Tschechien und der Klimagipfel

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Von Hitzewellen, Dürreperioden, Wirbelstürmen und Überschwemmungskatastrophen war in den letzten Wochen nicht nur in Den Haag die Rede, sondern auch überall in der Welt wurde darüber berichtet und diskutiert. Wie man in der Tschechischen Republik auf den Ausgang des Weltklimagipfels reagierte, erfahren Sie von Olaf Barth.

Das Medieninteresse in der Tschechischen Republik galt in den letzten Wochen anderen Themen als dem, das vor allem die EU- Staaten und deren Pressevertreter in den vergangenen zwei Wochen in Atem hielt.

Wer hierzulande etwas über die Konferenz erfahren wollte, die u.a. den Durchbruch zur weltweiten Emissionsverminderung der klimaschädlichen Treibhausgase bringen sollte, musste die Zeitungen schon akribisch durchstöbern, um wenigstens eine kurze Randnotiz über den Verlauf und die Erfolgs- oder Misserfolgsaussichten des Gipfels zu finden. Um darüber hinaus Informationen über den Stand der tschechischen Bemühungen zur Senkung der Treibhausgase zu erhalten, bedurfte es schon einiger geradezu detektivischer Anstrengungen.

Denn wie der Redakteur der tschechischen Tageszeitung "Pravo", Pavel Verner, in seinem Kommentar bemerkte, interessiert man sich in der hiesigen Tagespresse weitaus mehr für die Konsequenzen der letzten Landkreiswahlen, als für die Inhalte und Ergebnisse einer Konferenz, die eine mögliche globale Klimakatastrophe verhindern soll.

Nach Abschluss der Konferenz am Samstag fand dann schließlich doch noch eine ausführliche Berichterstattung statt. Der allgemeine Tenor war eine kritische Haltung gegenüber den Positionen der USA, die man im wesentlichen für den Misserfolg in Den Haag verantwortlich machte. Dies wurde auch durch die Aussage des tschechischen Umweltministers Milos Kuzvart gekennzeichnet, der die Haltung der USA als unannehmbar verurteilte. Diese Einschätzung wiederholte er auch gegenüber Radio Prag und erläuterte außerdem, welche bereits vorbereiteten Maßnahmen in der Tschechischen Republik durch das Scheitern des Den Haager Gipfels behindert werden:

"Es geht darum, dass die sehr positiven Schritte, die sonst unverzüglich realisiert werden könnten, jetzt nicht umgesetzt werden. Ich denke da vor allem an die Modernisierung einer Reihe von Einrichtungen in der tschechischen Wirtschaft. Es liegt auf der Hand, dass diese Schritte sowohl auf die Exportfähigkeit tschechischer Produkte als auch auf die Arbeitsplatzsituation Einfluss hätten."

Des Weiteren zeigte sich Milos Kuzvart zuversichtlich, dass Tschechien die Reduzierung der Treibhausgase im Zeitraum von 2008-2012 um 8 % gegenüber dem Ausstoß von 1990 gelingen werde. Bereits im Jahre 1997, als man dem Kyoto-Protokoll beitrat, hätte man die Emission dieser Klimakiller gegenüber 1990 um 24 % verringert, teilte Kuzvart mit. Diese Reduzierung war allerdings hauptsächlich auf den Rückgang der industriellen Produktion in Tschechien zurückzuführen, gab er zu.

Autor: Olaf Barth
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