Geschichtsbild nachdenken.“

Neben der Vorstellung ihrer Forschungsergebnisse lernen sich die Studenten auch persönlich kennen: Nach den Präsentationen verbringen sie die Abende zusammen oder machen Ausflüge. In diesem Jahr besuchen die Teilnehmer die Gedenkstätte in Lidice.

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Das Treffen in Prag ist der Abschluss eines insgesamt dreijährigen Projektes. Vor der Trialog-Konferenz in Prag gab es in den vergangenen Jahren ähnliche Tagungen in Regensburg und St. Petersburg. Im Idealfall sind die Teilnehmer bei allen drei Tagungen dabei – so wie Julia Kling:

„Ich hatte einfach das Glück, dass das, was ich an der Uni gemacht habe, zum Trialog thematisch immer gut gepasst hat. Es ist eine tolle Erfahrung und ich bin begeistert, dass es immer wieder nach dem gleichen Format und an einem anderen Ort stattfindet.“

Auch wenn die Konferenz in Prag die letzte in dieser Reihe ist, soll noch lange nicht Schluss sein. Professor Michal Pullmann, der das Treffen an der Karlsuniversität organisiert hat, plant schon weiter:

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„Vor allem muss ich betonen, dass die Zusammenarbeit nicht auf diese drei Jahre beschränkt werden kann. Wir müssen andere Projekte ausdenken, seien es Konferenzreihen, Graduiertenkollegs oder vereinzelte Workshops.“

Konkret geplant sind bisher also noch keine weiteren Projekte. Man kann aber sicher sein, dass die Zusammenarbeit zwischen den Universitäten in Prag, Regensburg und St. Petersburg nicht abreißen wird: Sie kooperieren schon seit über zehn Jahren.