Tschechisch gesagt

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Diese Woche beginnen wir mit einer neuen Sendereihe über die tschechische Sprache. Dies wird kein Sprachkurs im herkömmlichen Sinne sein, sondern eine Art Einführung in die Wunderwelt der tschechischen Sprache. Denn diese hat so einige Merkwürdigkeiten, Eigenarten und Skuriles zu bieten. Jede Woche werden Sie nun etwas über bestimmte Aspekte des Tschechischen erfahren, zum Beispiel etwas über den Slang, über das liebe Geld, darüber, warum sich die Binnenländer in Tschechien mit dem Seemannsgruss "Ahoj" begrüssen, warum Steffi Graf hierzulande Steffi Grafová und Marilyn Monroe Marylin Monroeová heisst, zudem wollen wir auch einen Blick auf Fremdwörter werfen, was es bedeutet, wenn jemand gĘeftovat oder emailovat. Jede Woche können Sie also etwas dazu lernen, wenn Sie am Freitag Radio Prag einschalten, oder einen Blick auf die Internetseiten werfen. Gute Unterhaltung wünschen Ihnen in Zukunft Katrin Bock und Martina Schneibergova.

Unseren Sprachkurs beginnen wir - wie könnte es anders sein - mit einer kurzen Geschichte des Tschechischen, das heute offizielle Sprache der Tschechischen Republik ist. Tschechisch gehört zu den slawischen Sprachen und ist eng mit dem Slowakischen verwandt - so eng, dass sich Tschechen und Slowaken ohne groessere Probleme verstehen. Auch wenn es sich für deutsche Ohren mannchmal wie Chinesisch anhört, gehört das Tschechische zu den indogermanischen Sprachen und ist mit dem Lateinischen verwandt. Schüler der tschechischen Sprache werden dies spätestens beim hoffnungslosen Kampf mit den sieben Fällen bemerkt haben.

Wann genau die tschechische Sprache entstanden ist, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Die ersten Slawen kamen während der grossen Völkerwanderung im 6. Jahrhundert in diese Gegend. Die erste slawische Schriftsprache war das Altkirchenslawische, das die beiden Slawenapostel Method und Kyrill aus Byzanz mit hierherbrachten. Die ältesten erhaltenen tschechischen Schrifttexte stammen aus dem 13. Jahrhundert, doch es ist wahrscheinlich, dass die Sprache bereits länger existierte, denn Schriftsprache war im Mittelalter Latein. Eine erste Blütezeit erlebte das Tschechische im 14. Jahrundert unter Kaiser Karl IV.

Mit der Machtübernahme der Habsburger im 16. Jahrhundert verlor das Tschechische allmählich seine Bedeutung als offizielle Sprache. Nach der Niederlage der böhmischen Stände gegen das Habsburgerheer 1620 wurde Deutsch zur Amtssprache, das Tschechische wurde zur Sprache der Bauern und des einfachen Volkes degradiert. Die folgenden 300 Jahre werden von den Tschechen deshalb gern als Zeit der Finsternis bezeichnet, in der das Deutsche dominant war. Erstes Licht fiel in diese aber bereits Ende des 18. Jahrhunderts, als die erste Geschichte der böhmischen Sprache und Literatur erschien. Während der nationalen Wiedergeburt im 19. Jahrhundert nahm der Gebrauch des Tschechischen schnell zu. Aus der Bauernsprache wurde wieder eine Literatursprache. Der Bau des tschechischen Nationaltheaters 1883 ist wohl der bis heute sichbarste Ausdruck der wachsenden Bedeutung der tschechischen Sprache.

Die tschechische Nationalbewegung erreichte 1918 ihr Ziel: einen eigenen Staat. Die Tschechoslowakei war allerdings ein multinationaler Staat, in dem neben rund sieben Millionen Tschechen, drei Millionen Deutsche, zwei Millionen Slowaken, rund 800.000 Ungarn, sowie einige Tausend Ruthenen, Ukrainer und Russen sowie Polen lebten. Offizielle Amtssprache war aber fast überall Tschechisch. Während der deutschen Okkupation zwischen 1939 und 1945 wurde es vom Deutschen abgelöst. Bis heute sind viele deutsche Wörter im Tschechischen gebräuchlich, eine Folge der jahrhundertenlangen Nachbarschaft der beiden Völker in den Böhmischen Ländern.

Nach der Machtübernahme der Kommunisten 1948 wurde der slawische Ursprung der Sprache betont und seine Verwandtschaft mit der Sprache des grossen russischen Bruders hervorgehoben. Erstaunlicherweise drangenn nur einige wenige russische Wörter während dieser Zeit in die tschechische Sprache. Viel schneller erfolgte nach 1989 die Aufnahme etlicher Anglizismen in das tschechische, doch dies hängt wohl mit dem Zeitgeist und den technischen Neuerungen zusammen.