Tschechien wird Haltung und Ausfuhr von Raubkatzen strenger regeln

Foto: Sarah Richter, Pixabay / CC0

Ein Löwe oder Tiger, der von seinem Besitzer an der Leine geführt wird. Oder Raubkatzen, die eingepfercht in privater Haltung mit wenig Auslauf leben. Diese Missstände soll es künftig in Tschechien nicht mehr geben. Denn das Landwirtschaftsministerium hat am Donnerstag angekündigt, die Regeln für die Haltung von Großkatzen zu verschärfen.

Foto: Sarah Richter, Pixabay / CC0
Man geht im Prager Stadtteil Vinohrady spazieren, und auf einmal kommt einem ein Mann mit einem angeleinten Puma entgegen. Oder in den sozialen Netzwerken sind zahlreiche Fotos von Menschen zu sehen, die einen jungen Tiger oder Löwen umarmen und (mit ihm) schmusen. Dies alles war bisher in Tschechien möglich. Und private Tierhalter haben das weidlich ausgenutzt, wie der Chef der staatlichen Veterinärverwaltung, Zbyněk Semerád, sagt:

„Wir haben 250 Tiere in unserem Verzeichnis, die privat gehalten werden. In Tierparks wiederum sind zirka 150 Großkatzen untergebracht.“

Die private Tierhaltung unterliegt dabei keinen besonders strengen Vorschriften. Und so kam es zuletzt immer wieder vor, dass gefährliche oder exotische Tiere entliefen oder aber zu kommerziellen Zwecken missbraucht wurden. Dem will Landwirtschaftsminister Miroslav Toman (Sozialdemokraten) nun einen Riegel vorschieben:

Miroslav Toman (Foto: ČTK / Michal Krumphanzl)
„Es ist notwendig, die Anforderungen der Züchter bezüglich ihrer Qualifikation zu erhöhen. Wir müssen klare und verbindliche Bedingungen an die Tierhaltung stellen. Ebenso ist es erforderlich, die Zucht von Großkatzen zu Streichelzwecken zu verbieten. Und ganz sicher wird es auch nicht mehr erlaubt sein, dass jemand mit seiner angeleinten Großkatze in der Öffentlichkeit spazieren geht.“

All diese Punkte will der Minister in einem neuen Gesetz verankern. Bisher gibt es nämlich nur eine Bedingung für die Haltung von Raubkatzen: Der Züchter muss volljährig sein. Laut Toman wird das aber in Zukunft nicht mehr reichen:

„Der Züchter muss lernen, die Tiere artgerecht zu halten. Er muss ein wenig Praxis bekommen, um zu wissen, was die Großkatzen so alles brauchen. Am Ende des Lehrgangs wird es dann eine Prüfung geben und nur im Erfolgsfall auch eine Erlaubnis erteilt.“

Erik Geuss (Foto: Archiv der tschechischen Umweltinspektion)
Strenger gehandhabt werden soll zudem die Registrierung von Tieren. Aus gutem Grund, sagt der Vorsitzende der tschechischen Umweltinspektion, Erik Geuss. Er verweist auf die ziemlich geringe Lebenserwartung der Tiere in privater Haltung:

„Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Tigers in einem tschechischen Zoo beträgt 20 Jahre. Tiger in privater Haltung werden dagegen im Schnitt nur rund fünf Jahre alt.“

Eine weitere dunkle Seite der privaten Tierhaltung wurde am Donnerstag ebenfalls beleuchtet: Umweltminister Richard Brabec (Ano-Partei) ließ mit sofortiger Wirkung den Export von Tigern für kommerzielle Zwecke in Länder außerhalb der Europäischen Union verbieten. Hintergrund dieser Maßnahme ist der jüngste Fall der illegalen Tötung von mindestens drei Tigern. Die Polizei hatte bei Razzien in der vergangenen Woche drei Verdächtige festgenommen. Den Männern wird vorgeworfen, die Tiere getötet zu haben, um die Körperteile für die traditionelle chinesische Medizin zu verwenden. Auf dem Schwarzmarkt in Asien werden für Tigerprodukte Höchstpreise gezahlt.

Die Haltung von exotischen Tieren unterliegt in der Europäischen Union bisher keinen einheitlichen Regeln. In Tschechien ist man geschockt von den jüngsten Vorkommnissen und will nun einen großen Schritt in Richtung klarer Vorgaben machen.